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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

an 
Der Gebrauch von Oel zur Beruhigung der See, 
Es ist noch nicht gewifs ausgemacht, ob der über die geölte Strecke 
blasende Wind nicht auf die nächste Strecke, die aufserhalb der geölten Fläche 
liegt, etwas heftiger wirke, als er darauf wirken würde, wenn gar kein Oel auf 
das Wasser gegossen wäre. 
Ob die Wirkung des Oels so grofs sein könne, dafs man, wenn man 
ölige Materien in hinreichender Menge auf das Meer gielst, davon Vortheile 
für Schiffe bei heftigen Seestürmen und Brandungen hoffen dürfe, ist durch 
Versuche noch nicht bestimmt, durch Erfahrungen aber in einem gewissen Grade 
wahrscheinlich. 
Die geölten Wasserflächen lassen mehr Licht in das Innere eindringen 
and die von den im Wasser befindlichen Gegenständen reflektirten Lichtstrahlen 
ungestörter herausfallen. Taucher erhalten daher im Wasser dadurch mehr 
Licht, und Menschen, die in das Wasser von aufsen hineinsehen, erkennen die 
Gegenstände darin deutlicher.“ !) 
Neuerdings sind die praktischen Versüche über die Wirksamkeit des 
Oels von Herrn Shields aus Perth in Schottland wieder aufgenommen, indem 
er zuerst im November 1880 von Peterhead ans bei stürmischem Wetter nach 
See hinausfuhr und hier eine mit Oel gefüllte Flasche versenkte. Das Oel stieg 
an die Oberfläche, und sofort verschwanden die brechenden Kämme der Wellen, 
und nur noch eine glatte Dünung blieb im Bereiche des Oels. 
Um dies Resultat im Dienste der Schiffahrt weiter nutzbar zu machen, 
setzte Shields seine Versuche in Peterhead in gröfscecrem Maafsstabe weiter fort, 
indem er die vor der Hafeneinfahrt liegende, bei auflandigemnn Winde brandende 
Barre durch mittelst einer Röhrenleitung über dieselbe ausgebreitetes Oel 
yassirbar machen resp. die Gefahr für einlaufende Schiffe wesentlich verringern 
wollte. Aus einem am Lande aufgestellten Oeltank wurde eine Röhrenleitung 
bis zur Barre geführt und hier in Abständen von ca 20m Kegelventile in den 
Röhren angebracht, welche ein Austreten des mittelst Druckpumpe in Bewegung 
gesetzten Oels gestatteten. Der erste Versuch wurde an einem Tage gemacht, 
wo hohe Brandung auf der Barre stand; das durch die Röhren gepumpte Oel 
breitete sich schnell an der Wasseroberfläche aus und verwandelte die schäumende 
and brandende Wassermasse in eine glatte Wellenfläche. 
In Montrose an der Ostküste Schottlands erzielte zu derselben Zeit ein 
die Barre passirendes Rettungsboot durch Ausgiefsen von Oel auf das bewegte 
Wassor den gleichen günstigen Erfolg. 
Aehnliche Versuche mit einem nach See zu geführten Röhrensystem 
wurden von demselben Erfinder in Folkestone ausgeführt. MHicr waren drei 
yrofse Oelfässer am Lande aufgestellt, von welchen Bleirohre von 32 mm Durch- 
messer am Meeresgrunde entlang nach der Hafeneinfahrt gingen; durch Hand- 
pumpen, welche mit den Fässern in Verbindung standen, getrieben, strömte das 
Del am Grunde der Hafeneinfahrt aus, wodurch sich hier in der bewegten See 
in kurzer Zeit ein breiter langer glasähnlicher Streifen bildete. Ein aus dem 
Hafen in diesen mit Oel bedeckten Wasserstreifen geschicktes vollbemanntes 
Rettungsboot rollte zwar noch, nahm aber nicht die geringsten Spritzer über, 
während die Wellen aufserhalb des Oelstreifens sich zu Schaum brachen. Drei 
Stunden nach Abschlufs des Versuches passirte ein von Boulogne kommender 
Dampfer noch breite Strecken von Oel bedeckten ruhigen Wassers. 
Die von Gordons konstruirten Oelbomben hatten denselben Zweck; 
sie sollten nicht nur von Land aus gebraucht, sondern auch an Bord der 
Schiffe mitgeführt werden, um beim Verkehr zwischen zwei Schiffen unter 
ginander, bei Schiffbruch und anderen Gelegenheiten Verwendung zu finden. 
Sie bestanden in eisernen ecylindrischen Hohlgeschossen mit konischem Kopfe, 
welche mit ungefähr 3'/ Liter Oel und einer aus Pulver bestehenden Spreng- 
ladung gefüllt waren und, aus Mörsern geworfen, beim Auffallen auf das Wasser 
zrepiren und ihren Oelinhalt auf das Wasser ergiefsen sollten. Mit denselben 
angestellte Versuche fielen nicht ungünstig aus. 
Eine andere Erfindung desselben Konstrukteurs hatte den Zweck, von 
der Küste nach einem gestrandeten Schiffe eine Oelstrafse zu schaffen. Ein 
1) Wellenlehre auf Experimente gegründet. Von den Gebrüdern E. H. Weber ımd 
W. Weber. Leipzig 1825. S. 76.
	        
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