Bemerkungen über Montevideo und Charleston, S. €,
gröfste Sorgfalt zu verwenden, da dieselben den Beweis liefern sollen, dafs die
Ladung richtig abgeliefert ist. Kein Leichter darf löschen, der ohne obige
Papiere an’s Land kommt. In denselben ist anzuführen: Name und Nationalität
des Schiffes, Marke, Nummer und Anzahl der Kolli, Specifeirung derselben, ob
Kisten, Fässer, Ballen u. s. w., und der Name des Empfängers. Diese Ein-
tragungen müssen in Uebereinstimmung sein mit einem von dem Resguardo
unterzeichneten Scheine, den derselbe ausstellt, nachdem er von dem Erlaubnifs-
scheine der Contaduria zum Löschen Kenntnifs genommen hat, |
Im Falle Kapitäne in Schwierigkeiten gerathen, finden sie übrigens
stets gute Rathgeber in ihren Schiffshändlern. Die Deutschen, Norwegischen,
Schwedischen, Dänischen, Russischen und Holländischen Schiffer wenden sich
fast ausnahmslos an die Deutsche Firma H. B. Wille, die Englisch redenden
Nationen an den Engländer Evans.
Schliefslich habe ich noch eines Uebelstandes zu erwähnen, der für die
nach Montevideo mit Kohlen bestimmten Schiffe mitunter einen bedeutenden
Verlust für dieselben zur Folge hat,
Die betreffenden Kohlencharter enthalten in Bezug auf die Auszahlung
der Frachtgelder die Bestimmung, dafs die Fracht für das ausgelieferte Gewicht
der Kohlen bezahlt werden soll und das an der Ladung Fehlende vom Schiff
zu ersetzen ist. Nun werden aber im Ladehafen die Kohlen waggonweise, im
Bestimmungshafen dagegen korb- oder sackweise gewogd‘), und mufs deshalb,
selbst wenn auf beiden Seiten mit der größten Reellität und Sorgfalt gehandelt
wird, beim Löschen immer ein Untergewicht sich einstellen. Freilich machen
die Kaufleute in Montevideo von ihrem Recht, sich das ganze Untergewicht
bezahlen zu lassen, nur in Ausnahmefällen Gebrauch; in der Regel sind sie
mit der Hälfte des Betrages zufrieden oder stellen es dem Kapitän anheim, ob
er die Ladung auswägen lassen oder sich einen Abzug von 1! bis 2 pCt. von
der Bruttofracht, nach dem eingenommenen Quantum berechnet, gefallen lassen
will. Immerhin ist auch dieser Abzug als durchaus unbillig zu bezeichnen, um
so mehr als der Empfänger sich die in der Chartepartie bedungenen 21% bis
3 pCt. Adrefskommission stets nach der eingenommenen Ladung berechnet.
Nicht unter den niedrigen Frachtraten allein leidet die Schiffahrt seit einigen
Jahren so schwer, sondern anch ganz erheblich infolge der stets höher an-
wachsenden usanzmäfsigen Abzüge von der verdienten Fracht.
Während unsers Aufenthaltes in Montevideo wurden wir mehrere Male
von stürmischem Wetter heimgesucht. Der erste Sturm trat bald nach unserer
Ankunft ein. Am Vormittage des 27. Oktober 1885, als wir noch auf der
Rhede lagen, wehte ein leichter Nordostwind bei bezogenem Himmel. Gegen
Mittag nahm der Himmel ein drohendes Aussehen an, und Schwärme von
Fliegen, besonders den grofsen Brummfliegen, stellten sich auf dem Schiffe ein.
Um 2* p. m. lief der Wind unter Gewitter und Regen um nach Süd und begann
alsbald mit der Stärke 9 zu wehen, wobei die Temperatur der Luft von 26°
auf 16° C, fiel. Das Barometer, welches seit dem vorhergegangenen Tage im
Sinken begriffen war, stand um 6* p.m. den 27. auf 750,8 mm (red.). Alsdann
begann der Wind, allmählich linksdrehend, abzunehmen, wehte um 8" p.m., bei
einem Luftdrucke, der wieder bis 752,9 mm zugenommen hatte, aber noch
stürmisch aus Ost, Das Barometer machte Sprünge von 0,080“. Um 9" p.m,
wehte der Wind, der seine Linksdrehung beibehielt, nur noch als leichte Briese
aus Nord. Die Luft, welche bis dahin ein drohendes Aussehen hatte, gewann
nach 10° p.m., als das Mondlicht zur Geltung kam, ein besseres Aussehen,
doch hörten die Gewitter nicht vor Mitternacht ganz auf, Die Nacht über war
es flau und still. Am Vormittage des 28. Oktober fiel Regen aus dicker
nebelartiger Luft. Wir holten das Schiff in den inneren Hafen, nach einem
Platze einige Kabellängen südlich von Rat Island. Der Wind war von Neuem
aus Süd durchgekommen, um Mittag fing: es bereits an zu wehen, und um
6% p.m. wehte ein voller Sturm aus dieser Richtung, auf der Rhede einen
bedeutenden Seegang verursachend. Der Luftdruck hatte von: 753,5 mm um
12% Mittags bis 755,9 mm (red.) um 6" p.m. zugenommen. Die Schiffe auf der
Rhede schlingerten furchtbar, weil sie wegen des starken östlichen Stromes
quer zur See lagen. Die Dampfer mußten sogar ihre Arbeit einstellen. Auf
unserm Ankerplatz, woselbst die Wassertiefe 6,3 m (3,5 Fad.) betrug, war nur
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