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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Bemerkungen über Montevideo und Charleston, S. €, 
gröfste Sorgfalt zu verwenden, da dieselben den Beweis liefern sollen, dafs die 
Ladung richtig abgeliefert ist. Kein Leichter darf löschen, der ohne obige 
Papiere an’s Land kommt. In denselben ist anzuführen: Name und Nationalität 
des Schiffes, Marke, Nummer und Anzahl der Kolli, Specifeirung derselben, ob 
Kisten, Fässer, Ballen u. s. w., und der Name des Empfängers. Diese Ein- 
tragungen müssen in Uebereinstimmung sein mit einem von dem Resguardo 
unterzeichneten Scheine, den derselbe ausstellt, nachdem er von dem Erlaubnifs- 
scheine der Contaduria zum Löschen Kenntnifs genommen hat, | 
Im Falle Kapitäne in Schwierigkeiten gerathen, finden sie übrigens 
stets gute Rathgeber in ihren Schiffshändlern. Die Deutschen, Norwegischen, 
Schwedischen, Dänischen, Russischen und Holländischen Schiffer wenden sich 
fast ausnahmslos an die Deutsche Firma H. B. Wille, die Englisch redenden 
Nationen an den Engländer Evans. 
Schliefslich habe ich noch eines Uebelstandes zu erwähnen, der für die 
nach Montevideo mit Kohlen bestimmten Schiffe mitunter einen bedeutenden 
Verlust für dieselben zur Folge hat, 
Die betreffenden Kohlencharter enthalten in Bezug auf die Auszahlung 
der Frachtgelder die Bestimmung, dafs die Fracht für das ausgelieferte Gewicht 
der Kohlen bezahlt werden soll und das an der Ladung Fehlende vom Schiff 
zu ersetzen ist. Nun werden aber im Ladehafen die Kohlen waggonweise, im 
Bestimmungshafen dagegen korb- oder sackweise gewogd‘), und mufs deshalb, 
selbst wenn auf beiden Seiten mit der größten Reellität und Sorgfalt gehandelt 
wird, beim Löschen immer ein Untergewicht sich einstellen. Freilich machen 
die Kaufleute in Montevideo von ihrem Recht, sich das ganze Untergewicht 
bezahlen zu lassen, nur in Ausnahmefällen Gebrauch; in der Regel sind sie 
mit der Hälfte des Betrages zufrieden oder stellen es dem Kapitän anheim, ob 
er die Ladung auswägen lassen oder sich einen Abzug von 1! bis 2 pCt. von 
der Bruttofracht, nach dem eingenommenen Quantum berechnet, gefallen lassen 
will. Immerhin ist auch dieser Abzug als durchaus unbillig zu bezeichnen, um 
so mehr als der Empfänger sich die in der Chartepartie bedungenen 21% bis 
3 pCt. Adrefskommission stets nach der eingenommenen Ladung berechnet. 
Nicht unter den niedrigen Frachtraten allein leidet die Schiffahrt seit einigen 
Jahren so schwer, sondern anch ganz erheblich infolge der stets höher an- 
wachsenden usanzmäfsigen Abzüge von der verdienten Fracht. 
Während unsers Aufenthaltes in Montevideo wurden wir mehrere Male 
von stürmischem Wetter heimgesucht. Der erste Sturm trat bald nach unserer 
Ankunft ein. Am Vormittage des 27. Oktober 1885, als wir noch auf der 
Rhede lagen, wehte ein leichter Nordostwind bei bezogenem Himmel. Gegen 
Mittag nahm der Himmel ein drohendes Aussehen an, und Schwärme von 
Fliegen, besonders den grofsen Brummfliegen, stellten sich auf dem Schiffe ein. 
Um 2* p. m. lief der Wind unter Gewitter und Regen um nach Süd und begann 
alsbald mit der Stärke 9 zu wehen, wobei die Temperatur der Luft von 26° 
auf 16° C, fiel. Das Barometer, welches seit dem vorhergegangenen Tage im 
Sinken begriffen war, stand um 6* p.m. den 27. auf 750,8 mm (red.). Alsdann 
begann der Wind, allmählich linksdrehend, abzunehmen, wehte um 8" p.m., bei 
einem Luftdrucke, der wieder bis 752,9 mm zugenommen hatte, aber noch 
stürmisch aus Ost, Das Barometer machte Sprünge von 0,080“. Um 9" p.m, 
wehte der Wind, der seine Linksdrehung beibehielt, nur noch als leichte Briese 
aus Nord. Die Luft, welche bis dahin ein drohendes Aussehen hatte, gewann 
nach 10° p.m., als das Mondlicht zur Geltung kam, ein besseres Aussehen, 
doch hörten die Gewitter nicht vor Mitternacht ganz auf, Die Nacht über war 
es flau und still. Am Vormittage des 28. Oktober fiel Regen aus dicker 
nebelartiger Luft. Wir holten das Schiff in den inneren Hafen, nach einem 
Platze einige Kabellängen südlich von Rat Island. Der Wind war von Neuem 
aus Süd durchgekommen, um Mittag fing: es bereits an zu wehen, und um 
6% p.m. wehte ein voller Sturm aus dieser Richtung, auf der Rhede einen 
bedeutenden Seegang verursachend. Der Luftdruck hatte von: 753,5 mm um 
12% Mittags bis 755,9 mm (red.) um 6" p.m. zugenommen. Die Schiffe auf der 
Rhede schlingerten furchtbar, weil sie wegen des starken östlichen Stromes 
quer zur See lagen. Die Dampfer mußten sogar ihre Arbeit einstellen. Auf 
unserm Ankerplatz, woselbst die Wassertiefe 6,3 m (3,5 Fad.) betrug, war nur 
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