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Regenverhältnisse der Insel Mauritius und der angrenzenden Meerestheile.
Regenverhältnisse der Insel Mauritius und der angrenzenden
Meerestheile,
Von Dr. W. Köppen.
(Mittheilung von der Deuischen Seewarte,)
Der Uebergang zwischen den ‘tropischen Sommerregen und den Winter-
regen, welche auf den Ocennen in den subtropischen und höheren Breiten all-
gemein sind, vollzieht sich auf dem Nordatlantischen Ocean in der Weise, dafs
in der Gegend des 20, Breitengrades sowohl in der Regenhäufigkeit als in der
Bewölkung ein doppeltes Maximum im Sommer und Winter sich herausstellt,
und von den zwei zwischenliegenden Minima beim Regen dasjenige im Frühling,
bei der Bewölkung jenes im Herbst das absolute ist. Aehnlich ist die Regen-
vertheilung im östlichen Theile des Südatlantischen Oceans auf St. Helena
(16° S-Br) und auf der Route vom Kap zur Linie (vgl. diese Annalen 1879,
S. 500); über die Bewölkung wissen wir aus diese Gegenden ‘nichts.
In ähnlicher Lage an der polaren Grenze des Passats findet sich die
Insel Mauritius, welche auch sonst grofse Analogien mit St. Helena aufweist.
Jedoch ist der Indische Ocean fast durchweg, und namentlich in diesen Breiten,
regenreicher als der Atlantische, und ist die für den tropischen Gürtel sonst
charakteristische Scheidung des Jahres in Regenzeiten und Trockenzeiten hier
nur in der Nähe der Festländer gut ausgeprägt. Westlich von 70° ist dieselbe
indessen, wie die Berichte von den Seychellen und von Madagaskar zeigen,
deutlich entwickelt; für die Untersuchung des Ueberganges zu den Winterregen
der ektropischen Zone bietet Mauritius um so mehr Interesse dar, als auf dieser
Insel schon seit vielen Jahren ein reichhaltiges und trefflich geleitetes Observa-
torium und Statiousnetz unter Herrn Charles Meldrum besteht, welches
gestattet, diesen Uebergang in etwas vielseitigerer Weise zu untersuchen, als
es für den Atlantischen Ocean das Material zuläßt,.
Zum Ausgangspunkte nehmen wir eine Abhandlung, welche Charles
Meldrum am 17. Juni 1868 der Britischen meteorologischen Gesellschaft
vorlegte.!)
Die Insel Mauritius liegt auf 20°—21° S-Br und 57°—58° O-Lg und
ist von ovaler oder birnförmiger Gestalt; ihre gröfste Länge von Nord nach
Süd beträgt 35, ihre gröfste Breite von West nach Ost 29 Englische Meilen;
ihre Oberfläche umfafßfst etwa 720 Engl. Quadrat-Meilen und wird in 9 Distrikte
getheilt: Rıividre du Rempart und Pamplemousses im Norden, von Küste zu Küste
sich erstreckend; Port Louis au der Westküste, südlich von Pamplemousses;
Flacq, an der Ostküste, südlich von Rividre du Rempart; Moka und Plaines
Wilhelms, ersteres ganz, letzteres fast ganz im Innern belegen; Black River an
der Westküste, westlich von Plaines W.; Grand Port, an der Ost- und Südost-
küste, und Savanne an der Südküste.
Das Innere der Insel besteht aus einem centralen Tafelland von 200—600 m
Seehöhe, welches von der Küste theils durch hohe Berge, theils durch mehr
oder weniger steile Abhänge getrennt ist, die stellenweise fast senkrechte
Klippen bilden. Die höheren Berge bilden drei Gruppen, von denen jene im
NW und Süden 300—900 m hoch sind, jene im SO ein wenig niedriger, bis
720m. Die oberen Theile dieser Berge bestehen im Allgemeinen aus kahlen
Felsen von kühnen Formen. Sowohl auf dem Plateau, als in den niederen
Lagen an der Küste finden sich Ebenen von mehr oder weniger grofser Aus-
dehnung, welche auch eine Anzahl Seen und Sümpfe enthalten; der nordöstliche
Theil der Insel bildet eine zusammenhängende Niederung.
Von den 24 Regenmessern, welche 1868 beobachtet wurden, waren 16
achtzöllige von Glaisher, die übrigen dreizöllige Französischen Modells,
Die fünfjährigen Mittel der Regenmenge nach den Beobachtungen der
Jahre 1862—66 giebt Meldrum für neun Stationen der Insel in dem citirten
Aufsatz, woraus wir, unter Umwandlung aus Englischem Mals in Millimeter, die
folgende Tafel bilden:
‘') On the Rainfall of Mauritius, s. Proceedings of the Meteor. Society, Vol. IV, S. 171—195.