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Strom- und Eisverhältnisse etc. an den Küsten Islands.
Eine neue Derviationsbestimmung ist jedenfalls für Schiffe, welche sich
längere Zeit dort aufhalten wollen, unerläfslich, sowie man auch keine Gelegen-
heit vorübergehen lassen sollte, durch astronomische Beobachtungen seinen
Kurs zu kontrolliren.
Die Mifsweisungs-Beobachtungen müssen auf See angestellt werden; eine
Bestimmung an Land, auf dem grofse Eisenmassen beherbergenden Boden hätte
yar keinen Zweck; die Verschiebung des Kompasses um einige Meter kann die
Kompafs-Ablesungen schon um mehrere Grade ändern.
Man kann mit folgenden Mifsweisungs-Beträgen rechnen: !)
Kap Nord bis Melrakkasletten allmählich abnehmend von
Melrakkasletten bis Langanaes
Langanaes bis Glettinganaes
Glettinganaes bis Vestrehorn
Vestrehorn bis Portland
Portland bis Kap Reikianaes
„ Kap Reikianaes bis Snefjeldsjöklen %
Längs den Fjorden der Westküste # # »
Unter Berücksichtigung dieser Angaben und der vorhergehenden Be-
merkungen glaubt Wandel, dafs man sich mit zicmlicher Sicherheit auf seinen
Kompafs an den Küsten /slands verlassen kann,
Navigirung, Wind und Wetter. Schiffe, welche nach einem Hafen
an der Westküste wollen, steuern gewöhnlich Portland an und halten sodann
züdlich der Blinde Fugleskjaere; für die Ansteuerung von Portland giebt die
[00 Fad.-Linie guten Anhalt. Bei beständigem, günstigem Winde kann man
auch zwischen den Fugleskjaerene und Kap Reikianaes hindurchgehen; geht der
Wind jedoch auf einen stürmischen Süd oder Südwest, so ist man in der Bucht
ron Örebak in einer sehr üblen Lage, indem eine Strandung daselbst dem
sicheren Untergange gleichkommt. Die einzige Stelle an dieser Küste, wo das
Schiff auf den Strand gesetzt und die Mannschaft gerettet werden könnte, liegt
an der Westseite der Mündung des westlich von Orebak liegenden Flusses.
Es kann den Schiffen nicht genug ans Herz gelegt werden, sich in ge-
bührendem Abstande von der Südküste zu halten; die vielen hier stattfindenden
Verluste, besonders von Französischen Fischerfahrzeugen, sprechen genug dafür.
Besonders gefährlich ist der östlich von Portland liegende Theil der Küste, wo
die Schiffe durch Strom nach Land zu gesetzt werden. Sehr häußg täuscht
man sich hier in der Entfernung von der Küste, indem man den niedrigen Strand
4icht sieht, ehe man sich dicht an demselben befindet, sondern nur das hohe
zntfernte Hinterland. In der ungünstigen Jahreszeit ist die Route südlich von
Fugleskjaerene stets vorzuziehen,
Schiffe, welche nach der Ost- oder Nordküste wollen, sollten Land
zwischen Gerpirhuk und Glettinganaes machen; hier sind viele sich gut markirende
Berge, und die Küstenstrecke hat den Vortheil, dafs sie vollständig rein ist, so
dafs man selbst im Nebel, wenn Wind und Wetter es gestatten, nahe an der
Küste fahren kann, da die Brandung dieselbe stets auf einige Kabellängen
angiebt.
Ohne vorher Land gehabt zu haben oder ohne ein gutes Besteck sollte
man das Kap Langanaes nicht umschiffen. Will man nach einem südlichen
Hafen an der Ostküste, so kann man, wenn der Wind es erlaubt, bei Ocestre-
oder Westre Horn das Land ansteuern; bei auflandigem Winde ist es jedoch
schwer, von der Küste wieder klar zu kommen. Bei Nebel und nicht sicherem
Besteck mufs man sich an dem südlichen Theil der Ostküste aufserhalb von
50 Fad. (110m) Wassertiefe halten.
Oft ist das Einlaufen in die Fjorde dadurch sehr erschwert, dafs der
Wind in See auf die Küste zu steht, es dagegen in den Fjorden in umgekehrter
Richtung weht oder ganz still ist, so dafs ein Segelschiff hier in schwerer See
steuerlos werden kann,
Während der guten Jahreszeit herrschen regelmäfsige Land- und See-
winde, die mit den Gezeiten für das Ein- und Auslaufen mit Vortheil benutzt
1) Siehe die Isogonen-Skizze in diesen Annalen 1884 S. 572, welche ziemlich mit den An-
vaben Wandels übereinstimmt.