Strom- und Eisverhältnisse ete, an den Küsten Islands.
weit von Land halten. Das Sicherste in dieser Jahreszeit ist, in den Beru-Fijord
einzulaufen. ; ;
Schiffe, welche nach der Nordküste wollen, treffen, wenn diese von Eis
besetzt ist, dasselbe gewöhnlich schon bei Langanaes. Versuche, dasselbe im
Norden zu umgehen, würden umsonst sein, und es bleibt nichts übrig, als sich
in See zu halten, wenn man keinen Hafen aufsuchen will. In letzterer Beziehung
empfiehlt Wandel auch den Beru-Fjord, dagegen räth er auf das Entschiedenste
von einem nördlichen Hafen oder einer nördlichen Bucht ab, in welche das Eis
eindringen und nicht nur das Schiff einschließen, sondern auch beschädigen kann,
Ein anderer Ausweg, besonders für Schiffe, die nach einem westlichen
Hafen der Nordküste bestimmt sind, ist, an der Süd- und Westküste entlang zu
gehen. Dies hat noch den Vortheil, dafs wenn der Weg beim Kap Nord ver-
sperrt ist, man das Verschwinden des Eises in einem der westlichen sicheren
Häfen abwarten kann.
Bei weiter vorgeschrittener Jahreszeit, wenn das Eis keine fest zusammen-
hängenden Massen mehr bildet, kann man eher wagen, in dasselbe einzudringen;
Schiffe, die von Kap Langanaes vorgedrungen sind, haben bereits nach einem
Tage offenes Wasser gefunden. Besonders im Westen kommt es auch häufig
vor, dafs zwischen dem Eis und der Küste eine freie Rinne gebildet wird,
welche zur Durchfahrt benutzt werden kann. Beide Manöver erfordern aber
Erfahrung und Kühnheit. .
Für die Schiffahrt innerhalb der Eisschollen erinnert Wandel noch be-
sonders an die bedeutende Ausdehnung derselben unter Wasser, und warnt
deshalb, denselben zu nahe zu kommen. ‚Jedenfalls sollte man, wenn man von
Eis besetzt ist, stets Boote und Proviant klar haben, da die Zerstörung des
Schiffes das Werk eines Augeublickes sein kann,
Magnetische Verhältnisse. !) Infolge der hohen magnetischen Breite
Islands und der vielen vulkanischen Berge, welche durch ihren hohen Kisen-
gehalt die Magnetnadel beeinflussen, ist der Kompafs hier ein nicht so sicherer
Führer, wie in anderen Gegenden, indem derselbe oft plötzlichen unberechen-
baren Veränderungen unterworfen ist. Es tritt dies jedoch zwischen den
Westman-Inseln und Kap Reikianaes, längs.der West- und Nordküste, und an
der Ostküste bis Kollemulehuk weniger hervor. Eine Ausnahme hiervon bildet
die Faxe-Bucht,. wo bei der Bank Buder, südlich und westlich von Hrauhn,
Schwankungen bis 3° vorkommen. Kin Schiff, welches in der Faxe-Bucht von
Toeklen nach Reiktavik steuert, muls mit einer mittleren Mifsweisung von 37° West
rechnen, zwischen Skagen und Reikiavik auf 36°. Ferner ist der Kompafs in
der Nähe von Akerö, an der Westseite der Skagestrand-Bucht und an der Nord-
seite von Tjörnenaes sehr träge. Nach der Mittheilung des Kapt. Jacobson
von 1877 soll dieselbe Erscheinung nordwestlich vom Isafjords Dyb hervor-
treten, Lieut, Wandel hat jedoch in ‚einer Entfernung von 2 Sm vom Lande
hiervon nichts wahrgenommen. Ebenso hält derselbe die allgemeine Klage über
die Unverläfslichkeit der Kompafsnadel an der Ostküste und in dem östlichen
Theil der Südküste für übertrieben. Innerhalb eines Abstandes von einer halben
Seemeile von der Küste fand er den Kompafs durchaus zuverlässig; nur in der
Nähe der Bergo findet hiervon eine Ausnahme statt; das Letztere gilt besonders
für die Strecke von Glettinganaes bis südlich von Skruden, wo die Mifsweisung
in der Nähe des Landes und innerhalb der Fjorde oft plötzlich einen ganzen
Strich ändern kann. Die Klagen der Schiffsführer, meint Wandel, haben ihren
Grund darin, dafs dieselben hier häufig Tage lang im Nebel liegen und während
dieser Zeit durch die unregelmäfsigen Strömungen bedeutend versetzt werden,
und an der grofsen Deviationsänderung der Kompasse in den hohen Breiten,
welche beiden Momente nicht genügend in Rechnung gezogen werden.
An der Südküste hat er weniger Erfahrung in dieser Beziehung gemacht,
hat aber keinen Grund gehabt, den Angaben des Kompasses zu mifstrauen;
nur bei Portland haben sich Unregelmäfsigkeiten gezeigt, wie sie auch nach
anderen Schiffsberichten übereinstimmend gemeldet sind.
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4) Wir verweisen hier noch auf einen Bericht in diesen Annalen 1884 S. 572, welcher
nicht in allen Stücken mit den Angaben Wandels übereinstimmt. *