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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, 
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wandtschaft zusammengefafst, so dafs jede der neun Karten für einen Zeitraum 
von 1 bis 2 Wochen gilt. In beiden Fällen sind der Eintheilung vor Allem 
die Zustände auf dem östlichen Theile des Nordatlantischen Oceans und über 
Westeuropa zu Grunde gelegt, nicht allein weil dieselben für die synoptischen 
Karten und für die Arbeiten der Seewarte überhaupt den Schwerpunkt des 
Interesses beanspruchen, sondern auch weil die Witterungslage in diesen Gegen- 
den durch die gröfsere Langsamkeit ihrer Aenderungen sich mehr zur Zusammen- 
fassung in vieltägige Perioden eignet, als die Vorgänge über dem Golfstrom 
und dem östlichen Nordamerika, wo rasche und in kurzen Intervallen sich mehr 
gleichartig wiederholende Wechsel kleinerer barometrischer Hochdruck- und 
Niederdruck-Gebiete die Regel bilden. 
Der September 1883 begann (vgl. Karte I) mit einem grofsartigen 
Wirbel, welcher, von Westindien kommend, den Ocean im Laufe der letzten 
Woche des August überschritten hatte und am 1. des Monats vor dem Eingange 
des Kanals lag, die Britischen Inseln mit schwerem Sturm überziehend. Dieser 
Wirbel ist bereits sowohl am Londoner Meteorologischen Amte,') als an der 
Seewarte*) einer Untersuchung unterzogen worden; wir können uns hier be- 
gnügen, auf die angeführten Publikationen hinzuweisen. 
Während dieser Wirbel langsam und mit abnehmender Tiefe über die 
Britischen Inseln hinzog, begleitet, wie gewöhnlich, zur rechten Hand vom 
einigen Satelliten, die rascher als er fortschritten, lag ein bedeutendes baro- 
metrisches Maximum hinter ihm, westlich von den Azoren, und ein in Ent- 
wickelung begriffenes Gebiet niedrigen Luftdruckes über der Davis-Strafse. 
Im folgenden Zeitabschnitt, vom 4.—7, September, hat sich das 
Maximum der Rofsbreiten östlicher nach den Azoren selbst verschoben, zugleich 
gehen darin zwei aus Westen gekommene Maxima auf, welche sich nach einander 
aus der.Gegend von Dakota mit abnehmender Höhe nach ESE fortgepflanzt 
hatten. Vom Bafünsland bis zur Ostsee erstreckt sich unterdessen ein Gebiet 
niedrigen Iuftdruckes mit Centren in der Nähe der Davis-Strafse und Norwegens, 
von denen namentlich die ersteren in ihren seitlichen Kuospenbildungen Be- 
deutung erlangten. 
Auch in dem letzten der auf Karte I vereinigten Zeitabschnitte, jenem 
vom 8.—14. September, wiederholt sich die Erscheinung, dafs ein Maximum 
vom centralen Nordamerika herüberkommt und mit dem normalen auf dem 
Ocean verschmilzt. Hauptsächlich aber ist dieser Abschnitt charakterisirt durch 
die Zunahme des Druckes über Europa unter allmählichem Vorrücken des 
Maximums aus dem Nordosten bis nach Petersburg. Während bis zum 8. die 
Gegend bei Island einen Wall etwas höheren Druckes zwischen den Depressions- 
gebieten Ost und West davon bildete, liegt vom 9. an stets ein kräftiges 
Depressionscentrum auf dem Meere zwischen Island und Südgrönland — dem 
normalen Raume niedrigsten Luftdruckes im Nordatlantischen Ocean; vom 11. 
an ist auch das zweite Minimum auf der Davis-Strafse für eine kurze Weile 
verschwunden und die nordatlantische Depression abgerundet. An diesen Tagen 
zeigt das Gebiet mit Luftdruck über 765 besonders ausgeprägt jene sonderbare 
Form, welche auch aus deren mittlerer Lage für diesen Zeitabschnitt erkennbar 
ist; die Einbuchtung über dem Golfstrom fafst dabei in sich die zweite 
tropische Cyklone, welche in diesem Vierteljahr auf unsern Karten erkennbar 
ist; dieselbe gewann am 10. und 11.,. kurz bevor ihr Centrum die Amerikanische 
Küste bei Wilmington erreichte, zerstörende Kraft, erlosch jedoch in den 
folgenden zwei Tagen sehr rasch. 
Zufälligerweise pflanzte sich in denselben Tagen auch in Europa eine 
— freilich unvergleichlich schwächere — Depression in der gleichen hier ganz 
ungewöhnlichen Richtung nach NNW fort, und zwar auf der langen Strecke 
von Cypern bis nach Schweden. Die genaueren Vorgänge bei den Umbildungen 
derselben in den Tagen vom 6.—8. zu verfolgen, fehlt es an Material. Die 
anomale Bahnrichtung dürfte ihre Erklärung in dem KEinflufs des grofsen Hoch- 
druckgebietes über Russland finden; .das Maximum, das gleichzeitig über Frank- 
reich und Westdeutschland sich zeigte, war nicht nur weit kleiner, sondern zum 
) J. S. Harding in Quart. Journ, Met. Soc. 
?) Kapt. Haltermann und Dr. Grofemann, vgl, Met. Zeitschr. 1887, Januar.
	        
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