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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte.
unsicher wird, so ist es nicht zu bezweifeln, dafs manche von den Bahnen der
Minima anders ausfallen würden, wenn die zwischenliegenden. Beobachtungen
mitbenutzt sein würden. Doch gilt dieses mehr von der Bewegung und Um-
bildung der Centren selbst, als von jener der Depression als einem grofsen
Ganzen; und obwohl es zweckmäfsig sein dürfte, an der kartographischen Dar-
stellung der Geschicke dieser Centren selbst in der Hauptsache festzuhalten,
so ist nicht zu bezweifeln, dafs für die atmosphärischen Vorgänge im Grofsen
das Schicksal und die Bewegung der ausgedehnten Gebiete niederen Druckes
wichtiger sind, als das eventuelle Entstehen und Vergehen der Drehungscentren
und deren Verlagerung innerhalb dieser Gebiete, welches wir so häufig beob-
achten, und welches eine so grofse Rolle auf allen sorgfältig konstruirten
Bahnenkarten spielt.
2. Die Lage und Ortsveränderung der barometrischen Maxima
ist in derselben Weise dargestellt, wie im „Archiv der Seewarte, III“ für das
erste Quartal von 1878 geschehen. Wo die Ortsveränderungen der Maxima in
einem blofsen unregelmäfsigen Hin- und Herschwanken bestanden, ist auf ihre
Wiedergabe verzichtet und der Ort des Maximums für den angegebenen Zeit-
raum durch die gemeinsame Inschrift festgelegt worden; die Gebiete hohen
Druckes sind dadurch in zwei Klassen, die stationären und die wandernden,
geschieden. Bei den letzteren giebt der Verlauf der Schrift die ungefähre Bahn
des Centrums wieder, so dafs dieses am ersten Tage im Anfang, am letzten
Tage am Ende der Inschrift zu suchen ist; bei langen Bahnen ist das Datum
zweimal angegeben.
3. Die mittlere Lage der Isobare 765 während des dargestellten
Zeitraumes oder charakteristischer Theilstücke desselben. Diese mittlere Lage
ist auf graphischem Wege bestimmt!) und entspricht nicht völlig derjenigen,
welche die Linie einnehmen würde, längs deren der durchschnittliche Barometer-
stand der fraglichen Tage 765mm betragen würde. Die Abweichung beider
Linien wird im Allgemeinen, weil die Gradienten im Gebiete des niedrigeren
Luftdruckes steiler zu sein pflegen, in der Weise fallen, dafs längs der hier
gezeichneten Linien der mittlere Luftdruck der Periode etwas unter 765 liegt;
denn bei ihrer Zeichnung ist nur der Verlauf der Isobaren 765 berücksichtigt,
nicht aber die Tiefe der gelegentlich in sie einschneidenden Depressionen, Es
kann übrigens in Frage kommen, welche von diesen beiden Methoden instruk-
tivere Resultate giebt; jedenfalls aber ist die hier angewandte die unvergleichlich
einfachere. — Um zu charakteristischeren Linien zu kommen, sind der erste
und der letzte Tag der gröfseren Zeitabschnitte und zuweilen auch die Ueber-
gangstage zwischen den Unterabschnitten aufser Betracht gelassen, die in der
Erklärung angegebenen Tage sind aber stets sämmtlich berücksichtigt.
Wenn wir uns in diesem Theile der Rundschau fast ausschließlich mit
der Darstellung der Luftdruckphäuomene begnügen, so geschieht es selbstver-
ständlich nicht deshalb, weil wir die Untersuchung der übrigen meteorologischen
Faktoren gering achteten, sondern weil diese Beschränkung absolut geboten war,
um eine dauernde Durchführung des Unternehmens zu ermöglichen. Wer mit
den einfachen Hauptsätzen der neueren Meteorologie vertraut ist, wird aus
unserer Darstellung indessen auch ein ziemlich vollständiges Bild der Luft-
strömungen und damit auch Anhaltspunkte über den Wettercharakter im Uebrigen
entnehmen können. Ueber eine für dieses und das darauf folgende Vierteljahr
ganz besonders charakteristische Erscheinung, die aufserordentlichen Morgen-
und Abend-Dämmerungen, ist bereits Seitens der Seewarte an anderem Orte
(„Meteor. Zeitschr. I“, 1884) eingehend berichtet worden.
Um uns in der Fülle der Erscheinungen zu orientiren, können wir das
Sera in 15 Abschnitte verschiedenen Charakters theilen, welche
je 3—9 Tage umfassen. Die Hauptzüge der Druckvertheilung haben wir auch
auf den Karten für jeden dieser 15 Zeitabschnitte durch die mittlere Lage der
Isobare 765 gekennzeichnet; um jedoch die Zahl der Karten nicht zu sehr an-
wachsen zu lassen. sind die kleineren Abschnitte theilweise nach ihrer Ver-
1) Nach dem von den Engländern als „composite portraiture“ bezeichneten System.