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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Die oberen Luftströmungen in der Nähe des Aequators. 
Die oberen Luftströmungen in der Nähe des Aequators. 
Bei seinen Studien und Beobachtungen über die oberen Luftströmungen 
hat R. Abereromby einige den bisherigen Annahmen widersprechende Resultate 
erhalten.‘) Es darf als Regel betrachtet werden, dafs die Richtungen der Luft- 
strömungen sich von der Erdoberfläche nach der Höhe nicht plötzlich, sondern 
allmählich ändern, und zwar derart, dafs, wenn man dem an der Erdoberfläche 
herrschenden Winde den Rücken zudreht, die Winde mit der gröfser werdenden 
Höhe auf der nördlichen Halbkugel immer mehr von der linken Seite, auf der 
südlichen von der rechten Seite einkommen; dieselben drehen sich also in ihrer 
vertikalen Aufeinanderfolge, von unten nach oben gerechnet, auf der Nord- 
hemisphäre mit. der Sonne oder mit dem Zeiger der Uhr, auf der Südhemisphäre 
gegen die Sonne. Hat man z. B. an einem Orte der nördlichen Halbkugel 
Südwind, so. werden die Wolken, je höher sie stehen, desto mehr von Westen 
kommen, auf der südlichen Halbkugel dagegen von Osten. 
Abercromby hat nun während zweier Reisen durch den Atlantischen und 
Indischen Ocean in der Region zwischen dem Aequator und dem Kalmengürtel 
von dieser Regel Ausnahmen gefunden. 
Im Atlantischen Ocean Hegt der Kalmengürtel zu allen Jahreszeiten nörd- 
lich vom Aequator; zwischen 20° und 30° W-Lg schwankt seine Lage von 
3° N-Br im Winter bis 11° N-Br im Sommer. Im Golf von Gwinea kann die 
Lage des Kalmengürtels nicht genau angegeben werden, dieselbe fällt aber 
gewöhnlich zwischen 5° und 10° N-Br. In der Richtung des Windes besteht 
im östlichen und westlichen Theil des Atlantischen Oceans ein grofser Unter- 
schied. Im Golf von Guinea geht der Südost-Passat auf Südwest und bildet 
einen Südwest-Monsun, während westlich von ca 15° W-Lg der Südost-Passat 
nördlich des Aequators fast dieselbe Richtung behält, wie südlich von demselben. 
[m Indischen Ocean ist die Lage des Kalmengürtels in den verschiedenen 
Jahreszeiten sehr verschieden. Von November bis März reicht er von 5° bis 
10° S-Br, und der Nordost-Monsun geht, wenn er den Aequator passirt, in den 
Nordwest-Monsun über. Von April bis September liegt der Kalmengürtel nörd- 
lich vom Aequator. Der Südwest-Monsun des Indischen Oceans hängt jedoch 
nach den neuesten Forschungen der Indischen Meteorologen, entgegen den 
früheren Ansichten, nicht mit dem Südost-Passat zusammen. (Vergl. diese 
Annalen 1887, S. 214.) 
Aberecromby durchkreuzte die in Rede stehende Region des Atlantischen 
Oceans zwischen dem Aequator und den Kalmen im Juli und im Dezember, das 
erste Mal auf der Route von Rio Janeiro nach Teneriffa, das zweite Mal zwischen 
Teneriffa und Kapstadt. 
. Zwischen Rio und Teneriffa kamen die niederen und mittleren Wolken 
über dem Südost-Passat. südlich des Aequators stets aus einer Richtung zur 
rechten Hand, wenn man dem Winde an der Erdoberfläche den Rücken kehrte, 
d. h, war letzterer Südost, so kamen die Wolken von Ostsüdost; es entsprach 
dies also dem allgemeinen Gesetze über die Aenderung der Luftströmung in 
vertikaler Richtung auf der südlichen Halbkugel. 
Nördlich des Aequators jedoch, wo der Südost-Passat nicht, wie zu er- 
warten, in einen Südwest-Wind überging, behielten die oberen Luftströmungen 
ihre auf der Südhemisphäre ipnegehabte Richtung bei, anstatt dem Gesetz der 
nördlichen Halbkugel zu folgen. Im Kalmengürtel, der sich von 8° bis 13° N-Br 
ausdehnte, war es ebenso, die mittleren Wolkenschichten oberhalb des Südost- 
Windes trieben in ost-westlicher Richtung. . 
Im Nordost-Passat wurde nur eine wenig befriedigende Beobachtung in 
22° N-Br und 19° W-Lg erlangt, wonach über einem Ostnordost-Winde an der 
Erdoberfläche die mittlere Wolkenschicht von Nordnordost zog, also umgekehrt, 
wie es nach der Regel erwartet werden mulfste. 
Während der zweiten Reise zwischen Tenerifa und Kapstadt zogen die 
niederen Wolken im Nordost-Passat, d. h. von 30° N-Br bis zu dem Kalmen- 
gürtel auf 5° N-Br, unveränderlich aus einer Richtung links vom Oberflächen- 
Wind, gewöhnlich von Süd oder SzW, entsprechend dem Gesetz auf dieser 
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4) Veröffentlicht in „Nature“ 1887, No. 917. 
Ann. d, Hydr. efc., 1857, Heft VI.
	        
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