Der Kaiserin Augüusta-Fluls; Kaiser Wilhelms-Land.,
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Es wurde hiernach der Fluß bis zu 4° 16‘ S-Br und 141° 50‘ O-Lg be-
fahren und bei einer Breite von durchschnittlich 300 bis 400m für kleinere
Schiffe bis dahin schiffbar gefunden. Nach der Wassermenge, die der Fluß
noch. hier führt, zu urtheilen, ist es nicht unwahrscheinlich, dafs die Schiffbar-
keit noch 50 bis 100 Sm weiter stromaufwärts geht. Der erreichte fernste
Punkt ist in gerader Richtung 156 Sm von der Mündung und 74 Sm von der
nördlichsten Küste entfernt; der von der Mündung an zurückgelegie Wasserweg
beträgt gegen 300 Sm. Eine Skizze des Flusses ist nach den Aufzeichnungen
des Landeshauptmannes entworfen und dem oben erwähnten Hefte der „Nach-
richten über Kaiser Wilhelms-Land etc.“ beigefügt; Anspruch auf Genauigkeit
macht sie jedoch nicht,. sondern dient lediglich zur Orientirung, da der Lauf
nach Schätzung und Augenmafs eingetragen ist. Der Strom bewegt sich bis zu
der Gegend, in welche die „Ottilie“ gelangte, in einer ausgesprochenen Flach-
ebene und wird fast seiner ganzen Länge nach im Süden durch einen Gebirgs-
zug begleitet, von dem hier und da Ausläufer näher an den Flufs herantreten,
während im Norden nur einzelne niedrige Höhenzüge sichtbar werden, die
wellige Ausläufer allerdings bis dicht an den Flufs entsenden. Die fast ununter-
brochene Einfassung der Ufer mit Wald oder mit 4 bis 6m hohem Schilfgras
oder Zuckerrohr läfst höchst selten einen Blick in die Ferne zu.
In der Gegend der seeartigen Erweiterung, bis zu welcher die „Öttilie“
gelangte, hat der Flufs ein Gebirge von Gneis, Glimmerschiefer und Quarz zu
durchbrechen und wird auf 25 bis 30 Sm zu einem Gebirgsstrom, jedoch ohne
Stromschnellen, um bald darauf wieder den früheren Charakter eines Flusses
im Alluvialboden anzunehmen... Merkwürdiger Weise scheint der Flufs gar keine
nennenswerthen Nebenflüsse zu haben; alle gesehenen breiteren Seitenarme waren
fast ohne Strombewegung, so dafs anzunehmen ist, dals es ehemalige, jetzt todte
Arme des Hauptstromes sind. Man mufs sich beim Befahren des Flusses vor-
sehen, nicht in diese Arme zu gerathen, die vielfach die direkte Verlängerung
des Hauptstromes bilden, während die richtige Fortsetzung desselben mitunter
erst sichtbar wird, wenn man sich dicht vor ihr. befindet. Gewöhnlich giebt
die Beobachtung der Strömung den richtigen Aufschlufs. ,
Nach dem Berichte des Dr. Schrader machten die Ufer des Flusses
den Eindruck, als ob sie während der Regenzeit zeitweilig weithin unter Wasser
gesetzt würden, da die Hochwassermarke stellenweise bis zu 6m über dem
augenblicklichen Wasserstande bemerkbar war und die Häuser der zahlreichen
und ‚sehr grofsen Dörfer auf erheblich massiveren Holzpfeilern erbaut waren,
als es sonst üblich ist.
Ausgedehnte Sagopalmen-Bestände wechselten ab mit wildem Zuckerrohr
in undurchdringlichen Dickichten. In der Nähe der Dörfer fanden sich fast
stets Kokospalmen bis zu dem fernsten erreichten Punkte. Weiter stromauf-
wärts wurde auch der eigentliche Hochwald sichtbar; die Berge waren stets
damit bedeckt. ;
Die Einwohner, welche wahrscheinlich nie Weilse gesehen hatten, ver-
hielten sich etwas mifstrauisch, stellenweise sogar feindlich. Die Häuser waren
anders gebaut, als sonst bekannt war. KErheblich gröfser, auf sehr starkem
Unterbau, .mit eigenthümlichen thurmartigen Giebelaufsätzen, standen sie meist
in Janger Reihe nebeneinander am Ufer entlang. Die Männer waren oft. ganz
unbekleidet, die Frauen trugen einen Bastfaser-Schurz um die Hüften. Der
Körper, besonders der Oberkörper, war oft roth oder schwarz bemalt, während
fast. in jedem Dorfe ein oder zwei. Personen, meist Frauen, angetroffen wurden,
welche den ganzen Körper mit schmutzig weißer Farbe angestrichen hatten,
Die Kanoes bestanden aus ausgehöhlten Baumstämmen, waren ohne Ausleger
und: oft ziemlich grofs, so dafs sie bis 15 Personen fafsten; der Bug war häufig
mit grofsen, fratzenhaft bemalten, schildförmigen Aufsätzen verziert. Als Tausch-
artikel waren besonders Tücher, Flaschen, Perlen und im oberen. Flußslaufe
Muscheln beliebt. Die Eingeborenen brachten dafür meist Speere, gebrannte
Thonköpfe, Tabak und andere Kleinigkeiten.
Es wird beabsichtigt, an dem von der „OÖttilie“ erreichten fernsten Punkte
eine Station anzulegen, um weitere Beobachtungen über die hydrographischen
Verhältnisse des Stromes anzustellen.
Sp NG