accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Der Kaiserin Augüusta-Fluls; Kaiser Wilhelms-Land., 
15 
Es wurde hiernach der Fluß bis zu 4° 16‘ S-Br und 141° 50‘ O-Lg be- 
fahren und bei einer Breite von durchschnittlich 300 bis 400m für kleinere 
Schiffe bis dahin schiffbar gefunden. Nach der Wassermenge, die der Fluß 
noch. hier führt, zu urtheilen, ist es nicht unwahrscheinlich, dafs die Schiffbar- 
keit noch 50 bis 100 Sm weiter stromaufwärts geht. Der erreichte fernste 
Punkt ist in gerader Richtung 156 Sm von der Mündung und 74 Sm von der 
nördlichsten Küste entfernt; der von der Mündung an zurückgelegie Wasserweg 
beträgt gegen 300 Sm. Eine Skizze des Flusses ist nach den Aufzeichnungen 
des Landeshauptmannes entworfen und dem oben erwähnten Hefte der „Nach- 
richten über Kaiser Wilhelms-Land etc.“ beigefügt; Anspruch auf Genauigkeit 
macht sie jedoch nicht,. sondern dient lediglich zur Orientirung, da der Lauf 
nach Schätzung und Augenmafs eingetragen ist. Der Strom bewegt sich bis zu 
der Gegend, in welche die „Ottilie“ gelangte, in einer ausgesprochenen Flach- 
ebene und wird fast seiner ganzen Länge nach im Süden durch einen Gebirgs- 
zug begleitet, von dem hier und da Ausläufer näher an den Flufs herantreten, 
während im Norden nur einzelne niedrige Höhenzüge sichtbar werden, die 
wellige Ausläufer allerdings bis dicht an den Flufs entsenden. Die fast ununter- 
brochene Einfassung der Ufer mit Wald oder mit 4 bis 6m hohem Schilfgras 
oder Zuckerrohr läfst höchst selten einen Blick in die Ferne zu. 
In der Gegend der seeartigen Erweiterung, bis zu welcher die „Öttilie“ 
gelangte, hat der Flufs ein Gebirge von Gneis, Glimmerschiefer und Quarz zu 
durchbrechen und wird auf 25 bis 30 Sm zu einem Gebirgsstrom, jedoch ohne 
Stromschnellen, um bald darauf wieder den früheren Charakter eines Flusses 
im Alluvialboden anzunehmen... Merkwürdiger Weise scheint der Flufs gar keine 
nennenswerthen Nebenflüsse zu haben; alle gesehenen breiteren Seitenarme waren 
fast ohne Strombewegung, so dafs anzunehmen ist, dals es ehemalige, jetzt todte 
Arme des Hauptstromes sind. Man mufs sich beim Befahren des Flusses vor- 
sehen, nicht in diese Arme zu gerathen, die vielfach die direkte Verlängerung 
des Hauptstromes bilden, während die richtige Fortsetzung desselben mitunter 
erst sichtbar wird, wenn man sich dicht vor ihr. befindet. Gewöhnlich giebt 
die Beobachtung der Strömung den richtigen Aufschlufs. , 
Nach dem Berichte des Dr. Schrader machten die Ufer des Flusses 
den Eindruck, als ob sie während der Regenzeit zeitweilig weithin unter Wasser 
gesetzt würden, da die Hochwassermarke stellenweise bis zu 6m über dem 
augenblicklichen Wasserstande bemerkbar war und die Häuser der zahlreichen 
und ‚sehr grofsen Dörfer auf erheblich massiveren Holzpfeilern erbaut waren, 
als es sonst üblich ist. 
Ausgedehnte Sagopalmen-Bestände wechselten ab mit wildem Zuckerrohr 
in undurchdringlichen Dickichten. In der Nähe der Dörfer fanden sich fast 
stets Kokospalmen bis zu dem fernsten erreichten Punkte. Weiter stromauf- 
wärts wurde auch der eigentliche Hochwald sichtbar; die Berge waren stets 
damit bedeckt. ; 
Die Einwohner, welche wahrscheinlich nie Weilse gesehen hatten, ver- 
hielten sich etwas mifstrauisch, stellenweise sogar feindlich. Die Häuser waren 
anders gebaut, als sonst bekannt war. KErheblich gröfser, auf sehr starkem 
Unterbau, .mit eigenthümlichen thurmartigen Giebelaufsätzen, standen sie meist 
in Janger Reihe nebeneinander am Ufer entlang. Die Männer waren oft. ganz 
unbekleidet, die Frauen trugen einen Bastfaser-Schurz um die Hüften. Der 
Körper, besonders der Oberkörper, war oft roth oder schwarz bemalt, während 
fast. in jedem Dorfe ein oder zwei. Personen, meist Frauen, angetroffen wurden, 
welche den ganzen Körper mit schmutzig weißer Farbe angestrichen hatten, 
Die Kanoes bestanden aus ausgehöhlten Baumstämmen, waren ohne Ausleger 
und: oft ziemlich grofs, so dafs sie bis 15 Personen fafsten; der Bug war häufig 
mit grofsen, fratzenhaft bemalten, schildförmigen Aufsätzen verziert. Als Tausch- 
artikel waren besonders Tücher, Flaschen, Perlen und im oberen. Flußslaufe 
Muscheln beliebt. Die Eingeborenen brachten dafür meist Speere, gebrannte 
Thonköpfe, Tabak und andere Kleinigkeiten. 
Es wird beabsichtigt, an dem von der „OÖttilie“ erreichten fernsten Punkte 
eine Station anzulegen, um weitere Beobachtungen über die hydrographischen 
Verhältnisse des Stromes anzustellen. 
Sp NG
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.