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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Christmas-Insel im Indischen Ocean. 
Die „Flying Fish“ dampfte dicht um die Insel herum, um einen Anker- 
platz zu suchen, fand aber einen solchen nur in einer kleinen, 2 Sm westwärts 
von der Nordspitze gelegenen Bucht, die Fiying Fish Cove benannt wurde, sie 
ankerte hier in 40m Wasser und befestigte das Heck nach Land zu durch 
Leinen. Der Hügel erhebt sich fast senkrecht im Grunde der Bucht, in der 
Form eines Hufeisens, und fällt allmählich nach beiden Seiten zu zwei Armen 
ab, welche die Bucht bilden. Der eigentliche Strand ist nur 20m breit und 
mufs, nach den denselben bildenden Trümmern zu urtheilen, durch nördliche 
Stürme angeschüttet sein; der obere einige Hundert Meter bis zum Fufs des 
Hügels sich erstreckende Theil besteht aus demselben Material, d. h. aus 
Trümmern von Korallenfelsen und Korallenkalkstein, ist aber von einer Humus- 
schicht bedeckt und dicht bewaldet. Viele Bäume sind sehr hoch und haben 
einen Umfang von 3'/2 m und sind offenbar Hunderte von Jahren alt. Auf 
einem der Bäume waren Zeichen wie die Buchstaben W W eingeschnitten, aber 
durch die Zeit fast unleserlich geworden; dies war das einzige gefundene 
Zeichen, welches auf einen früheren Besuch der Insel deutete, 
Laufendes Wasser wurde nicht gesehen; Regenwasser dagegen stand in 
grofser Menge in Felsenlöchern und kelchförmigen Blättern. An dem Ostende 
der Flying Fish Cove wurden unter Bäumen, wo ein Wasserlauf vermuthet 
wurde, einige vulkanische Gesteine gefunden, sonst wurde jedoch nur Korallen- 
kalkstein gesehen; der Boden unter den Bäumen bestand aus einer weichen, 
feuchten, durch verwitterte Pflanzenstoffe gebildeten Erdschicht. 
An einer anderen Stelle in einer zweiten kleinen Abzweigung der nörd- 
lichen Bucht gegen die Nordwestspitze, wo ebenfalls eine Landung ausgeführt 
wurde, zeigte sich derselbe Charakter; jedoch war !/a Kabllg. vom Lande kein 
Ankerplatz zu finden. Hier wurden einige Hähne und Hennen ausgesetzt. 
Gröfsere Thiere oder Lebenszeichen solcher wurden auf der Insel gar nicht 
gesehen. Eine 1'4 m lange Kammeidechse safs oben auf einem Baume; eine 
grofse Fledermaus und eine Ratte wurden gefangen; verschiedene Insekten, 
Spinnen, Fliegen, Käfer und Schmetterlinge wurden gesammelt, Mosquitos gab 
es nicht. Eine Menge grofser Krebse waren eben so sehr auf den Bäumen als 
auf den Felsen an der Küste. zu Hause. Gannets und Fregattenvögel waren 
häufig und scheinen auf der Insel zu brüten. Aufser den Seevögeln kam eine 
grofse grüne Taube der Torres-Strafse vor, welche sich hauptsächlich auf den 
höher gelegenen Bäumen aufhielt. 
Die Flora schien dieselbe zu sein, wie die der benachbarten Molukken- 
Inseln. Wie bereits erwähnt, ist die Insel dicht und zum Theil ‚mit sehr 
hohen Bäumen bewaldet; unter denselben fielen hauptsächlich zwei in Celebes 
heimische Eisenholzbäume auf. Von Palmen waren zwei Arten in reicher 
Menge vertreten, die eine hielt Kapt. Maclear für die Sagopalme, die andere 
für den Pandanusbaum; Kokosnufsbäume wurden nicht gesehen, ‚obgleich am 
Strande Schalen dieser Nuls lagen, die aber wahrscheinlich angespült waren, 
An einer kleinen Bucht der Ostseite standen auch einige Bananenbäume, sie 
sahen aber welk aus und hatten keine Früchte. Mangroven wurden nicht ge- 
sehen. Die Küstenflora war die gewöhnliche der Tropen-Inseln. 
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