Christmas-Insel im Indischen Ocean.
Die „Flying Fish“ dampfte dicht um die Insel herum, um einen Anker-
platz zu suchen, fand aber einen solchen nur in einer kleinen, 2 Sm westwärts
von der Nordspitze gelegenen Bucht, die Fiying Fish Cove benannt wurde, sie
ankerte hier in 40m Wasser und befestigte das Heck nach Land zu durch
Leinen. Der Hügel erhebt sich fast senkrecht im Grunde der Bucht, in der
Form eines Hufeisens, und fällt allmählich nach beiden Seiten zu zwei Armen
ab, welche die Bucht bilden. Der eigentliche Strand ist nur 20m breit und
mufs, nach den denselben bildenden Trümmern zu urtheilen, durch nördliche
Stürme angeschüttet sein; der obere einige Hundert Meter bis zum Fufs des
Hügels sich erstreckende Theil besteht aus demselben Material, d. h. aus
Trümmern von Korallenfelsen und Korallenkalkstein, ist aber von einer Humus-
schicht bedeckt und dicht bewaldet. Viele Bäume sind sehr hoch und haben
einen Umfang von 3'/2 m und sind offenbar Hunderte von Jahren alt. Auf
einem der Bäume waren Zeichen wie die Buchstaben W W eingeschnitten, aber
durch die Zeit fast unleserlich geworden; dies war das einzige gefundene
Zeichen, welches auf einen früheren Besuch der Insel deutete,
Laufendes Wasser wurde nicht gesehen; Regenwasser dagegen stand in
grofser Menge in Felsenlöchern und kelchförmigen Blättern. An dem Ostende
der Flying Fish Cove wurden unter Bäumen, wo ein Wasserlauf vermuthet
wurde, einige vulkanische Gesteine gefunden, sonst wurde jedoch nur Korallen-
kalkstein gesehen; der Boden unter den Bäumen bestand aus einer weichen,
feuchten, durch verwitterte Pflanzenstoffe gebildeten Erdschicht.
An einer anderen Stelle in einer zweiten kleinen Abzweigung der nörd-
lichen Bucht gegen die Nordwestspitze, wo ebenfalls eine Landung ausgeführt
wurde, zeigte sich derselbe Charakter; jedoch war !/a Kabllg. vom Lande kein
Ankerplatz zu finden. Hier wurden einige Hähne und Hennen ausgesetzt.
Gröfsere Thiere oder Lebenszeichen solcher wurden auf der Insel gar nicht
gesehen. Eine 1'4 m lange Kammeidechse safs oben auf einem Baume; eine
grofse Fledermaus und eine Ratte wurden gefangen; verschiedene Insekten,
Spinnen, Fliegen, Käfer und Schmetterlinge wurden gesammelt, Mosquitos gab
es nicht. Eine Menge grofser Krebse waren eben so sehr auf den Bäumen als
auf den Felsen an der Küste. zu Hause. Gannets und Fregattenvögel waren
häufig und scheinen auf der Insel zu brüten. Aufser den Seevögeln kam eine
grofse grüne Taube der Torres-Strafse vor, welche sich hauptsächlich auf den
höher gelegenen Bäumen aufhielt.
Die Flora schien dieselbe zu sein, wie die der benachbarten Molukken-
Inseln. Wie bereits erwähnt, ist die Insel dicht und zum Theil ‚mit sehr
hohen Bäumen bewaldet; unter denselben fielen hauptsächlich zwei in Celebes
heimische Eisenholzbäume auf. Von Palmen waren zwei Arten in reicher
Menge vertreten, die eine hielt Kapt. Maclear für die Sagopalme, die andere
für den Pandanusbaum; Kokosnufsbäume wurden nicht gesehen, ‚obgleich am
Strande Schalen dieser Nuls lagen, die aber wahrscheinlich angespült waren,
An einer kleinen Bucht der Ostseite standen auch einige Bananenbäume, sie
sahen aber welk aus und hatten keine Früchte. Mangroven wurden nicht ge-
sehen. Die Küstenflora war die gewöhnliche der Tropen-Inseln.
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