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Zur Küstenbeschreibung und Hydrographie Ostafrikas.
Während der Anwesenheit S. M. S. „Carola“ in der Manda-Bucht wehte
der Nordost-Monsun in den Vormittagsstunden aus ENE Stärke 2, Nachmittags
ging er nach ESE herum und frischte gegen 4” p. m. bis zur Stärke 5—6 auf.
In der Nacht ging der Wind dann wieder auf Ost bis ENE und nahm gegen
Morgen an Stärke ab,
Die Gezeiten-Strömungen sind auf dem Ankerplatze bei Ras Kilindini
ziemlich bedeutende. Der Fluthstrom lief ca 5!/2 Stunden nach Ost. Die gröfste
gemessene Geschwindigkeit des Ebbstromes betrug 2,2 Kn, die des Fluthstromes
1,5 Kon. Bei Ras Bort waren die Strömungen nicht so bedeutende; die Fluth
lief hier ENE, die Ebbe WSW; die gröfsten gemessenen Geschwindigkeiten
beliefen sich bei Fluth auf 0,8 Ku, bei Ebbe auf 1,0 Kın.
4. Zwischen der Manda-Bucht und Kisimayu hatte S. M. S. „Olga“
in 12 bis 18 Sm Entfernung von der Küste in 15 Stunden eine Stromversetzung von
25 Sm nach SW, während in einem Abstande von 4 Sm von der Küste kein Strom
bemerkt wurde, Hiermit korrespondirend wurde S. M. S. „Carola“ zwischen
0° 15‘ und 3° 6,6‘ S-Br in derselben Entfernung von der Küste wie die „Olga“
in 19 Stunden 28,5 Sm nach S35°W versetzt, während von der letztgenannten
Breite bis 5° 33‘ S-Br in 24 Stunden ein Strom von 19 Sın nach N35°E beob-
achtet wurde, Die am Vor- und Nachmittage dieses Tages gewonnenen astro-
nomischen Ortsbestimmungen liefsen darauf schliefsen, dafs der Wechsel der
Stromrichtung in 3° S-Br erfolgt ist. Die Wassertemperatur stieg auf dieser
Breite von 26,2° auf 28,5°.
Die auf der Britischen Karte 670 (Tit. IX: 86) angegebene Bauk
Schmalcalders Sixes erstreckt sich einige Meilen weiter, als Lothungen in
der Karte angegeben, nach See zu.. S. M. S. „Olga“ dampfte ungefähr
4 Sm aufserhalb dieser Stelle auf eine Strecke von etwa 5 Sm durch ent-
färbtes Wasser und lothete dabei unregelmäfsige Vicfen von 18 bis 30 m.
Die Bank fällt steil ab, und markirt sich der Rand sehr scharf durch die
Wasserfärbung und durch starke Stromkabbelungen. Das Land bei Kisimayu
ist für einen Fremden schwer auszumachen, im Uebrigen bietet die Einsegelung,
wie bereits von S. M. Kr. „Möwe“ in diesen Annalen 1886, S. 392 berichtet,
an der Hand der Specialkarte Tit. IX No. 85 (Brit. Adm.-Karte 860) keine
Schwierigkeiten. Die weifse Säule nordöstlich von Mark Hill wurde auch von
3. M. S. „Olga“ nicht gesehen. Während des Aufenthaltes des Schiffes in
Kisimayw vom 21. bis 25. Januar wehte der Monsun stürmisch aus Ost bis
Ostnordost. Die Temperatur war verhältnilsmäfsig niedrig, am Tage nicht über
28° und des Nachts bis 25° fallend. Trotzdem das Schiff im Schutze der Insel
Kismayu lag, machte sich doch eino nicht unerhebliche Dünung bemerkbar.
Der Ankergrund scheint gut zu sein.
5. Die Juba-Mündung.!) Eine Untersuchung der Juba-Mündung und
Barre Ende Januar durch S. M.S. „Carola“ führte zu demselben Resultat, wie
die frühere S. M. S. „Aneisenau“ (siehe Annalen 1885, S. 383), dafs die Barre
zu dieser Jahreszeit von Kriegsschiffsbooten nicht passirt werden kann. 5. M.S,
„Carola“ ankerte 0,6 Sm von der Mündung, wo etwas gröfsere Tiefen, als in
der Britischen Karte verzeichnet sind, 12m anstatt 5 Fad., gefunden wurden,
Die Mündung des Flusses selbst ist von See aus schwer auszumachen, da eı
von dem Dorfe Juba an fast parallel mit der Küste läuft uud sich dann mit
scharfer Rechtsbiegung in der Richtung SzO mifsweisend in die See ergiefst,
Sie kennzeichnet sich nur durch Schmalerwerden des am Strande hinlaufenden,
sonst überall gleich breiten Saudstreifons und bei Ebbe durch das gelblich
gefärbte Flufswasser, das sich von dem blaugrünen Salzwasser scharf abhebt,
Im Nordost-Monsun, während welchem an der Afrikanischen Küste ocin Strom
von ca 1,0 Sm nach SW (?) setzt, findet sich die Flufsmündung an der nordöst-
lichen Grenze des gelblich gefärbten Wassers, da der Meeresstrom die aus dem
Flusse kommenden Wassermassen sofort nach Süden ablenkt.
{m Uebrigen ist die Ansteuerung der Mündung des Jwba, selbst wenn
man sie nicht ausmachen kann, keine schwierige, da die Insel Kisimayu, Mears
Tomb, Murder Hill und die von See aus sichtbaren Häuser von Juba, auf deren
') Siehe Annalen 1885, S. 383.
„Africa Pilot“, Part III. 1884, S. 388.