Ann. d. Hydr. ete., XV. Jahrg. (1887), Heft VE
Ueber den Einflufs der Rotation der
Erdmagnetismus. 7
Sonne auf den
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Yon J, Liznar.
Alle bisher genauer studirten Erscheinungen des Erdmagnetismus zeigen
Perioden, welche eine Abhängigkeit von der Stellung der Sonne zur Erde oder
von der Beschaffenheit der Sonnenoberfläche aufweisen, so dafs wir genöthigt
sind, die Sonne als Ursache derselben anzusehen. ‘ Betrachtet man z. B. einen
Magnetstab, der auf einem Kokonfaden so befestigt ist, dafs seine Längsaxe
horizontal liegt, etwas genauer, so findet man, dafs derselbe mit seinen Enden
Tag für Tag gröfsere oder kleinere Bögen beschreibt, indem zu einer bestimmten
Tageszeit sein Nordende den westlichsten, zu einer anderen aber den östlichsten
Stand annimmt. Ein so aufgehängter Magnetstab heifst bekanntlich ein magne-
tisches Unifilar und zeigt die Aenderungen der Deklination an, d. h. jenes
Winkels, welchen der magnetische Meridian mit dem astronomischen einschliefst.
So erreicht in Mitteleuropa die Deklination den geringsten Werth um ca 8
Morgens, der Magnet des Uniflars wandert dann ziemlich rasch mit seinem
Nordende nach Westen, um zwischen 1—2* Nachmittags die westlichste Lage
anzunehmen, wo also die Deklination ein Maximum wird; hierauf entfernt er
sich anfangs rascher, später aber langsamer von dieser Lage, bis er am nächsten
Tage um wieder ca 8% a. m. die östlichste Lage erreicht. .
Diese regelmäfsige, alle Tage wiederkehrende Bewegung nennen wir den
täglichen Gang der Deklination. Auch die anderen Elemente, welche die erd-
magnetische Kraft an einem Orte bestimmen, zeigen solche regelmäfsigen Be-
wegungen mit freilich anderen. Wendepunkten. Die Ursache dieser regelmäßigen
täglichen Bewegung kann nur in der verschiedenen Lage des Beobachtungsortes
gegen die Sonne, oder mit anderen Worten in der Axendrehung der Erde ge-
sucht werden.
Die tägliche ‚Periode hängt auch von der geographischen Lage des
Beobachtungsortes ab; die Bewegung der Magnetnadel ist in hohen Breiten,
an Orten also, welche dem magnetischen Pole näher liegen, sehr verschieden
gegen jene in mittleren oder minderen Breiten. Zur Veranschaulichung dessen
grlaube ich mir den täglichen Gang der Deklination für Wien und die Polar-
station Jan Mayen anzuführen (Tabelle I), mit dem Bemerken, dafs sich sämmt-
liche Zahlen auf dasselbe Zeitintervall, nämlich 1. September 1882—31, Juli 1883
beziehen, Wir ersehen aus diesen Zahlen, dafs in Wien der tägliche Gang im
Winter und Sommer sehr verschieden ist, indem das Hauptminimum im Winter
auf die Abendstunde 10%, im Sommer dagegen zwischen 7—8% a. m. fällt;
außerdem zeigt sich im Winter ein sekundäres Maximum um 5* a.m. und ein
sekundäres Minimum ungefähr zur Zeit des Hauptminimums des Sommers, In
Jan Mayen treten zwar die Extreme zu ganz anderen Zeiten ein als in Wien,
aber ein solcher Unterschied. im täglichen Gange zwischen Winter und Sommer,
wie wir ihn bei Wien sehen, ist nicht vorhanden; die Amplituden sind in
Jan Mayen viel gröfser als in Wien. Der Unterschied in den Amplituden wird
bei Störungen noch viel größer. Ich erlaube mir die Amplituden zweier Tage
des November 1882, wo in Wien die gröfsten Störungen registrirt wurden,
1) Vortrag, gehalten in der Chemisch-Physikalischen Gesellschaft zu Wien am 1. März 18837,