|
Ueber Gewitter und Gewitterbeobachtungen.
beobachteten Gewitter fuhren die Blitze wie weifse Pfeile (also doch wohl nicht
im Zickzack) in die Höhe.!) Am 17. Juli 1880 sah Knudsen in Bröstrup im
Kreise Hadersleben einen zündenden Blitz, der wie eine feurige Stange am be-
wölkten Himmel erschien.*)
Besonders auffällig sind diejenigen Blitze des ersten Typus, welche in
schräger oder völlig horizontaler Richtung weite Wege zurücklegen. In größeren
Städten wird man bisweilen erfahren, dafs ein anscheinend im Westen vorüber-
gezogenes Gewitter gerade im östlichen Theile Schaden angerichtet hat. Sehr
auffallend ist ein von Werneburg berichteter Blitzschlag. Der Blitz legte von
seinem Ausgangspunkte zwischen den Dörfern 7T@iefthal und Gispersleben bei
Erfurt einen Weg von 7 km zurück und erreichte die Gegend des Feldschlöfschens
am Steiger südlich von Erfurt, während jene Dörfer nördlich von der Stadt
liegen. Ueber der Einschlagstelle war ganz klarer Himmel.?)
Von den Blitzen des zweiten Typus ist nicht viel zu sagen. Arago
(a. a. O. S. 36) bemerkt, dafs der volksthümliche Ausdruck: die Wolken scheinen
sich zu öffnen (les nuages s’entr’ouvrent), den Anblick dieser Blitze am besten
bezeichnet. Man blickt gleichsam in ein hinter der Wolke befindliches Feuer-
meer hinein. Nach Arago sollen diese breiten Flächenblitze bisweilen von
solchen des ersten Typus durchschnitten und gekreuzt werden; ich habe diese
Wahrnehmung noch nicht machen können. Auch überwiegen die Flächenblitze
nicht in dem Grade, wie Arago wollte; ein jedes einigermafsen näherkommende
Gewitter hat einige Zickzackblitze aufzuweisen; Häpke kam für Bremen zu
einem ganz gleichen Ergebnifs.‘) Vielfach wird behauptet, dafs der Flächen-
blitz nur ein aus grösserer Entfernung und deshalb unbestimmt gesehener Zick-
zackblitz sei, dem widerspricht aber schon der ganze Anblick des zweiten
Blitztypus, welcher auf ein durchaus verschiedenes Phänomen hindeutet, und
auıserdem hat die spektroskopische Untersuchung generelle Unterschiede zwischen
beiden nachgewiesen, worauf Häpke die Beobachter ganz besonders aufmerksam
macht. Die Differenz der Farben, die von Arago und Häpke hervorgehoben
wird — Blitze des ersten Typus sollen vorherrschend intensiv weils, bisweilen
gelblich oder bläulich, solche des zweiten aber häufig roth, blau oder violet
sein —, ist nicht ganz zutreffend; ich habe ebensowohl intensiv rothe Zickzack-
blitze als glänzend weifse Flächenblitze gesehen. Auch bei den Flächenblitzen
kommt die öftere Wiederholung an derselben Stelle vor.
Die Blitze des dritten Typus sind die merkwürdigsten. Es sind die 80-
genannten Kugelblitze, über deren wirkliche Existenz noch immer nicht ganz
einstimmig geurtheilt wird, Kämtz führt einige ältere Berichte über Erschei-
nungen an, bei denen der Blitz die Gestalt einer feurigen Kugel hatte, bekennt
auch selbst, dergleichen gesehen zu haben, und zweifelt weit weniger an der
wirklichen Existenz des Kugelblitzes als spätere Physiker.) Aehnlich stellt sich
Pfaff zu der Frage.®*) Arago hat eine grofse Anzahl zum Theil sehr merk-
würdiger Berichte über Kugelblitze gesammelt (a. a. O0. S. 37—58) und ist eben-
falls nicht abgeneigt, ihre Wirklichkeit anzuerkennen. Seitdem haben unsere
meteorologischen Zeitschriften seltener und nur gelegentlich Beobachtungen des
Kugyelblitzes gebracht; erst in den letzten Jahren, da das Interesse daran neu
erwacht ist, flielsen auch die Nachrichten wieder reichlicher. Klein stellt
wieder eine Reihe von Berichten zusammen (a. a. O0. S.31—37) und giebt die
Existenz der Kugelblitze zu, macht aber auf Fehlerquellen aufmerksam. Für
die neueste Zeit findet man gutes Material in den vier Serien der Weber’schen
Blitzschlag-Beohbachtungen, ’) dann in Häpke’s citirter Schrift, endlich in einem
sehr bemerkenswerthen Aufsatze in den Verhandlungen der Schwedischen Aka-
demie,®) wo auch alle Berichte über Kupgelblitze, die sich in den Pariser
Metenr.
) Klein, „Das Gewitter“, Graz 1871. S. 43.
) Weber, „Blitzschläge“, Zweite Folge, S. 39, Beobachtung 81.
) „Mittheilungen der Geogr. Gesellsch. in Jena“, Bd. 4, 1886, S. 125.
) „Physiographie der Gewitter“, S. 14,
) „Lehrbuch der Meteorologie“, Bd. 2, S. 427.
°) Gehler’s „Phys. Wörterbuch“, Bd. 1. Leipzig 1825. 5S. 999.
7) Man vergleiche auch den wichtigen Aufsatz Weber’s in der „Zeitschr. der Deutschen
Gesellschaft“, Bd. 2, 1885, S. 118 ff.
8) „Oefversigt af Kgl. Svenska Vet. Ak. Förhandlingar“, 1883 No. 7. 5. 77 €.