Kleine Notizen.
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von 6—8 Sm von der Küste ruhiges Wasser, und scheint in diesen Grenzen
auch nur der erwähnte um Mittag einsetzende westliche Wind zu stehen, der
außerhalb der Grenzen wieder durch den frischen Nordost-Passat ersetzt wird.
5. Ras alKhyle, Ostküste von Afrika.!) Nach dem Berichte S. M. Knbt.
„Hyäne“, Kommandant Kapt.-Lieut. Galster II. Ras al Khyle besteht aus
drei vorspringenden Kaps eines ebenen Hochplateaus, die ca 1 Sm Abstand von
einander haben und steil zum Meere abfallen. Das südlichste ist am höchsten
und erstreckt sich am weitesten nach Osten. Von Südost und Ost aus gesehen,
hebt sich Ras al Khyle scharf nach Norden gegen das weiter zurückliegende
Land ab. Schon bei 2 Sm Abstand von der Küste wird das Wasser hellblau
und undurchsichtig, was seinen Grund in der thonigen Beschaffenheit des Ufers
und des Grundes hat. Die Wassertiefe nimmt im Allgemeinen ganz regelmäfsig
nach dem Ufer zu ab, ist aber nicht so bedeutend, wie man nach dem Steil-
abfall des Hochplateaus schliefsen würde. Ungefähr 1'/4 Sm in NNO von der
nördlichsten der drei Spitzen wurde eine gröfsere sehr hell gefärbte Stelle
gesehen, die wahrscheinlich weniger als 10m Wasser hat, während sonst in
diesem Abstande an der Küste 17 bis 20m gelothet wurden.. Auf der Rhede
steht beim Nordost-Monsun eine hohe Dünung. Die Brandung beginnt nach
Land zu schon auf Wassertiefen von 4m. Nur wenn der Wind nördlicher als
Nordnordost wird, kann man sich mit unseren Booten bis auf Wassertiefen von
21/2 m dem Strande bei der Somali-Niederlassung nähern. Zum Verkehr sind
die Boote der Eingeborenen oder der Arabischen Schiffer heranzuziehen. Unge-
fähr.1 Sm nördlich von der nördlichsten der drei Spitzen liegen 30 bis 40 sehr
kleine Somalihütten, die das Ansehen von grauen Maulwurfshaufen haben und
selbst mit dem Fernrohre schwer zu finden sind. Die Eingeborenen waren zur
Zeit mit ihren Viehheerden im Innern. An der Küste waren nur Arabische
Haifischfischer zu finden. Frischer Proviant war nicht zu erlangen.
6. Strom und Wassertemperatur in der Formosa- Strafse,
S. M. Kr. „Nautilus“, Kommandant Kapt.-Lieut. von Hoven, fand in der
Formosa-Strafse, dieselbe vom 10. bis 12. Februar d. J. in einem Abstande von
15—20 Sm von der Chinesischen Küste passirend, im nördlichen Theile die
Stärke und Richtung des Stromes den Angaben der Segeldirektionen ent-
sprechend, während im südlichen Theile der Strafse dagegen ein Strom in süd-
östlicher bis östlicher Richtung von 0,5 Kn durchschnittlicher Geschwindigkeit,
zeitweise aber auch in nordöstlicher Richtung bis zu 2 Sm die Stunde setzend,
bemerkt wurde. Bei der Lamock-Insel lief wieder ein südwestlicher Strom mit
2,5 Kn Geschwindigkeit, der aber bald darauf wieder nach Osten ging, während
nach der Stromkarte dieser Küstenstrecke für die Zeit des Nordost-Monsuns ein
Strom mit 1,8 Kn Stärke südwestlich setzen soll. Es scheint demnach Ebbe
und Fluth auf die Strömung noch in einem Abstande von ca 17 Sm von der
Küste von bedeutendem Einflusse zu sein.
Die Wassertemperatur stieg bei den Brothers, südöstlich von Yokako Bai
von 9,6° C, auf 12,3° C; es korrespondirt dies mit den von dem Meteorologischen
Amt zu London herausgegebenen Karten der Meeresoberflächentemperaturen,
wo hier ein Gebiet mit besonders starken Schwankungen von 6° bis 10° C. an-
gegeben ist.
Eine ähnliche Temperatursteigerung wurde auf derselben Reise nördlich
vom Chucan-Archipel in der Nähe der Fisherman-Gruppe beobachtet, nämlich
von 3,9° auf 8,8° €.
7. (D. S.) Der Hafen von Huite am Golf von Aneud auf der Ost-
geite der Insel Chiloe (Küste von Chile) ist nach einer Notiz in dem meteoro-
logischen Journal der Deutschen Bark „Lowise“, Kapt. J. Köhne, ein sehr
schöner und sicherer. Er bildet einen kleinen Kessel von etwa 1 Sm Länge
und !/2 Sm Breite, zu dem ein schmaler Eingang führt. Kapt. Köhne schreibt
seine Entstehung einem vulkanischen Ausbruche zu und vergleicht ihn mit dem
Krater einer neu aufgeworfenen Insel in der Südsee bei Matupi, welche er
Gelegenheit hatte, zu besuchen.
1) Siehe auch Annalen 1886, S. 394.
„Africa Pilot“, Part III, 1884, S. 399.
Findlay’s „Indian Ocean“, 1882, S. 666.