Ueber Gewitter und Gewitterbeobachtungen.
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Vom Hauptstrahle: hatten sich drei Nebenblitze abgesondert, und zweimal hatten
schiefe Ueberspringungen des ersteren stattgefunden.‘) Auch der Blitz, welcher
am 3. Juli 1885 das Universitätsgebäude in Breslau traf, mul sich in eine
Anzahl Aeste getheilt haben, da sowohl an dem Gebäude selbst mehrere Blitz-
bahnen bemerkbar waren, als auch gleichzeitig auf der Schuhbrücke, einer in
ihrem nächsten Punkte 100 m vom Gebäude entfernten Strafse, ein gerade zur
Erde niederfahrender Blitz gesehen wurde. Die Schallphänomene bei diesem
Schlage waren schwach.) Vielleicht gehört auch, der zuerst in den „Philos,
Transactions“, Bd. 77, S. 61, 1787, bekannt gemachte, dann von Reimarus,°)
Klein% und vielen Anderen wiedergegebene Fall aus Schottland hierher, in
welchem ein Mann und zwei Pferde erschlagen wurden, während an mehreren
Stellen in der Nachbarschaft Personen elektrische Schläge erhielten und andere
auffallende Erscheinungen wahrnahmen. Der Blitz mufßs sehr geringe Leucht-
kraft besessen haben, da ihn ein Augenzeuge, der am offenen Fenster das Ge-
witter beobachtete, gar nicht wahrnahm. Der Donner klang, als ob verschiedene
Flinten schnell nach einander abgefeuert würden, ohne dafs es nachtönte. Schon
eine Viertelstunde vor jenem Hauptschlage wurde ganz in der Nähe ein Lamm
in der Heerde erschlagen, während doch das Gewitter weit entfernt zu sein
schien. Auch diesmal wird kein gesehener Blitz erwähnt. Man kann hier ent-
weder an eine Spaltung in mehrere sehr weit auseinander laufende Strahlen oder
an einen in horizontaler Richtung eine weite Strecke zurücklegenden Blitz (s. u.)
denken. Das allerdings auffallende Phänomen, von welchem Andre erzählt —
während eines fernen Gewitters bemerkt der Beobachter in seinem Zimmer am
Leuchtthurme zu Pondichery ein dumpfes Getöse, plötzliche Erschütterung einiger
Geräthe und einen rauchartigen Nebel — soll hier wenigstens erwähnt werden.®)
Dafs kurz nacheinander mehrere Blitze ganz dieselbe Bahn einschlagen, ist oft
beobachtet worden. Im Volke gelten diese Blitze für besonders gefährlich,
eine Ansicht, die nach Häpke unbegründet ist.‘) Szalkay sah in Temesvar
am 1. Juni 1879 zwei vollständig parallele Blitzstrahlen,. die vom Zenith aus-
gehend nach Westen sich erstreckten, kurz darauf einen Blitzstrahl mit zwei
Zacken, der 2 Sekunden hinter einander konstant blieb, also wohl auch, falls nicht
optische Täuschung im Spiele ist, aus einer Anzahl rasch nach einander den-
selben Weg einschlagender Entladungen bestand.’) Am 2. Juli 1885 bemerkte
Czwalina vom Verdeck eines Pregeldampfers zwischen Arnau und Taptaw
oberhalb Königsberg, dafs 50 bis 60 Blitze dieselbe Bahn zwei- bis dreimal,
mehrere vier- bis fünfmal, einer sogar achtmal hinter einander vom Himmel zur
Erde zurücklegten.®) Am 2. und am 5. Juni 1885 konnte Leyst in Pawlowsk
mehrere sehr auffallende Blitze beobachten. Er überzeugte sich genau, dafs
mehrere einander folgende Blitze stets dieselbe Bahn einhielten. Einmal leuchtete
ein Blitz in 30° Höhe ‚auf, ging in gleicher Höhe 50° weiter, zerlegte sich dann
in zwei Theile, die unter spitzem Winkel auseinander gingen. Als sie etwa 30°
von einander entfernt waren, machten beide einen stumpfen Winkel und ver-
einigten sich wieder, um als einziger Strahl noch weiter zu gehen. Dann aber
kehrte der Blitz wieder um und hielt genau dieselbe Bahn in Gestalt des
Rhomboids auf seinem Rückwege inne.*) Man achte besonders genau darauf,
welchen‘ Antheil optische Täuschungen doch wohl an derartigen Beobachtungen
haben. mögen.
Blitze des ersten Typus, welche nicht in Zickzackform, sondern völlig
geradlinig auftreten, sind, wie es scheint, nicht häufig. Ich entsinne mich, mehr-
mals in heraufziehenden, aber noch entfernten Gewitterwolken weiße, ganz
gerade, strichförmige Blitze, und zwar theils aufwärts-, theils abwärtsfahrend
yesehen zu haben, so im Mai 1884. Bei einem im Jahre 1784 in Mecklenburg
') Ebenda Bd. 19, 1884, S. 376 £.
) „Das Wetter“, Jahrg. 2, 1885, S. 154. a.
) „Neuere Bemerkungen vom Blitze“. Hamburg 1794. S. 13 £.
) Klein, „Das Gewitter“. Graz 1871. S, 94.
‘) „Comptes rend.“, Bd. 101, 1885, S. 899.
; „Zur Physiographie der Gewitter“, S. 15.
ı „Oesterr. Meteor. Zeitschr.“, Bd, 14, 1879, S. 267.
: „Schriften der phys.-ökon, Ges, zu Königsberg“, Bd. 26, 1885, S. 40 der Sitzungsberichte,
Viewegs „Naturwissensch. Rundschau“, Bd. 1, 1886, S. 88.
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