Die Vertheilung der Wassertemperaturen an der Meeresoberfläche.
des Südatlantischen Oceans rufen, schliefst Professor Krümmel, auf der nur
schwach von Südwinden beeinflufsten Osthälfte eine allgemeine Niveaudepression
hervor, deren Ausgleich nur aus Nordosten und Südosten möglich ist. Es
geschieht dies aus ersterer Richtung durch die Gwinea-Strömung, von Süden her
durch die Südatlantische Verbindungsströmung, während schliefslich der noch
fehlende Bedarf durch das aus der Tiefe heraufdringende Wasser gedeckt wird.
Der Umstand, dafs man gerade an den abgeschlossensten Theilen der in Rede
stehenden Buchten, wo die beiden erwähnten Oberflächenströmungen weniger
leicht Zutritt haben, die kältesten Wassertemperaturen findet, begünstigt diese
Hypothese, ;
Die Vorgänge im Stillen Ocean und an der Westküste Süd-Amerikas sind
ganz analoger Natur. .
Wunderbarer Weise finden wir im Indischen Ocean ganz abweichende
Verhältnisse; hier tritt an der Ostseite, d.h. an der Westküste von Australien,
keine Temperaturerniedrigung des Wassers, sondern eher eine Erhöhung auf,
Wenn auch der allgemeine Charakter des Indischen Oceans, welcher im
Gegensatze zu den beiden polaren anderen grofsen und nach beiden Seiten mehr
oder weniger freien Oceanen durch grofse Ländermassen abgeschlossen wird, sich
anders gestaltet, wie es sich denn auch in vielen Erscheinungen ausspricht, so
mufßs doch der Südost-Passat auch hier eine Niveaudepression auf der östlichen
Seite zur Folge haben. Wenn trotzdem hier keine durch Emporsteigen kalten
Wassers erzeugte Temperaturerniedrigung an den Küsten Australiens stattfindet,
so sucht Professor Krümmel dies durch eine infolge des Australien eigenthüm-
lichen Küstenverlaufes genügende Wasserzufuhr in horizontaler Richtung zu
erklären. Die Westküste Australiens verläuft nur zwischen 35° S-Br und dem
Wendekreise in nord—südlicher Richtung, während sie nördlich von letzterem
oach Nordosten zurücktritt. Der durch die Torres-Stralßse eintretende warme
westliche Strom erhält hierdurch Gelegenheit, der Festlandsküste auch nach
Süden hin zu folgen und Ersatz zu schaffen für das durch die Wirkung des
Züdost-Passates derselben entzogene Wasser, während in gröfserem Abstande
von der Küste eine nach Norden setzende kalte Strömung hierfür zu sorgen
scheint. Direkte Vermessungen an diesem Theile der Küste liegen freilich zu
wenige vor, um hieraus einen vollgültigen Beweis ableiten zu können; die von
der Britischen Admiralität herausgegebene, von Kapt. Evans und Commander
Hull zusammengestellte Stromkarte giebt wohl den letztgenannten nördlichen
Strom an, einen südlichen Küstenstrom aber nur längs des südlichen Theiles
der Küste in der Nähe von Perth. S. M.S. „Gazelle“ beobachtete auf ihrer
wissenschaftlichen Expedition 1874/76 bei der Insel Dirk Hartog, also dort, wo
die Küste nach Süden umbiegt, eine Stromversetzung nach Südosten von 16 Sm
in 24 Stunden,
Weitere auffallende Temperaturerniedrigungen an der Küste von Ober-
Guinea und an einzelnen Stellen des Atlantischen Oceans unter dem Aequator
versucht Professor Krümmel in gleicher Weise durch Aspiration des kalten
Wassers zu erklären.
An der nördlichen Küste des Golfes von Guinea zu beiden Seiten des
Kaps der drei Spitzen (Three Points). hat die Britische Oberflächentemperaturen-
Karte für August Temperaturen von 20° bis 22° C. verzeichnet, während sie
östlich und westlich davon an der Küste 24° bis 25° betragen und auch in
einem gewissen Abstande nach Süden zu diese Werthe annehmen. Auf dem
Aequator und zwischen 5° und 20° W-Lg liegen ferner einzelne sich durch
kaltes Wasser von der Umgebung abhebende Stellen. So kennzeichnet sich
besonders das Zweigradfeld zwischen 0° und 2° N-Br, 18° und 20 W-Lg als
solche Kaltwasserinsel durch eine Temperatur von 21,7° C, (71° F.), während
die daran stofsenden Felder im Norden 25,6°, im Süden 23,3°, im Osten 22,8°
und im Westen 23,9° aufweisen; andere ähnliche Stellen mit 20° und 21° liegen
zwischen 7° und 10° W-Lg zu beiden Seiten des Aequators.
Diese Erscheinungen treten nur im August, also im Sommer, &uf; für die
übrigen Jahreszeiten zeigen die Karten diese Unregelmäfsigkeiten nicht. Es
liegt daher nahe, hier auf einen Zusammenhang mit dem verschiedenen Verhalten
des Südost-Passates Sommers und Winters zu schliefsen, Nach den oben ange-
führten Windkarten im Segelhandbuch für den Atlantischen Ocean reicht der
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