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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Die Vertheilung der Wassertemperaturen an der Meeresoberfläche. 
des Südatlantischen Oceans rufen, schliefst Professor Krümmel, auf der nur 
schwach von Südwinden beeinflufsten Osthälfte eine allgemeine Niveaudepression 
hervor, deren Ausgleich nur aus Nordosten und Südosten möglich ist. Es 
geschieht dies aus ersterer Richtung durch die Gwinea-Strömung, von Süden her 
durch die Südatlantische Verbindungsströmung, während schliefslich der noch 
fehlende Bedarf durch das aus der Tiefe heraufdringende Wasser gedeckt wird. 
Der Umstand, dafs man gerade an den abgeschlossensten Theilen der in Rede 
stehenden Buchten, wo die beiden erwähnten Oberflächenströmungen weniger 
leicht Zutritt haben, die kältesten Wassertemperaturen findet, begünstigt diese 
Hypothese, ; 
Die Vorgänge im Stillen Ocean und an der Westküste Süd-Amerikas sind 
ganz analoger Natur. . 
Wunderbarer Weise finden wir im Indischen Ocean ganz abweichende 
Verhältnisse; hier tritt an der Ostseite, d.h. an der Westküste von Australien, 
keine Temperaturerniedrigung des Wassers, sondern eher eine Erhöhung auf, 
Wenn auch der allgemeine Charakter des Indischen Oceans, welcher im 
Gegensatze zu den beiden polaren anderen grofsen und nach beiden Seiten mehr 
oder weniger freien Oceanen durch grofse Ländermassen abgeschlossen wird, sich 
anders gestaltet, wie es sich denn auch in vielen Erscheinungen ausspricht, so 
mufßs doch der Südost-Passat auch hier eine Niveaudepression auf der östlichen 
Seite zur Folge haben. Wenn trotzdem hier keine durch Emporsteigen kalten 
Wassers erzeugte Temperaturerniedrigung an den Küsten Australiens stattfindet, 
so sucht Professor Krümmel dies durch eine infolge des Australien eigenthüm- 
lichen Küstenverlaufes genügende Wasserzufuhr in horizontaler Richtung zu 
erklären. Die Westküste Australiens verläuft nur zwischen 35° S-Br und dem 
Wendekreise in nord—südlicher Richtung, während sie nördlich von letzterem 
oach Nordosten zurücktritt. Der durch die Torres-Stralßse eintretende warme 
westliche Strom erhält hierdurch Gelegenheit, der Festlandsküste auch nach 
Süden hin zu folgen und Ersatz zu schaffen für das durch die Wirkung des 
Züdost-Passates derselben entzogene Wasser, während in gröfserem Abstande 
von der Küste eine nach Norden setzende kalte Strömung hierfür zu sorgen 
scheint. Direkte Vermessungen an diesem Theile der Küste liegen freilich zu 
wenige vor, um hieraus einen vollgültigen Beweis ableiten zu können; die von 
der Britischen Admiralität herausgegebene, von Kapt. Evans und Commander 
Hull zusammengestellte Stromkarte giebt wohl den letztgenannten nördlichen 
Strom an, einen südlichen Küstenstrom aber nur längs des südlichen Theiles 
der Küste in der Nähe von Perth. S. M.S. „Gazelle“ beobachtete auf ihrer 
wissenschaftlichen Expedition 1874/76 bei der Insel Dirk Hartog, also dort, wo 
die Küste nach Süden umbiegt, eine Stromversetzung nach Südosten von 16 Sm 
in 24 Stunden, 
Weitere auffallende Temperaturerniedrigungen an der Küste von Ober- 
Guinea und an einzelnen Stellen des Atlantischen Oceans unter dem Aequator 
versucht Professor Krümmel in gleicher Weise durch Aspiration des kalten 
Wassers zu erklären. 
An der nördlichen Küste des Golfes von Guinea zu beiden Seiten des 
Kaps der drei Spitzen (Three Points). hat die Britische Oberflächentemperaturen- 
Karte für August Temperaturen von 20° bis 22° C. verzeichnet, während sie 
östlich und westlich davon an der Küste 24° bis 25° betragen und auch in 
einem gewissen Abstande nach Süden zu diese Werthe annehmen. Auf dem 
Aequator und zwischen 5° und 20° W-Lg liegen ferner einzelne sich durch 
kaltes Wasser von der Umgebung abhebende Stellen. So kennzeichnet sich 
besonders das Zweigradfeld zwischen 0° und 2° N-Br, 18° und 20 W-Lg als 
solche Kaltwasserinsel durch eine Temperatur von 21,7° C, (71° F.), während 
die daran stofsenden Felder im Norden 25,6°, im Süden 23,3°, im Osten 22,8° 
und im Westen 23,9° aufweisen; andere ähnliche Stellen mit 20° und 21° liegen 
zwischen 7° und 10° W-Lg zu beiden Seiten des Aequators. 
Diese Erscheinungen treten nur im August, also im Sommer, &uf; für die 
übrigen Jahreszeiten zeigen die Karten diese Unregelmäfsigkeiten nicht. Es 
liegt daher nahe, hier auf einen Zusammenhang mit dem verschiedenen Verhalten 
des Südost-Passates Sommers und Winters zu schliefsen, Nach den oben ange- 
führten Windkarten im Segelhandbuch für den Atlantischen Ocean reicht der 
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