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Veber Gewitter und Gewitterbeobachtungen.
am Abende auf ein kleines Gebiet im Göltzeschthale beschränkt, ein anderes
verweilte lange in der Gegend von Jähstadt im Erzgebirge und erlosch dort
Abends 11!) Die meteorologische Station Oslebshausen ist nur {km von
Bremen entfernt. Gleichwohl stimmen die in Oslebshausen angestellten Gewitter-
beobachtungen keineswegs ganz mit den Bremischen. Es fehlt sogar das heftige
Gewitter vom 5. September 1880 in der Liste von Oslebshausen, obwohl das-
selbe nicht nur in Bremen (also südlich von Oslebshausen), sondern auch in
Vegesack (nördlich von Oslebshausen) wüthete. Am 4. und 5. April 1880 hatte
Oslebshausen Gewitter, Bremen nur am 4. etwas Wetterleuchten, auch von dem
in Kg) hausen verzeichneten Gewitter am 17.. Mai 1879 nahm Bremen nichts
wahr.
Beobachtungen über den Blitz. Wir können auch heute noch die
Eintheilung der Blitzformen, welche Arago®) gegeben hat, zu Grunde legen.
Arago unterscheidet zunächst Zickzackblitze, welche Jeder genau zu kennen
glaubt. Iudessen haben die neuesten Forschungen gezeigt, dafs die wirkliche
Form dieser Blitze der schlechthin angenommenen nicht ganz entspricht, und
auch sonst ist noch mancherlei bei dieser Blitzform zu bemerken. Die Blitz-
photographien haben nachgewiesen, dal der Zickzackblitz nicht aus einer
scharfen Linie, sondern aus mehreren Bändern oder Streifen, die durch duuklere
Zwischenräume getrennt sind, besteht; dafs ferner nicht so spitze Winkel, wie
das Auge annimmt, sondern ziemlich sanfte Biegungen vorkommen, und dafs
endlich Verzweigungen des Blitzes nicht, wie man früher glaubte, sehr seltene
und bemerkenswerthe Fälle, sondern geradezu die Regel sind. Das Bild des
Blitzes ähnelt sogar häufig dem Bilde eines Flufssystemes auf der Karte; die
Mündung des Flusses entspricht dem Punkte des Anfanges der Blitzbahn, die
sich nun gleichsam flufsaufwärts vielfach verzweigt und verästelt. Alle die
älteren, sonst vielfach mit einigem Milstrauen aufgenommenen Berichte über
Anzündung von 2—3 km von einander entfernten Objekten durch denselben Blitz
erhalten nun erhöhte Glaubwürdigkeit, verlieren aber freilich das Auffallende
und Merkwürdige, was sie bisher besafsen. Es scheint, dafs die Theilungen
bei schweren und tiefziehenden Gewittern zahlreicher und leichter wahrnehmbar
sind. Kämtz hatte eine Theilung in zwei Aeste mehrmals, eine Theilung in
ärei aber nur selten bemerkt.*) Arago verzeichnet mit Erstaunen den ihm von
Charpentier zugeschickten Bericht aus Freiberg in Sachsen, nach welchem
ein und derselbe Blitz drei Objekte in Brand gesetzt habe, welche auf einer
3795 m langen Strecke vertheilt waren,”) Aus neuerer Zeit erwähne ich nur
einige der merkwürdigsten Fälle, welche zeigen können, was man event. zu
beobachten hat. Am 7. Mai 1880 entlud sich über dem westlichen Ungarn ein
sehr schweres, von Hagelschlag begleitetes Gewitter. Gregor von Friesen-
hof in Nedandcz beobachtete dabei zahllose doppelte, viele dreifache, mehrere
vierfache und zwei fünffache Blitze.) Man achte in solchen Fällen auch darauf,
ob die Theilung des Blitzes schon bei der Ausbruchstelle aus der Wolke oder
arst weiter gegen das Ende hin liegt, gewöhnlich wird der letztere Fall ein-
treten, doch habe ich auch gesehen, dafs von einem Ausgangspunkte zwei
Strahlen nach verschiedenen Richtungen schon von der Wolke ausgingen. Am
15. Juni 1883 wurde das in einem Bergkessel liegende Stift St. Lambrecht in
Oesterreich an acht verschiedenen, zum Theil ziemlich weit von einander ent-
fernten Stellen vom Blitze getroffen und erheblich beschädigt. Nur ein einziger
schwerer Schlag wurde dabei gehört. Der Einsender, Pater Moser, erwähnt
noch mehrere ganz ähnliche Fälle aus seinen Erinnerungen.‘) Deschmann
berichtet einen merkwürdigen Blitzschlag auf einen Feim bei Latbach; die
Theilung trat hier, wie es scheint, erst ganz nahe am getroffenen Objekt ein.
1) „Jahrbuch des Königl. Sächs, Meteor, Institutes“, Bd. 2 für 1884, ganz am Ende auf S. 16.
Das Meiste auch in der „Meteor. Zeitschrift“, 1386, S. 131 ff. mitgetheilt.
2) Häpke, „Physiographie der Gewitter“, S. 10.
3) Arago a. a. O., S. 29. Vgl. auch Weber, „Berichte über Blitzschläge in Schleswig-
Holstein“. Erste Folge, S. 112, und Häpke a. a. O., S. 14 f.
4) „Lehrbuch der Meteorologie“, Bd. 2, S. 428.
X) Arago a. a. O., S. 33 £.
6) „Oesterr. Zeitschr. f. Meteor.“, Bd. 15, 1880, S. 288.
1) „Oesterr. Zeitschr. f. Meteor.*, Bd. 18, 1883. S. 297 f£.