Die Vertheilung der Wassertemperäturen an der Meeresoberfläche. 199
niedrigen Bergketten die schnelle Orientirung. Trotzdem bietet die Navigation
keine Schwierigkeiten, da das Fahrwasser breit und bis auf wenige Stellen bis
an die Küste hin tief ist. Die einzige Gefahr bilden die Danger Rocks bei
Parker Pt., die man aber sehr leicht vermeiden kann, wenn man von Middle-
Insel ab, die man ganz dicht passiren kann, auf die gegenüberliegende Küste
zusteuert und dieser bis Richard Pt. oder Adam Pt. folgt. Die Einsteuerung
von See ist ebenfalls nicht schwierig, sobald man mit wenigstens ungefährem
Besteck das Land sichtet. .
Die Vertheilung der Wassertemperaturen an der Meeresoberfläche.
Auf Grund der im Jahre 1884 vom Meteorologischen Amte in London
herausgegebenen Oberflächentemperatur-Karten der Oceane, „Charts showing
the Surface Temperatures of the Atlantic, Indian and Pacific Oceans“, hat Herr
Professor 0. Krümmel unter Hinzuziehung noch verschiedenen anderen Materials
zwei Isothermen-Karten für die Meeresoberfläche entworfen, welche ein klares
Bild und eine vorzügliche Uebersicht von der Wärmevertheilung an der Ober-
fläche der drei grofsen Oceane gewähren. Während der Englische Atlas für
jeden dieser Oceane je eine Karte der Oberflächentemperaturen für die vier
Monate Februar, Mai, August und November enthält, in welche die Mittelwerthe
der Temperaturen für die besser durchforschten Meerestheile in Zweigrad- resp.
Eingrad-Feldern eingetragen, aufserdem die Temperaturschwankungen ersichtlich
gemacht und Isothermen von 5° zu 5° F. eingezeichnet sind, giebt jede der
beiden Krümmel’schen Karten, und zwar die eine für den Monat Februar, die
andere für August durch die von 2° zu 2° C. eingetragenen Isothermen eine
Gesammt-Uebersicht über die Wärmevertheilung der. ganzen irdischen Meeres-
oberfläche, welche durch verschiedenes Kolorit noch deutlicher hervortritt. Für
die Nordsee sind die Isothermenzeichnungen in dem vom Hydrographischen Amte
der Admiralität herausgegebenen Segelhandbuch, für das Europäische Nordmeer
die bekannte Zusammenstellung Mohn’s und für die Ostsee die Resultate der
„Pommerania“-Fahrten in den Jahren 1872 und 1873 mit herangezogen worden.
Aus den Karten leitet Professor Krümmel einige interessante Ergebnisse
ab und knüpft an dieselben verschiedene Bemerkungen, welche er mit den
Karten im 1. Hefte des Vl. Bandes der „Zeitschrift für wissenschaftliche Geo-
graphie“, 1887, bekannt giebt.
Zunächst weist er auf den aus den Karten ersichtlichen Zusammenhang
zwischen: der Temperaturvertheilung und den Meeresströmungen hin, welchen
letzteren die in der Osthälfte des Atlantischen und Stillen Oceans unter dem
Aequator. herrschende, um. 2° bis: 4° niedrigere Temperatur als einige Breiten-
grade polwärts, oder das Vordringen des kalten antarktischen Wassers bis über
den, Aequator hinaus zugeschrieben wird, Hoch. hat diese Erscheinung wohl
zum Theil’ einen anderen Grund, worauf später noch zurückgekommen wird.
Die Ausbiegung der Isothermen nach Süden an. der Südspitze von Afrika ist
die. Folge des. warmen Agulhas-Stromes. In gleicher Weise werden die steilen
nördlichen: Auskurvungen der Isothermen‘ im Südosten der La Plata-Mündung
als Resultat der Meeresströmungen hingestellt; es wird hier der kalte Kap Horn-
Strom gemeint, sein, der sich zwischen. die beiden Ausläufer des südlichen
Aequatorialstromes, den an der Ostküste Südamerikas entlang setzenden Bra-
silianischen Strom und den nach Südosten laufenden Südatlautischen Verbindungs-
strom, drängt. Das Zusammendrängen der Isothermen südlich von. Neufundland
und die von hier aus erfolgende fächerförmige Ausbreitung über den Atlantischen
Ocean und bis Zsland und die Nordwestküste der Skandinavischen: Halbinsel
und noch höher hat seinen Grund in den bekannten eigenthümlichen, hier herr-
schenden Stromverhältnissen.