Zur Küstenbeschreibung von Kaiser Wilhelms-Land.
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in dem sie auf 22 m Wasser ankerte. Der Hafen erhielt den Namen Friedriel
Carl-Hafen. Von dem Aufsenhafen zweigen sich mehrere tiefe und geräumige,
von den Huken des Festlandes gebildete Buchten ab, welche jede für sich wieder
yanz landgeschlossene sichere Häfen bilden, die aber weniger luftig sind, als
der Aufsenhafen. Die südlichste derselben liegt nahe der Ostseite des Hanse-
mann-Berges, der der einzige größere Vorberg dieser Gegend ist und nur
durch geringe Bodenerhebung mit dem weiter landeinwärts liegenden Haupt-
gebirge zusammenhängt. Eine Rekognoscirungsfahrt mit dem Dampfboot nach
Norden ergab, dafs die hier gelegenen zahlreichen Inseln meistens durch Riffe
mit einander verbunden sind, so dafs die zwischen ihnen liegenden Räume als
Häfen nicht benutzt werden können, dagegen liegt westlich des nördlichsten
Theiles der ersterwähnten langen Insel Segu (Skobelew) ein geschütztes Becken,
welches sich in WNW-Richtung hinter die nächste Huk mehrere Seemeilen fort-
setzt, sich wieder verzweigt und hier prachtvolle Hafenbassins (Grofsfürst
Alexis-Hafen)!) von sehr grofser Ausdehnung bildet,
Die ganzen Ufer sind hier mit Ausnahme einzelner Stellen der Inseln mit
Mangroven eingesäumt. Im nordwestlichen Winkel des letzten grofsen Bassins
gelang es zu landen; das Terrain steigt hier ziemlich steil zu einem Hügel an.
Trinkwasser wurde nicht gefunden, es läßt sich aber annehmen, da auf den
Inseln Dörfer liegen, dafs solches vorhanden ist.
Um in den westlich von Segu gelegenen Hafen zu gelangen, mufste die
„Ottilie“ sich dicht an der Westküste der Insel (in 200—500 m Entfernung)
halten. Zwischen der Insel und der Landhuk dagegen liegt eine tiefe und gute
Passage, die eigentliche Einfahrt dieses nördlichen Hafenbassins, Ottilien-
Einfahrt genannt. Sie führt näher der Insel als der Festlandshuk, die an der
inneren Hafenseite ein Küstenriff von ca 1 Kabilg. besitzt.
Nachdem auf der Weiterfahrt auf Juno-Spitze zu ca 1 Sm nördlich
von der Ottilien-Einfahrt eine Huk passirt war, zeigte sich ein der Küste in
einem Abstande von !/4 bis !a Sm parallel laufendes Riff, auf dem eine Reihe
von kleinen Inseln lag, und welches sich bis zur Juno-Spitze erstreckte und dort
mit einer ca 500m von der Küste liegenden Insel endigte, Von dieser Seite
innerhalb des Riffes laufend, wurden dort 14! m Wasser gefunden; weiterhin
schien es etwas flacher zu sein, ist aber zum Ankern für kleinere Fahrzeuge
jedenfalls geeignet. Hinter Juno-Spitze mündet ein über 100m breiter Fluls,
der jedoch durch eine Barre versperrt ist.
Die Küste vom Alexis-Hafen an besteht aus flachem Lande in ziemlicher
Ausdehnung, indem sich das Gebirge 6—8 Sm von der Küste hält. Nach Kap
Croisilles steigt das Terrain allmählich an.
In der Mitte der flachen Bucht zwischen Juno-Spitze und. Kap Croisilles
mündet ein Flufs von 150—180m Breite, vor welchem eine Sandbarre mit
kleiner Oeffnung lagert. Vor demselben wurde geankert und mit einem Boote
in den Flufs hineingefahren. Er ist an der Mündung 1,2 bis 1,8m tief, ver-
facht sich, Inseln bildend, aber schon in 2 Sm Entfernung von der Mündung
auf 0,3 bis 0,5m, so dafs das Boot nicht weiter vordringen konnte, während
die Breite bis auf 60—70 m abnimmt. Die durchweg hohen Ufer des Flusses
sind durch Alluvionen auf Korallenboden aus verwittertem vulkanischem Gestein
gebildet, das als Geröll die Sohle des Flusses bedeckt. Das Ufer war beim
Endpunkte der Fahrt ca 20m hoch. Ueber das linke Ufer hinweg wurde
800 Schritt vom Haupiflusse ein tief eingeschnittener Nebenflufs gesehen.
Die Bucht vor dem Flusse bietet beim Nordwest-Monsun einen guten
Ankerplatz, auch während des Südost-Passates kann man, wenn derselbe nicht
aufsergewöhnlich stark auftritt, was selten der Fall ist, hier unbedenklich ankern.
Ungefähr 100 Schritt nördlich der Mündung liegt das aus 25 Hütten bestehende
Dorf Tumumaran,
Der Flufs wurde von den Eingeborenen Ama genannt.
Norwestlich des mehrspitzigen Kaps Croisilles bildet die Küste einige
Buchten. In der ersten liegt eine kleine Insel, die von 10m Wasser umgeben
and durch ein Riff mit dem Boden der.Bai verbunden wird. Die Passage über
dasselbe, welche die „Ottilie“ nahm, ist nur eng und gröfseren Schiffen nicht
53 D. Adm.-Karte No. 95.