Zur Küstenbeschreibung von Kaiser Wilhelms-Land.
Streifen gelegene Ebene macht einen sehr fruchtbaren Eindruck. Von den
Bächen heißt der eine Jakai, der andere Bring.
Vor der folgenden Huk war das Wasser ziemlich weit nach See hin
entfärbt; da jedoch mit 27m Leine kein Grund gelothet wurde, so rührte die
Entfärbung wohl von dem Wasser der Küstenbäche her.
Weiter nach Westen, in der Mitte der folgenden, sehr langen und nicht
sehr tiefen Bucht, werden hinter einander einige Gebirgszüge sichtbar, die sich
gegen einander so verschieben, dafs ein in das Innere führendes Thal sichtbar
wird. Die Vorberge beginnen hier mehr Wald zu tragen, und das Hauptgebirge
ist .ganz bewaldet, die Rücken haben ‚plateauartiges Aussehen ohne Spitzen.
Die weiter östlich parallel der Küste gehende Richtung des Gebirgszuges ändert
sich derart, dafs die Züge im spitzen Winkel allmählich sich der Küste nähern
und in Kaps auslaufen. Mehrfach stürzen sich Bergflüsse in mächtigen Kaskaden
von dem Hauptgebirge in die Tiefe und vereinigen sich vermuthlich in einem
steinerfüllten Flufsbett, das noch östlich der folgenden Huk sichtbar wird,
welches jedoch nicht schiffbar ist.
Ein kürzerer, aber hoher Bergrücken tritt nahe an den Boden der folgen-
den sehr langen Bucht und läuft in die folgende Spitze aus. Oestlich derselben
wird wieder ein breites, zum Theil mit hellem Grase bestandenes Bett eines
Gebirgsflusses sichtbar. Die Fahrt der „Ölttilie“ an dieser Küste wurde be-
gleitet durch eine Reihe von Rauchsäulen, durch welche sie von Stamm zu
Stamm signalisirt zu werden schien. Nach Ort und Anzahl der Feuer zu
schliefsen, ist die Küste bis hoch in die Berge hinein bewohnt und ziemlich
bevölkert.
Kap Rigny, der nächste Auslänfer des Gebirges, ist ebenso wie die
vorigen Spitzen dicht bewaldet, aber erheblich höher als diese. Hinter dem-
selben werden die Spitzen der hohen Gebirge sichtbar, welche den Hintergrund
der Astrolabe-Bai nach Süden bilden und. allmählich in vielgebrochener Linie
zu der grofsen Ebene südwestlich von Friedrich Wilhelms-Hafen abfallen,
Zwischen Kap Rigny und der Spitze Novosilsky liegen noch zwei Huks,
während die Brit. Adm.-Karte nur eine aufweist. Bald hinter Kap Rigny beginnt
ausgedehntes ziemlich ebenes Vorland, da das Hauptgebirge hier weit zurück-
tritt und die Vorberge fast ganz fehlen. Es folgt bald das breite mit Gras
bestandene Flufßsbett bei der Bergmann-Spitze und dann ein noch breiteres
westlich dieser Spitze, worauf die geschlossene Mündung des Flusses Gabina
sichtbar wird.
Westlich der Spitze Novosilsky ergiefst sich gelbgrünes Wasser aus einer
Flufsmündung, welche weder der Lage noch der Gröfse des Flusses nach dem
kleinen Bache entspricht, der in der Karte bei Gumbwu eingezeichnet ist.
Von Konstantin-Hafen westlich fangen die Vorberge wieder an, bis nahe
an die Küste zu treten.
Von letzterem Hafen unternahm der Landeshauptmann eine Exkursion
nach den südlich und westlich gelegenen Dörfern Correndu und Bongu. Die-
selben bestehen aus ungefähr 100.gut erhaltenen Häusern, zeichnen sich durch
grofßse Sauberkeit aus .und sind die schönsten bisher gesehenen Dörfer in
Kaiser Wilhelms-Land,.
Die bis an das Ufer tretenden Berge schließen westlich vom Konstantin-
Hafen mit dem ca 200 m hohen Konstantin-Berge ab. Hier beginnt eine grofse
Ebene, Astrolabe-Ebene genannt, welche die Küste bis zu 4° 20‘ S-Br be-
gleitet, um dort in die grofse Augustaflufs-Ebene überzugehen, und in
welche sich nur einzelne Ausläufer des Hauptgebirges hinein erstrecken,
W'/AN von Konstantin-Hafen wurden !/z Sm: von der Küste 11 und 13m
Wasser gelothet. Das in der Admiralitäts-Karte eingetragene Riff läge hier-
nach ungefähr bei der nächstfolgenden Huk und erstreckte sich viel weiter nach
See heraus. Hier liegt auch das Dorf Male und nicht bei dem 2 Sm weiter
nördlich gelegenen Male Point. Die Flüsse an dieser Küstenstrecke, auch der
südlich der Spitze Male mündende, sind unbedeutend und ihre Mündungen durch
Barren versperrt. Auf diese Spitze folgt ebenes, sich mehrere Meilen einwärts
arstreckendes Land, welches bis zur Spitze Koptif unbewohnt ist. Bei letzterer
and weiter nördlich wurde %/4 Sm vom Strande Ankergraund in 25 bis 31m
Wasser gefunden und von der „Öttilie“ auch als solcher benutzt. In geringer
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