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Zur Küstenb eschreibung von Kaiser Wilhelms-Land.
Nach Verlassen dieser Bucht lief die „Samoa“ auf die Straggling-Inseln
zu, ohne die drei folgenden passirten Buchten der Küste bis Kap Longuerue
zu untersuchen.
Zwischen den Inseln und dem letztgenannten Kap passirend, wurde ein
Streifen braunen Wassers gesehen, der von einem gröfseren Flusse herrühren
mufste, der bis in die Deaf Adder-Bai hineinging und diese ausfüllte.
Südlich von Kap Longuerue resp. jenseits der Deaf Adder-Bai hatte sich,
an einen Hügel anlehnend, wieder eine Ecke von Alluvial-Land gebildet als
Fortsetzung eines weit in das Land gehenden Längsthales. Auf eine etwas
ungleich schattirte Stelle der südlichen Seite dieser Kcke zuhaltend, fand sich
bald die 200 m breite Mündung eines gröfseren Flusses, der aber von ziemlich
starker Brandung geschlossen war. Nach Passiren der Mündung wurde südlich
derselben, 1 Kabllig. vom Ufer, in 25'% m Wasser geankert und per Boot
glücklich die Brandung passirt und in den Flufs gefahren. Derselbe ist 2,3 bis
5,5 m, meist 2,7 m tief; vor der Mündung konnte der Brandung wegen nicht
gelothet werden, doch glaubt Freiherr von Schleinitz, dafs die Tiefe hier
nicht unter 3,6 m (2 Fad.) beträgt. Die geringste Brandung steht auf %/4 der
Breite der Mündung nach Norden, welche Stelle zum Passiren gewählt wurde,
Infolge der vorgerückten Tageszeit und heftigen Regens konnte nur etwa
1’/4 Sm gegen den 3 bis 4 Kn laufenden Strom aufwärts gerudert werden. Das
Fahrwasser scheint ziemlich gleichmäfsige Tiefen zu besitzen, während es sich
bei einer scharfen Biegung auf ca 20m verengt, später aber wieder bis 50m
breit wird. Die Ufer sind mit Bäumen, meist Cedern und Sagopalmen,
bestanden.
Von hier kehrte die „Samoa“ direkt nach Finsch-Hafen zurück.
Die zweite Rekognoscirungsfahrt, welche auf dem Dampfer „Ottilie“
vom 1. bis 19. November unternommen wurde, erstreckte sich auf die Küste
von Kap Fortification bis zum Kap della Torre oder bis zur Mündung des Kaiserin
Augusta-Flusses.
Südlich von erstgenanntem Kap wurde ein Flufs gesehen, dessen ca 20m
breite Mündung durch eine brandende Barre verschlossen war, so dafs die
Dampfbarkasse nicht in dieselbe einlaufen konnte.
Einige Hundert Meter südwärts der Mündung befand sich eine durch
Felsen vor der Brandung geschützte Anlegestelle, an der gelandet werden
konnte, und wo die versandete Mündung eines kleinen Baches, Uengo, lag,
während der Fluß von den hinzukommenden KEingeborenen Bupollum ge-
nannt wurde.
Die Küste östlich von der Spitze Iris erhebt sich zu einem massigen,
parallel mit ihr ziehenden, ziemlich gleich hohen, aber mit mehreren kleineren
Spitzen gekrönten Hauptgebirgszug, dem halb so hohe, in gleicher Richtung
ziehende Vorberge von ebenso massigem Aussehen vorgelagert sind. An der
Küste und auf der Höhe herrscht eine dichte Baumvegetation, während sie auf
mittlerer Höhe nur gering ist und die Vorberge vielfach fast ganz mit Gras
bekleidet sind.
Die Küste bildet hier einige in der Karte nicht wiedergegebene Buchten,
in deren eine die „Ottilie“ einlief, Dieselbe ist von Ost nach West geschützt
and nur nach Nord offen; auf der östlichen Spitze liegt ein grofses Dorf, und
ein Flufs mündet im Grunde derselben. In einer Entfernung von 100m vom
Strande wurde mit 36m Leine noch kein Grund gefunden.
Die folgende, sehr lange Bucht, die Pommern-Bucht, ist an ihrer Ost-
seite mit einem Barrierriffe eingefaflst, hinter welchem kleine Fahrzeuge an
ainzelnen Stellen vielleicht ankern können. Im Grunde der Bucht sind zwei
Bäche mit versandeter Mündung. Vor denselben ging die „Öttilie“ in 33m
Wassertiefe, 2 Kabllg. vom Lande, zu Anker, Man liegt hier beim Südost-
Passat gut geschützt, da die Bucht nur von NW!/AW bis NOzO offen ist.
Destlich des Ankerplatzes befanden sich grofse Dörfer, welche nebst ihren
Plantagen eingezäunt waren; das nächste Dorf Massei bestand aus ungefähr
25 Häusern. Die zahlreich erscheinenden chokoladefarbenen Eingeborenen haben
offene freie Gesichter, etwas an den Indianertypus erinnernd, und betrugen sich
freundlich und friedlich. Die vor den Küstenhügeln in etwa 1km breitem