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Zur Küstenbeschreibung von Kaiser Wilhelms-Land.
der nördlichen Gruppe nur für kleine Fahrzeuge zu benutzen ist, während die
Einfahrt in die südliche Gruppe Schiffe jeder Gröfse, auch Segolschiffe, bequem
passiren können. Durch den südlichen Eingang einlaufend, fand die „Samoa“
einen geräumigen und gegen Seegang völlig geschlossenen Hafen, der auf der
Westseite vom Festlande, an der Ostseite durch die Insel Natura oder Nubaling
(bedeutet „lange Insel“) und an der Südseite von den südlichsten Inseln der
Gruppe begrenzt wird und Dreger-Hafen genannt wurde. Vom inneren Hafen
yesehen, lassen die letzteren Inseln keinen Zwischenraum zwischen sich offen,
indem das dort befindliche Fahrwasser derart im Bogen geht, dafs die Inseln,
zwischen welchen man passirt ist, sich bei der Weiterfahrt schließen. Nur
nach Norden ist der Hafen auf eine Strecke von 350m offen, jedoch gegen
Seegang durch ein vorliegendes Riff geschützt. Die Ankertiefe beträgt 22 bis
36 m, und bietet der Hafen ungefähr 1/2 Mal so viel Ankerraum, wie der innere
Finsch-Hafen. Das Land der nächsten Umgebung besteht aus ziemlich ebenem
niedrigem Korallenkalkboden; das Terrain steigt allmählich zu dem — so weit
erkennbar — einzigen hier vorhandenen Bergzuge Lugaueng an; der letztere
bildet ein einigermafsen ausgedehntes Plateau, indem sein Rücken sich von ver-
schiedenen Seiten in gleicher tafelförmiger Gestalt darstellte. In den Hafen
mündet der Bach Bubarum, der süfses Wasser liefert.
Die Einfahrt zu dem nördlichen Hafen, dem Schneider-Hafen, hat nach
den Untersuchungen des Kapt. Sechstroh einen schmalen Durchlafs dicht bei
einem, Siana genannten, Felsen mit 5'/z m Wassertiefe; der Hafen selbst ist
im Uebrigen ebenso gut wie der Dreger-Hafen.
Gleich südwestlich des Dreger-Hafens bildet die Küste eine Einbuchtung,
in welche zur Untersuchung des dort mündenden Flusses Bugaim per Boot
hineingefahren wurde. Der Flufs ist nur ca 10 m breit und ergiefst sein Wasser
durch eine Barre von Sand und Geröll; seine Strömung ist schwach, und sein
Geröll besteht fast ausschliefslich aus Kalk.
Von hier wurden die Tamti-Inseln angelaufen zur Aufsuchung und Fest-
stellung eines dort von Hauptmann Dreger auf seiner erwähnten Fahrt passirten
Riffes, das nicht ganz ungefährlich für die Schiffahrt ist.
Die Tami-Inseln, theils fache, theils hohe Korallenkalkstein-Inseln, be-
stehen aus einer Gruppe von vier Inseln und zwei Felsen und sind von einer
industriellen Bevölkerung bewohnt, die von Fischfang uud Fertigung von Haus-
geräthen lebt und wenig eigenen Ackerbau treibt; sie besitzen sehr grofse und
Solid gebaute Segelkanoes und erfreuen sich eines relativ erheblichen Wohl-
standes,
Von dem Tamzi-Riffe hielt die „Samoa“ auf False-I. zu, erhielt aber bei
der Annäherung, als es schon dunkel geworden war, flaches Wasser und hielt
wieder von Land ab und in den Hwuon-Golf hinein, an der Nordseite desselben
entlang auf die innere Ecke zu.
Noch bevor Land in Sicht kam, wurde viel Treibholz passirt, das cinen
gröfseren Flufs in der Nähe vermuthen ließ. Im Nordwesten wurde flaches
Land gesehen und darin eine Lücke, die von einem Flufsthal gebildet schien.
Bis 200 m seitwärts der Mündung herandampfend, wurde mit 30m Leine kein
Grund gelothet. Der ca 200m breite Flufs, welcher in der Britischen Ad-
niralitäts-Karte eingezeichnet, aber nicht benannt ist, erhielt die Bezeichnung
Adler-Flufs. Vor der Mündung hatte sich eine 2—3 m über dem Wasserspiegel
gelegene Steingeröllbarre gebildet, die an einer Stelle auf 6— 10m vom Flusse
durchbrochen war. Aus der Oeffnung ergofs sich ein heftiger Strom gıünlichen
Wassers, gegen welchen das zur Untersuchung entsendete Boot nicht ankommen
konnte; in dem Stromdurchbruch stand hohe Kabbelung. Es wurde seitwärts
von der Mündung gelandet und das rechte Flufsufer nur eine kurze Strecke
verfolgt, da das Dickicht ein weiteres Vordringen verhinderte. Die „Samoa“
ging noch näher an die Mündung heran, bis in die Stromkabbelung, und fand
dort, ca 60—70 m von der Barre, 18—24 m Wassertiefe.
Da nach dem Berichte des Kapt. Moresby vor dem Markham-Flusse
eine Barre liegen soll, welche ein Passiren der Boote verhinderte, so wurde
unter der Vermuthung, dafs diese Barre an der Südseite lagere und an der
Nordseite wenigstens für Boote passirbar sei, die Flofsmündung von Nordosten,
dicht unter Land gehend, anvyesteuert, und gelang es auch, unmittelbar vor die