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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Ueber Gewitter und Gewitterbeobachtungen. 
Sommer 1884 und 1885, diese Wolkenform noch öfters wahrgenommen. Manche 
interessante Beobachtung ist durch eine neuerliche Diskussion des Gegenstandes 
in der „Science“ an das Licht getreten.!) Alle Beobachter stimmen darin über- 
ein, dafs die festoon-celouds immer nur vor schweren Unwettern auftreten. 
Allen in Hartford (Conn.) sah im August 1884 die festoon-clouds wie „curtains“ 
von heller Farbe vor der schweren Wetterwolke niederhängen. Sie schienen 
bald nur noch ca 100 engl. Fuß über dem Wasser des Vineyard Sound zu 
schweben. Ein starkes Gewitter folgte dann. 
Farbe der Gewitterwolken. Selten unterläßt es ein Gewitter- 
beobachter, auffallende Färbungen der Wolken besonders vor Ausbruch des 
Gewitters zu schildern. Die Färbung der schweren Cumulus- und Cumulostratus- 
massen ist gewöhnlich eine grauschwarze (wohl nie völlig schwarz), bisweilen 
mit bläulichem, violettem oder grünlichem Farbenton. Grünliche Färbung ganzer 
Wolkenmassen habe ich bei den sehr heftigen Gewittern am See von Lugano 
zu Ende August 1883 deutlich wahrgenommen, nicht nur die Ränder, sondern 
die ganze Fläche der Wolken zeigte diesen Ton. Man sei in der Wahl der 
Farbenbezeichnungen für das Gesehene so sorgfältig als möglich und suche, 
wenn möglich, durch sofortige Heranziehung mehrerer Beobachter subjektive 
Fehlerquellen auszuschliefsen. Namentlich mufs auch festgestellt werden, ob 
wahrgenommene auffällige Färbungen von dem etwa durch versteckte Wolken- 
lücken einfallenden Sonnenlichte herrühren können oder in die Kategorie der 
sogenannten leuchtenden Wolken (s. später) gehören. Am häufigsten wird dem 
Wolkenvorhange eine besondere, meist weifse, gelbliche, selten röthliche Färbung 
zugeschrieben, mehrere Beispiele wurden schon mitgetheilt. Bisweilen zeigen 
die Ränder der meisten deutlich unterscheidbaren Wolkenmassen während eines 
Gewitters oft recht grell weifßse Farben, man sieht darin hier und da eine Hin- 
deutung auf schweren Hagel, eine Ansicht, die nicht immer zutrifft, 
Ueber die bei Gewittern eintretende Dunkelheit wären genaue Beobach- 
tungen an Stelle der häufig übertreibenden Schilderungen sehr erwünscht. Diese 
können entweder dadurch gegeben werden, dafs genau angemerkt wird, in 
welcher Entfernung bestimmte Objekte (Häuser, Bäume, entfernte Berge) bei 
voller Tageshelle und in welcher sie während des Gewitters noch zu erkennen 
sind, Dabei wird allerdings vorausgesetzt, dafs der Beobachter bei der ver- 
schiedensten Himmelsbeleuchtung die Sichtbarkeit bestimmter, in ihrer Ent- 
fernung genau bekannter Objekte geprüft hat. Es ist auch zu beachten, ob 
die Auslöschung entfernter Objekte durch die allgemeine Verdunkelung des 
Himmels oder durch aufgewirbelte Staubmassen erfolgt ist. Beide Möglich- 
keiten werden häufig nicht genau auseinander gehalten, Höchst anschaulich 
hat Assmann die Staubmasse, welche bei dem Hauptstofse des 9. August 1881 
aufgewirbelt wurde, geschildert.?) Ein anderer Fall konnte ebenfalls auf der 
Magdeburger Wetterwarte am 13. Mai 1884 beobachtet werden.) Assmann 
sah an jenem Tage, wie sich eine dunkelbraune Wolke mit grofser Geschwindig- 
keit näherte; „es war eine ungeheure Staubwolke, welche mit meilenlanger 
Front heranstürmte, an-ihrem vorderen Rande absolut scharf begrenzt“. Selbst 
nur 20 m entfernte Gegenstände wurden unsichtbar. 
Andererseits kann man angeben, welche Schriftgröfse bei Eintritt der 
gröfsten Dunkelheit noch mühelos zu erkennen war, Man wird sich meist über- 
zeugen, dafs die Abnahme des Tageslichtes nicht so erheblich ist, als der erste 
Eindruck erwarten lief. Je später nach dem Ende des ganzen Phänomens 
der Bericht aufgezeichnet wird, desto mehr unwillkürliche Uebertreibungen der 
plötzlich eingetretenen Dunkelheit u. s. w. laufen unter. Es ist auch gut, Ver- 
gleiche zwischen der durch die Gewitterwolke veranlafsten Dunkelheit und 
einem bestimmten Grade der Dämmerung bei unbewölktem Himmel anzustellen 
und etwa zu berichten: Die stärkste Dunkelheit während des Heranziehens des 
Gewitters war gleich der Dämmerung bei unbewölktem Himmel, x Minuten nach 
Untergang der Sonne. Längere Versuche und sorgfältige Beachtung des Grades 
1) „Science“, Bd. 7, No. 154 S. 57, No. 156 S. 100, No. 158 S. 144. In der ersten Notiz 
viele werthvolle Literaturangaben. 
2) „Ann. d. Hydr. etc.“, Bd. 10, 1882, S. 602 
3) „Das Wetter“, Bd, 1, 1884, S. 21,
	        
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