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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Ueber Gewitter und Gewitterbeobachtungen. 
Weber durch ganz ungemeine Gefährlichkeit der Gewitter auszuzeichnen;!) es 
wäre zu untersuchen, ob diese Erscheinung etwa mit den vom ausgedehnten 
Westfälisch-Rheinisch-Belgischen Industriebezirke gelieferten Rauchmassen, die 
vom vorherrschenden West- und Südwestwinde weit verbreitet werden können, 
in Beziehung steht. Auch der Rauch des Moorbrennens verdient hinsichtlich 
seiner Beziehungen zum Auftreten und zur Heftigkeit der Gewitter eine ein- 
gehende Untersuchung. Fehlen, wie man behauptet hat, die Gewitter während 
des Moorrauches, oder sind vielleicht besonders schwere während einer Moor- 
rauchperiode wahrgenommen worden? Prestel leugnet?) die Einwirkung des 
Moorrauches auf die Gewitter, Guthe meint gerade, der Moorrauch lasse die 
Gewitterbildung nicht zu,®) dagegen fällt z. B. in einem Berichte aus Trier die 
grofee Zahl der Gewitter auf, welche in der Moorrauchperiode des Jahres 1826 
aufstiegen.*‘) Nur neue genauere Beobachtungen können hier entscheiden. 
Ich will noch bemerken, dafs der Dunst, welcher seit dem Jahre 1883 
die höchsten Schichten der Atmosphäre erfüllt,°) und dessen Ursprung trotz der 
Krakatau-Hypothese auch noch nicht ermittelt ist, mit dem des Jahres 1783 
gar keine Aehnlichkeit besitzt, da ausdrücklich bezeugt wird, 1783 habe es sich 
gerade um einen andauernden nebeligen Zustand der unteren Luftschichten 
gehandelt. Demzufolge ist auch eine Beziehung zwischen dem jetzt bemerkbaren 
Staubnebel und dem Vorkommen der Gewitter sehr wenig wahrscheinlich, da 
die Gewitter in viel tieferen Schichten sich abspielen. Immerhin bitte ich, bei 
etwaiger Fortdauer des ringerzeugenden Nebels auch hierüber Beobachtungen 
anzustellen.) 
Viel häufiger ist aber der zweite der oben angedeuteten Fälle: das Ge- 
witter beendigt eine längere oder kürzere Periode vorherrschend heiteren Wetters, 
und die Annäherung und das Aufsteigen der Gewitterwolken kann unmittelbar 
beobachtet werden. Dafs sich bei sonst heiterem Himmel eine Gowitterwolke 
gerade im Gesichtskreise des Beobachters und in bedeutender Höhe über 
dem Horizonte zusammenzieht und von hier ihren Weiterzug erst antritt, 
wird in der Ebene nur sehr selten zu beobachten sein; kann man sichere Wahr- 
nehmungen dieser Art machen, ist ihr Werth besonders grofs. Häufiger ist 
diese Erscheinung in Gebirgen,‘) Im südlichen Schwarzwald und am Nordrande 
der Alpen habe ich mehrmals kleine ganz harmlos aussehende Cumuli in be- 
deutender Höhe über dem Horizonte sich allmählich, wie von innen heraus, 
vergröfsern und dabei dunkler werden sehen. Benachbarte ähnliche Wolken 
haben dann die Tendenz, sich mit der gröfseren zu vereinigen. Nach einiger 
Zeit beginnt leichter Donner, und ein gewöhnlich mäfsiges und rasch vorüber- 
gehendes Gewitter kommt zum Ausbruch. Ich habe dann gesehen, dafs die 
Gewitterwolke nirgends den Horizont erreichte; die Entladungen wurden all- 
mählich wieder schwächer, und die Wolke zertheilte sich zuletzt, Dies ist ein 
Beispiel eines ganz lokalen Gewitters, wie sie gern kurz nach der heifsesten 
Zeit des Tages in den Gebirgen auftreten. In der Regel aber ist das Gewitter 
schon jenseits des Gesichtskreises des Beobachters entstanden, der heitere 
Himmel trübt sich allmählich vom Horizonte aus, und einige ganz charakteristische, 
erst in den letzten Jahren recht erkannte und gewürdigte Wolkenformen können 
nun beobachtet und sollten möglichst oft gezeichnet werden. 
Das untrennbarste Attribut eines heraufziehenden Gewitters ist, wie 
Assmann sehr richtig bemerkt hat,®) zunächst der Cirrusschirm, welcher Jedem 
‘i) Häpke, „Beiträge zur Physiographie der Gewitter“, Bremen 1881, a. v. St. — L. Weber, 
„Berichte über Blitzschläge in der Provinz Schleswig-Holstein“. Erste bis vierte Folge. Kiel 1885, 
Noch mehrfach zu citirendes wichtiges Werk. 
2) Prestel, „Ueber das Moorbrennen in Ostfriesland“. Göttingen 1868. 5S. 22. Ebenso 
Häpke, S. 12. 
) Guthe, „Die Lande Braunschweig und Hannover“. Hannover 1867. S. 69. 
) Prestel, a. a. O0. S. 24. 
5) Noch am 23. Mai 1886 nahm ich den Bishop’schen Sonnenring in der klaren Luft der 
Dapornschen Haide bei Königsberg ganz deutlich wahr. 
6) Jetzt im November 1886 ist der Ring nur noch selten zu bemerken, völlig verschwunden 
ist er aber noch nicht. 
7) Vgl. von Helmholtz in den Verhandlungen der Berliner physikalischen Gesellschaft, 
1886, No. 13, S. 96. 
8) „Die Gewitter in Mitteldeutschland“. Halle 1885. SS, 28.
	        
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