Tamarindo und Corinto an der Pacifischen Küste von Central-Amerika. 145
Bemerkungen über Tamarindo und Corinto an der Pacifischen
Küste von Central-Amerika,
Von Kapt. Dabbert, Führer des Deutschen Schiffes „Malvina“,
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
Am 4. Mai 1886 trafen wir nach einer langen Reise von 64 Tagen von
Melbourne in Corinto ein. Meiner Charter zufolge hatte ich noch einen zweiten
Platz in Nicaragua zu besegeln, und ich erfuhr von meinem Ablader, dafs ich
meine ganze Ladung Gelbholz in Tamarindo einzunehmen haben würde. Nach-
dem ich alle Zollformalitäten durchgegangen und selbst der Steinballast einer
mehrmaligen genauen Durchforschung unterzogen worden war, lichteten wir, mit
zwei Zollbeamten an Bord, die aufser der Beköstigung monatlich jeder 40 Doll.
erhielten, und einem Küstenlotsen versehen, am 10, Mai um 4 Uhr Morgens den
Anker, Erst um Mittag befand sich das Schiff aufserhalb der Einfahrt von
Corinto; trotzdem erreichten wir noch am Abende Tamarindo, wo wir auf einer
Wassertiefe von 14m (8 Fad.) ankerten. Von dem Kommandanten in Corinto,
der auch zugleich Hafenmeister daselbst ist, hatte ich die Erlaubrifs. erhalten,
den Ballast über Bord werfen zu dürfen, wenn möglich an verschiedenen Stellen,
Es wurde mir zur Pflicht gemacht, den Zollbeamten beim Abfangen von
Schmuggelbooten mit den Schiffsbooten und der Mannschaft behülflich zu sein,
bei Vermeidung einer Strafe und auf die Gefahr hin, selbst als Schmuggler
betrachtet zu werden. Ich habe infolge dieser sonderbaren Verpflichtung später
viele Unannehmlichkeiten mit der Zollbehörde gehabt, weil der Schmuggel,
namentlich mit Tabak, der von San Salvador kommt, in Tamarindo stark be-
trieben wird. Beim Kommandanten in Corinto angeklagt, konnte ich jedoch
den Beweis liefern, dafs ich meine Pflicht gethan hatte und es nur durch die
Unkenntnifs der Zollbeamten in Betreff des Fahrwassers den Schmugglern eor-
möglicht wurde, zu entwischen. Die Unterbrechung, welche durch die Verfolgung
von Schmugglern im Laden entsteht, ist mitunter recht störend und nicht ohne
Gefahr für die Mannschaft,
Am Morgen nach unserer Ankunft verliefs ich mit meinem Lotsen um
8 Uhr das Schiff, um mich mit dem Agenten meines Verladers in Verbindung
zu setzen, der in dem Orte Tamarindo, 6—7 Sm den Flufs aufwärts, wohnte,
von welchem Orte aus auch alles Holz verschifft wird. Von der Rhede aus ist
die Mündung des Flusses nicht zu erkennen. Vor derselben und ungefähr
parallel mit der Küste laufend, liegen Sandbänke und zwischen diesen drei
Gruppen von Klippen. Die beiden Durchfahrten erkennt man erst in nächster
Nähe. Die Haupteinfahrt ist zwischen der südlichsten Gruppe und dem Fest-
lande. Dieselbe hat eine genügende Wassertiefe, um bei gehöriger Vorsicht
und Kenntnifs des Fahrwassers, wenn die Dünung nicht zu hoch ist, auch bei
Niedrigwasser ohne Gefahr mit dem Schiffsboote passirt werden zu können.
Die zweite Einfahrt ist zwischen den nördlichen und mittleren Untiefen, Durch
diese wird der Weg bis zur Flufemündung um ein Bedeutendes kürzer, allein
die Wassertiefe in derselben ist eine so geringe, dafs nur bei Hochwasser und
ganz rubiger See für Einen, der mit vollständiger Ortskenntnifs versehen, eine
Durchfahrt ausführbar ist. Innerhalb der Sandbänke ist verhältnilsmäfsig ruhiges
Wasser. Hat man die eine oder die andere der beiden Passagen passirt, so
steuert man zwischen den Bänken und der Küste nordwärts bis zur Mündung
des Flusses. Letzterer verfolgt anfangs eine gerade Richtung, macht dann aber
sehr viele Krümmungen und nimmt mehrere Nebenflüsse auf, so dafs es für
einen Unkundigen unmöglich ist, den aus einigen Hütten bestehenden Ort
Tamarindo aufzufinden. Die Fluth reicht bis Tamarindo; weiter aufwärts ist
der Flufs nicht mit dem kleinsten Boote zu befahren. Auf der Strecke von
der Mündung bis Tamarindo kommen mehrere seichte Stellen im Flusse vor,
die bei Niedrigwasser nur 2 Fufs Wasser haben. Die Verhältnisse entsprechen
demnach durchaus nicht den Angaben im „North Pacific Pilot“ von James
F. Imray, London 1881, Band I, Seite 56, der zufolge Schiffe mit einem Tief-
gange von 6m (20 Fufs) den Flufs hinaufgehen können.‘) Wir erreichten erst
’j) Siehe auch diese Annalen 1886 Seite 441 ff.
Ann, d. Hydr. ete., 1887. Heft IV.