accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Reisebericht der Deutschen. Brigg „Nicolaus“. 
143 
südwestlicher Briese und schwerem Gewitter die dicken Gewitterwolken sich 
in der östlichen Kimm festsetzten und darauf Windstille eintrat, so konnte man 
nach kurzer Pause auf eine heftige Böe von Osten gefafst sein. Zuweilen hielt 
dieser Wind mehrere Stunden an, häufiger jedoch trat nach Verlauf einer 
Viertelstunde wieder Windstille oder leichter südwestlicher Wind ein. Be- 
merkenswerth war das plötzliche Herumspringen des Windes aus einer Richtung 
in die entgegengesetzte, nicht selten bei bedeutender Stärke, so dafs die kurze 
Windstille kaum 10 Minuten dauerte und eben hinreichte, um die Raaen herum- 
brassen zu können. Wir trafen, sobald in der angeführten Weise die Windstille 
sich eingestellt hatte, gleich Vorbereitungen für den zu erwartenden Ostwind. 
Auf den Luftdruck übten diese Böen keinen wahrnehmbaren Einflufs aus, 
Wie schon bemerkt, waren von 2° W-Lg an die südwestlichen Winde 
überwiegend; indefs waren dieselben nur flau. Der Aequatorialstrom setzte das 
Schiff täglich 10—12 Sm nach NW, so dafs wir am 28. Februar erst in 
0,2° W-Lg und wieder auf 1,5° N-Br standen. Am 8. März sichteten wir die 
Insel St. Thomas, welche stark in Dunst eingehüllt war, trotzdem das Wetter 
im Uebrigen klar zu sein schien, Durch Peilungen dieser und der Turtle Dove- 
Insel (Ziha das Rolas) stellten wir fest, dafs der Strom nach dem Lande setzte. 
Am 9. März kreuzten wir in Sicht der genannten Inseln, ebenfalls bei flauer 
südwestlicher Briese, wobei ich die Ueberzeugung gewann, dafs das „Südmachen“ 
an dieser Stelle keine leichte Aufgabe ist. 
Auf der Südseite der Insel St, Thomas macht sich besonders der Berg 
Cao Grande durch seine lange dünne flaschenähnliche Form und weil er über 
das ihn umgebende, immerhin schon hohe Land hervorragt, bemerkbar. Nord- 
östlich von diesem befindet sich der Berg Maria Fernandez, der einem Zucker- 
hut ähnlich sieht. 
Die Reise nahm auch in der folgenden Zeit einen sehr langsamen Ver- 
Jauf, infolge dessen wir am 17. März um 12 Uhr Mittags erst auf 2,9° S-Br 
und 9,6° O-Lg standen, wo ein südöstlicher Strom beobachtet wurde. Um 
3h p.m. an diesem Tage sahen wir die Esperite Hills im Osten per Kompafs 
eben über dem Horizont, etwa 18 Sm entfernt. Am 19. und 20. März kreuzten 
wir bei leichter südwestlicher Briese in Sicht der Afrikanischen Küste. Am 
erstgenannten Tage war das Mittagsbesteck in 4,2° S-Br und 11,2° O-Lg. 
Gleich nach Mittag trat Windstille ein, bei einer hohen südwestlichen Dünung, 
welche das Schiff, ohne Steuer, rasch der Küste zusetzte. Gegen Abend kam 
leichter SSW-Wind durch, mit dem wir nordwestlich von der Küste absegelten, 
Machten Anker und Kette zum eventuellen Gebrauch fertig. Schon um Mitter- 
nacht wurde es wieder windstill, und der Strom setzte auf die Küste zu, wobei 
die See jedoch ganz ruhig war. Um 1* a. m. den 21. März lotheten wir 27m 
(15 Fady) Tiefe, harter grauer Sand, worauf mit einem Wurfanker und einer 
Trosse geankert wurde, um den Strom zu stoppen, was auch gelang. Ich be- 
stimmte die Strömung auf diesem Ankerplatze, in 4,2°. S-Br und 11,3° O-Lg, 
zu 1'2—2 Kn nach mw. 0S0. Um 4" a. m. kam wieder eine leichte südwest- 
liche Briese durch, mit der wir, nachdem der Auker gelichtet- war, zunächst 
von der Küste abstanden und darauf in den folgenden Tagen unter den gewöhn- 
lichen Verhältnissen längs der Küste südwärts arbeiteten. Um 3'%4* p.m. am 
24. März passirten wir in einem Abstande von 1 Sm Point Padron. Als wir 
uns gegen 6* p.m. Sharks Point bis auf ungefähr 2 Kabllg. genähert hatten, 
trieb die Strömung das Schiff quer über den Flufs, welches trotz der frischen 
Briese manövrirunfähig war, Dieses dauerte so lange, bis das Schiff an der 
Nordseite auf flacheres Wasser gekommen war, woselbst es begann, einige 
Fahrt zu machen. Um 7*p. m, ankerten wir mit einem Anker und 72 m (40 Fad.) 
Kette auf 12,6 m (7 Fad.) Tiefe, French Point in mw. OzS, 7 Sm entfernt. Da 
kein Lotse herauskam, lichteten wir um 2* p.m. den 25. März den Anker und 
segelten ohne Lotsen flufsaufwärts, bis French Point 5 Sm entternt mw. SzW !/W 
peilte, woselbst wegen des Abflauens des Windes auf 13,5m (7'% Fad.) Wasser 
wieder geankert wurde, Wir beobachteten hier eine anhaltende Strömung von 
5—6 Kn nach NW. Am 26. März kam um 10% a. m. ein Lotse an Bord, unter 
dessen Führung wir um 5* p.m. die Rhede von Banana erreichten, woselbst 
das Schiff mit beiden Ankern vertäut wurde. Die Dauer der Reise von Liver- 
pool bis Point Padron war 63 Tage.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.