[36 Rekognoseirungsfahrt S. M. Knbt. „Hyäne“ an der Ostküste von Afrika.
Bäume und waren die Bänke mit Gras und Gesträuch bedeckt. Auf meine
Frage nach dem Wady Nogal wurde mir gesagt, dafs derselbe weiter nördlich
gelegen sei. Am 3. Öktober wurde eine Exkursion dorthin unternommen, Ich
brauchte zum Hinmarsch den ganzen Tag, da durch Vorbereitungen viel Zeit
verloren ging und ich während der Mitiagshitze zu einer zweistündigen Rast
beim Kolule gezwungen war; gegen 5* Abends erreichte ich den Wady Nogal,
der bedeutend breiter und wasserreicher wie der Kolule ist, im Uebrigen aber
denselben Charakter zeigt. Seine Mündung ist durch sehr hohe und breite
Sanddünen völlig abgeschlossen; ich habe nur einen ganz schmalen seichten
Wasserlauf sich hindurch winden sehen. Unmittelbar vor den Dünen bildet
der Flufß ein tiefes, brackiges Wasser enthaltendes Bassin, Ungefähr 500 Schritt
oberhalb fällt der Flufs aus einer mäßigen Höhe; das Wasser ist dort sehr
gut trinkbar. Ueber den Ursprung des Wady Nogal konute ich keine Augaben
erhalten. Die Nacht verbrachte ich am Ufer des Flusses und marschirte am
andern Morgen gleich nach Sonnenaufgang nach Ras al Khyle zurück, wo ich
um 1 Mittags wieder eintraf.
Ueber den Stamm und die Lebensverhältnisse der Eingeborenen dieser
Gegend wurde von denselben Folgendes in Erfahrung gebracht:
Die Bewohner gehören dem Myharten-Stamm an, der wieder in drei
Hauptstämme, M’Hamud-Stämme, zerfällt.
1. Stamm Osman M’Hamud, Sultan Osman in Allulekh, Wohnsitz an der
Nordküste, südlich bis Ras Mabber.
2. Stamm Esra M’Hamud, Sultan M’Hamud, Wohnsitz zwischen Ras
Mabber bis südlich zu Garadı
3. Stamm Omar M’Hamud, Sultan Aden, Wohnsitz von Garad bis
Ras Awath,
Der Ort Ras al Khyle und dessen Bevölkerung gehört dem Stamme
Esra M’Hamud an. Der Sultan M’Hamud befand sich im Iunern; der Stamm
soll wie auch die Uebrigen mehrere Tansend Mitglieder zählen, sein Gebiet
soll sich bis auf 15 Tagereisen von der Küste ins Innere erstrecken. In Ab-
wesenheit des Sultans waren die im Folgenden namentlich aufgeführten Leute
mit der Aufsicht und Leitung des Ortes betraut, die der übrigen Bevölkerung
des Platzes gegenüber in einem gewissen Vorgesetztenverhältnifs standen und
denen stets mit Achtung und Respekt begegnet wurde: Siad Hersi, Nor
Achmed, Sermenter Ali, Farrach Sermenter, Jama el Mhi, Nor
Hamud und Hadja Ali, letzterer Ulema, eine Art Priester,
Diese Leute gaben an, dafs ihr Stamm grofse Heerden im Innern besäfse
an Kameelen, Rindern, Schafen, Ziegen, Pferden und Eseln; als andere Landes-
produkte nannten sie Gummi, Elfenbein, Straufsenfedern, Aloe, Butter; aufßer-
dem werden an der Küste zahlreiche Haie gefangen, deren getrocknetes Fleisch
einen werthvollen Handelsartikel nach Zanzibar bildet.
Verbindungen über See mittelst Dhows haben sie nach Zanzibar, Bombay,
Maskat, Aden und den übrigen Plätzen der Somaliküste. Zum Eintausch ihrer
Waaren bringen die Dhows Reis, Zucker, ''hee und Bekleidungsstoffe. Der
Dhowverkehr ist der herrschenden Windverhältnisse wegen auf die Zeit der
Monsunwechsel im Oktober und April beschränkt.
Sämmtliche Leute sind strenggläubige Mohamedaner, doch gehen bei
ihnen die Frauen frei und unverhüllten Angesichts umher. Auf meine dies-
bezügliche Frage wurde mir erwidert, dafs sie nicht reich genug seien. um ihre
Frauen abschliefsen zu können,
Am 6. Morgens ging. das Kanonenboot unter Segel Anker auf, mit der
Absicht, nach Süden zu kreuzen, um beim Wechsel des Monsuns Obiat auf-
zusuchen. Dieser sollte hier nach Angabe der Eingeborenen Mitte Oktober
einsetzen.
Vom 6. bis in der Nacht vom 7. zum 8. Oktober blieb ich unter Segel,
OSO-Kurse steuernd, und liefs dann, als der Wind ganz unregelmäfsig und flau
wurde, Dampf machen, und steuerte mit SW-Kurs wieder auf die Küste zu.
Am 7. hatte ich des trüben Wetters wegen kein Besteck bekommen;
am 8. fand ich durch Observation, dafs mich der Strom bis auf 9° 25‘ N-Br
und 51° 19’ O-Lg, also in 48 Stunden 160 Sm in nordnordöstlicher Richtung
versetzt hatte. Ich fuhr trotzdem fort, auf die Küste zuzuhalten, weil ich