Rekognoscirungsfahrt S. M. Knbt. „Hyäne“ an der Ostküste von Afrika. 135
südwärts schon die Küste kannte, so hielt ich nordwärts, in der Hoffnung, dort
einen Ankerplatz zu finden. Ich lief deshalb, während des Tages mich dicht
an der Küste haltend und während der Nacht beigedreht liegend, bis Ras al Khyle,
wo ich am 1. Oktober Mittags um 1° auf 15m Wasser ankerte.
Am andern Morgen veränderte ich den Ankerplatz, so dafs ich auf 11m
Wasser ca 1 Sm vom Lande lag.
Die Küste wurde nordwärts von 5° 55‘ N-Br allmählich niedriger, blieb
aber ganz steil und zeigte sich kein Ankerplatz oder die Möglichkeit zu einer
Landung. Auf der Strecke zwischen 6° und 7° N-Br zeigte sich fruchtbares
niedriges Land, auf dem man bis weit ins Innere hinein Züge von Kameelen,
Rinder-, Schaf- und Ziegenheerden, menschliche Wohnungen und Menschen
erkennen konnte. Doch habe ich 'gröfsere zusammenhängende Ortschaften
nicht entdecken können. ;
Nördlich von 7° N-Br wird das Land hoch und felsig, und nimmt wieder
einen öden, steinigen Charakter an.
Stromversetzung vom 26. September bis 1. Oktober war innerhalb je
24 Stunden:
Breite Länge
25. Sept. 4° 480‘ N 149° 2,5
26. 5° 41,4‘ 48° 45,0
27. 5° 56,2“ 49° 8,5‘
28. 6° 2,5‘ 48° 51,2“
29. Ras al Khyle |
30. 6°422‘N 49° 120‘ O J
Strom
N45°E 14 Sm
NIE 8,
N7°E 185,
N 2° E 16
z
Negro-Bai ist ihren Umrissen nach richtig in der Karte verzeichnet. Die
güdlichste Spitze des Kaps wurde in Uebereinstimmung der Angabe der Segel-
direktion und Karten in 7° 43‘ N-Br gefunden,
Das Kanonenboot ankerte 6 Sm nördlich von Ras al Khyle in der Nähe
einer Niederlassung, welche die Eingeborenen auch Ras al Khyle nenuen. Der
Platz hat recht guten Ankergrund; obwohl eine ziemlich starke See stand und
der. SW-Wind noch heftig wehte, lag das Kanonenboot, zwar stark schlingernd,
doch ganz gut zu Anker. In der nordwestlichen Ecke der Bai sollen Schiffe
während des NE-Monsuns einen guten Ankerplatz finden.
Die erwähnte Niederlassung liegt am Strande unterhalb der steilabfallen-
den Hochebene und ist selbst mit guten Ferngläsern auch auf nur kurze Enuf-
fernung sehr schwer zu erkennen, ebenso sind auch die Mündungen der Flüsse
aufserordentlich schlecht erkennbar.
Bald nach dem Ankern kamen die Eingeborenen in einem zweckmäfsig
eingerichteten Brandungsboote an Bord und boten Schafe und Ziegen zum Ver-
kaufe an. Da aber ihre Forderungen zu hoch schienen, wies ich sie damit ab,
leistete jedoch ihrer Aufforderung zu einem Besuch an Land Folge,
Das Dorf besteht aus ungefähr 30 bis 40 Hütten, welche aus Baum-
stämmen, Bastmatten und Häuten hergestellt sind, und hat wohl 200 Einwohner.
Die Landung auf dem an dieser Stelle flach verlaufenden Strande mit einem
Brandungsboote ist leicht zu bewerkstelligen, während sonst fast überall die
Küste steil abfällt und nicht günstig für eine Landung. ist.
Die Leute führten mich vom Dorfe aus, als ich nach dem Flusse fragte,
nach einem Flusse, der ungefähr 3 Sm nördlich von der Niederlassung mündet
und den sie Kolule nennen.
Der Flufs fliefst in einem sehr tiefen Thale und war trotz der trockenen
Jahreszeit ziemlich wasserreich. Nach Angabe der Leute entspringt er ungefähr
drei bis vier Tagereisen im Innern. Seine Mündung ist durch eine breite Sand-
barre gesperrt. Der Flufslauf selbst ist, soweit ich sehen konnte, häufig durch
Felsblöcke und Sandbänke so unterbrochen, dafs er selbst für Boote nicht be-
fahrbar ist, obwohl er an einzelnen Stellen eine Tiefe bis zu 1,5m hatte. Nur
wenige hundert Schritte oberhalb der Barre war das Wasser sehr gut trinkbar.
Der Weg vom Dorfe führte über eine mit. Steingeröll bedeckte flache
Ebene, die nur sehr spärliche Vegetation zeigte. Im Flußthale dagegen wuchsen