Taifunbahnen bei Japan, nebst Winken zum Manövriren.’
beachte man, dafs die Wahrscheinlichkeit, in die Nähe der Bahn zu gerathen,
bei Süd-Kiushu am gröfsten ist. Wird gelenzt, dann so hoch westlich wie
möglich,
6 7) Bei SE- und Sfid - Winden an der Südküste wird man nicht zu lange
Kurs liegen, sondern bei Zeiten über Backbord beidrehen, wenn auch nur für
einige Stunden, um die absoluten Barometeränderungen zu erhalten.
d) Verläfst man die Westküste von Kiushu mit SW- oder WSW-Kurs,
so wird man bei NE-Wind möglichst hoch West liegen, bei 0st-Wind NW, bei
SE-Wind Nord.‘
C. Bei Reisen im Spätsommer und Herbst kann man höchst wahr-
scheinlich schnelle Taifune erwarten mit der Bahnrichtung Nordost (Nord—0O2zN).
aa) Bei Süd- oder SE-Wind und fallendem Barometer drehe man über
Backbord bei und bleibe beigedreht liegen, auch wenn die Windrichtung sich
nicht ändert. Der Dampfer suche noch möglichst Südost zu holen.
Schwankt der Wind um Ost herum, etwa ESE—NE, 80 peilt das Centrum
wahrscheinlich Süd bis SSW, und man befindet sich vor dem Centrum, nahe
bei der Bahn.
Bei 0st-Wind müssen die vorhergegangenen Beobachtungen entscheiden,
wie man verfährt; dreht man bei, dann wahrscheinlich am besten über Back-
bord; will man noch versuchen NW zu holen, so vergleiche man NE-Wind,
Fällt bei NE-Wind das Barometer erst langsam, und ist die Windstärke
noch nicht sehr hoch, so hole man noch möglichst viel West; bei hoher Wind-
stärke oder bei beschleunigtem Fall des Barometers drehe man über Steuerbord
bei. Der Dampfer suche NW zu holen, so lange es angeht. ;
Für Nord-Wind gilt dasselbe, wie für NE, wenn man SW statt West liest.
Der NW-Wind setzt oft mit besonderer Heftigkeit und steigendem Baro-
meter ein; beachtet man das unter NE und Nord Gesagte, so wird er Einen
nie über Backbord überraschen.
‚ West- und SW-Winde wird man erst nach dem Vorübergange des
Centrums bekommen; bei SW-Wind kann das Centrum NNO, selbst NO, peilen,
bb) Bei Reisen von West nach Ost, Süd nach Nord ist die Wahr-
scheinlichkeit, von einem Taifun eingeholt zu werden, sehr viel gröfser als die
Gefahr, in einen hineiuzulaufen. Der Theil des betrachteten Gebietes, wo
Letzteres vorkommen kann, ist das Meer bei Süd-Kiushu. Man wird also in
dieser Gegend während der ganzen Taifunzeit Ab und c mit Vortheil berück-
sichtigen. ;
Die Erklärung liegt darin, dafs bei einigen Taifunen des Spätsommers
und Herbstes der Scheitel der Bahn,!) wenn in der Läuge von Kiushuw oder
Shikoku, nur wenig unterhalb 30° N-Br liegt; bei den meisten fällt er weiter
südlich oder westlich, so dals man bei Japan nur mit dem nordöstlichen
Parabelast zu rechnen hat, nicht auch mit dem Scheitel und einem Theile des
NW gerichteten Astes, wie im Hochsomwer. ;
Die Reisen von Ost nach West, Nord nach Süd im Spätsommer und
Herbst sind überhaupt die gefährlichsten, weil Schiffs- und Taifun-Kurs nahezu
entgegengesetzt liegen, und grofse Geschwindigkeiten sich summiren. —
Zum Schlusse fassen wir die Hauptpunkte noch einmal kurz zusammen:
Die Taifune in der Nähe Japans sind ganz regelmäfsig verlaufende Er-
scheinungen. Ihre Bahnen bilden nach Osten offene Parabeln oder Theile der-
gelben. Der Scheitel liegt im Hochsommer in der Breite von Süd-Japan, im
Spätsommer und Herbst weiter südlich oder westlich. . In beiden Fällen sind
die Bahnrichtungen auf weniger als einen Halbkreis beschränkt; aufserdem ist
die Fortbewegung bei der. ersten Scheitellage eine langsame, bei der zweiten
pine schnelle, .
W Vgl. Annalen 1885, Seite 157, Figur.
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