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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

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Taifunbahnen bei Japan, nebst Winken zum Manörvriren. 
Taifunbahnen bei Japan, nebst Winken zum Manövriren. 
Von E, Knipping in Tokio. 
(Hierzu Tafel 8.) 
Die folgenden Bemerkungen stützen sich in der Hauptsache auf 19 Taifune, 
welche in den Jahren 1883—1886 in der Nähe der Japanischen Hauptinseln 
beobachtet und deren Bahnen den Wetterkarten des Kaiserlich Japanischen 
Observatormums in Tokio entnommen wurden. Da letztere in ununterbrochener 
Folge zu drei Terminen täglich veröffentlicht werden, stellen die Bahnen der 
Tafel die Resultate von vier lückenlosen Jahren vor. 
Unter Taifunen sind hier die gefährlichsten aller Japanischen Stürme 
verstanden, welche im Sommer und Herbste auftreten, ein scharf ausgeprägtes 
barometrisches Minimum aufweisen, mit Windstille oder leichten Winden inner- 
halb, Sturm aus allen Richtungen aufserhalb desselben, im bekannten Sinne der 
Drehung von rechts nach links. Die Tafel giebt nur die Bahnen der Taifune 
nach dieser Definition, nicht die etwaigen Fortsetzungen derselben, wenn sie in 
weniger gefährliche Depressionen ausgeartet sind. 
Die Gefahr wächst mit der Annäherung an das Centrum, denn hier 
ändert sich die Richtung des Sturmes am schnellsten, und hier droht eine sehr 
hohe verwirrte See. Wind und See in der Umgebung des Centrums stellen 
auch an die gröfsten stärksten Schiffe ganz aufsergewöhnliche Anstrengungen. 
Von Manövriren kann dort kaum die Rede sein, beim Dampfer so wenig wie 
beim Segler. Nur wer bei den ersten verdächtigen Anzeichen seine Lage gleich 
erkennt, dann aber auch seinen Kurs, wenn es sein mufs, ganz und gar aufser 
Rechnung läfst und dem gefährlichen Gegner seine ungetheilte Aufmerksamkeit 
widmet, hat Aussicht, seine Lage wesentlich zu verbessern. 
Ein Punkt ist besonders im Auge zu behalten, dafs der Richtungswinkel!) 
veränderlich ist und von seinem mittleren Werthe, 10 Strich etwa, nach beiden 
Seiten hin abweichen kann. Der Seemann weiß also nie so genau, wie man 
gewöhnlich anzunehmen geneigt ist, in welcher Richtung das Centrum liegt. 
Am auffallendsten tritt diese Unsicherheit in den aus einer vollständigen 
Beobachtungsreihe abgeleiteten Bahnen zu Tage, die als SO—-NW angegeben 
werden, während der Kurs zweifellos S—N oder gar SW—NO war. In anderen 
Fällen wird statt einer geraden eine stark gekrümmte Bahn gefunden. 
Die Täuschung über die Bahnrichtung wird eben durch die nicht beach- 
teten Aenderungen des Richtungswinkels verursacht. Durchschnittlich hat er 
seinen kleinsten Werth in der Nähe des Centrums. Während des Vorüber- 
zanges eines ganzen Taifuns nimmt er also erst ab bis zum Minimum, danach 
wieder zu.?) 
Die nun folgenden Bemerkungen gelten nur für die Japanischen Haupt- 
inseln mit einem Meeressaum von etwa 200 Sm, sie sind lokal; für die Chine- 
sische Küste®) gilt ein wichtiger Theil der Folgerungen bestimmt nicht. Die 
Südgrenze des hier betrachteten Gebietes fällt vermuthlich mit der Hauptachse 
der Japanischen Strömung zusammen. 
Die Vertheilung der 19 erwähnten Taifune nach Jahren ist folgende: 
1883: 5; 1884: 4; 1885: 5; 1886: 5. 
Taifune kommen in jedem Jahre bei Japan vor, durchschnittlich 5. 
Die Zusammenstellung nach Monaten ergiebt: 
für Juli August September Oktober 
1883 1 1 # 
1884 — 2 2 
1885 ? 1 1 
1886 — 1 3 
Summe 3 5 7 
* 
4) Der Winkel zwischen der Richtung, aus welcher der Wind weht, und derjenigen, in 
welcher das Centrum liegt. 
2) Ueber den Richtungswinkel enthalten Angaben diese Annalen 1880, Heft XI, „Der Prinz 
Adalbert-Taifun“, und 1881, Heft VIII, „Der grofse Oktober-Taifun“. 
3) Die Zeitschrift „Hansa“ für 1886, No. 5 ff., enthält sehr beachtenswerthe „Beiträge zu 
anserer Kenntnifs der Taifune“, in denen die Chinesische Küste besonders eingehend berücksichtigt 
wird. Die neueren Untersuchungen werden besprochen und Winke für die Praxis gegeben.
	        
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