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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Strombestimmungen und Temperaturmessungen im Atlantischen Ocean. 
Strombestimmungen. und. Temperaturmessungen 
im Atlantischen Ocean. 
Prinz Albert von Monaco, welcher im Jahre 1885 behufs Strom- 
bestimmungen durch Treihenlassen von schwimmenden Gegenständen mit seiner 
Yacht „L’Hirondelle“ eine Expedition auf dem Atlantischen Ocean in die Gegend 
der Azoren unternahm, über welche und deren Resultate in den vorjährigen 
Annalen Seite 40 und 460 berichtet worden ist, hat im Jahre 1886 seine Thätig- 
keit auf diesem Gebiete fortgesetzt. und etwas weiter nördlich, zwischen den 
Azoren und der Küste Frankreichs, zu gleichem, bezeichnetem Zwecke eine 
grofse Anzahl Schwimmer ausgesetzt, gleichzeitig den Temperaturmessungen des 
Wassers an der Oberfläche und in der Tiefe einige Aufmerksamkeit zuwendend. 
Auf einer 444 Sm langen Linie, welche fast genau auf den 20, Meridian 
westlicher Länge von Paris fällt, sind 510 starke, besonders gut verschlossene 
Flaschen über Bord gesetzt, deren jeder ein in einer Glasröhre ‚eingeschlossener 
Bogleitzettel mit Nummer (209—719) und einem in verschiedenen Sprachen ver- 
faßten, den Zweck der Flasche angebenden Text beigefügt war. Die Linie 
erstreckt sich von 42° 34‘ N-Br und 17° 16‘ W-Lg v. Greenw. bis 50° N-Br 
und 17° 16‘ W-Lg. Da die „L’Hirondelle“ durch unbeständigen Wind mehr- 
mals zu kreuzen gezwungen war, 80 ist die Linie in ihrer wirklichen ganzen 
Ausdehnung etwas länger, nämlich 510 Sın. Die Flaschen wurden so in 
Gruppen getheilt, dafs eine Abtheilung von 40 auf eine Strecke von 20 Sm 
ausgesetzt wurde, und zwischen den einzelnen Gruppen derselbe Zwischenraum 
von 20 Sm blieb. 
. Von den Flaschen sind bis jetzt. 9 wiedergefunden, 4 an der Nordwest- 
küste Portugals und Spaniens, 5 an der Französischen Küste; dieselben ergaben 
eine Stromrichtung S 73° E bis N 88° E; ferner haben im Mittel die vier ersteren 
eine Distanz von 366 Sm-in 63 Tagen durchlaufen, täglich also 5,8 Sm zurück- 
gelegt, die fünf letzteren in 105,6 Tagen 678,6 Sm, täglich demnach 6,45 Sm. 
Im Golf von Biscaya wurden mit einem Miller-Casella’schen Thermometer 
Temperaturbeobachtungen in verschiedenen Meerestiefen angestellt, Eine Reihe 
solcher Messungen liegt zwischen 45° 48' und 47° 11’ N-Br und zwischen 
3° 7‘ und. 4° 10° W-Lg; schlechten Wetters wegen umfafst dieselbe allerdings 
nur 7 bis 166 m Tiefe reichende Messungen. Die zweite, an der Nordküste 
Spaniens: von Kap Penas bis Kap Finisterre reichende Beobachtungs-Reihe um- 
faßst 19 Messungen, welche bis zu 550m Tiefe gehen: Für jede dieser Reihen 
ist eine Temperaturkurve konstruirt und in einem Diagramm in den „Comptes 
Rendus des sdances de l’Acadgmie des sciences“, Paris 1887, No. 2, niedergelegt. 
Im mittleren Theile des Biscayischen Meerbusens, welchem die erstere 
Reihe angehört, fällt die Temperatur von der Oberfläche bis auf 60m Tiefe 
schneller ab, als an der Nordküste Spaniens, und ist hier ca 4° geringer, als 
dort, nimmt aber unterhalb dieser Tiefe wieder um ca 1° zu. In 150 bis 160 m 
Tiefe, bis zu welcher in der ersteren Region überhaupt die Messungen nur 
reichen, nähern sich die Temperaturen beider Reihen wieder bis auf ungefähr 
U2°; um diesen Betrag bleibt das Wasser an der Spanischen Küste wärmer. 
Aus den Kurven entnehmen wir folgende Temperaturen: 
4 a 
Oberfläche 
“0) m 
1 
Französische Küste Spanische Küste 
18,6° C. 18,7° C. 
16,0 17,5 
18,5 2 
10,8 14,9 
10,6 13,6 
1,8 12,7 
10 12,1 
116 11,8 
112 11,7 
11,3 
11,1 
11,1 
110 
10,8 
10,7 
) 
\ 
J 
#9 
200 
240 
3C 
100 
309 
b 
Ayın. d. Hydr. eic., 1557, Heft ML.
	        
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