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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Reiseberichte der Deutschen Barken „Ida“ und „Frida Grampp“. 101 
sonen längsseits, die den Schiffsleuten die verlockendsten Aussichten auf reichen 
Verdienst eröffnen. Obgleich sich diese stets uls trügerisch erweisen, ist doch 
die Folge, dafs die Leute unzufrieden werden und vernünftigen Gegenvorstellungen 
kein Gehör schenken. Zu meinem Bedauern mufs ich sagen, dafs es namentlich 
Deutsche sind, die hier umhervagabondiren und die Leute von Bord locken, oft 
nur, um später mit der unschuldigsten Miene dem Kapitän ihre eigenen Dienste 
antragen zu können. Da augenblicklich viele beschäftigungslose Seeleute in 
Brisbane anwesend sind, so bieten sich dieselben den Schiffen gegen eine 
Monatsheuer von 2 Lstrl. 10 sh, an. Die Heuerbaase suchen indessen ihrerseits 
die Heuer auf etwa 6 Lstrl. zu halten, um selbst möglichst viel an den Leuten 
zu verdienen. Es wird schwer halten, diese Milsstände zu beseitigen, 
New-Castle N.S.W. Am 7. Januar wurden wir von einem. Dampfer 
bis außerhalb der Barre von Brisbane geschleppt, woselbst auf einer Wasser- 
tiefe bei mittlerer Fluthhöhe von 6m geankert wurde. Am 8, Januar segelten 
wir weiter bis Jule-Rhede, mußten hier jedoch wegen Gegenwind und hoher 
See von Neuem zu Anker gehen. Da auch am 9. der Wind noch ungünstig 
war, so benutzten wir die Gelegenheit, unser Chronometer zu reguliren und die 
Deviation des Kompasses zu bestimmen. Am Morgen des 10, Januar setzten 
wir bei SSE-Wind die Reise fort; um 8 Uhr verliefs uns der Lotse und um 
10 Uhr passirten wir Flinders Bluff. Am 27. Januar erreichten wir New-Castle, 
Als wir in der Nacht unter der Küste nördlich von New-Castle ab und an lagen, 
trieb uns die Strömung, trotz der südwestlichen Briese, 10 Sm südwärts, ein 
Umstand, der bei der Ansegelung dieser Küste in Betracht gezogen zu werden 
verdient. . 
Während unseres Aufenthaltes in New-Castle vom 27. Januar bis 11. Fe- 
bruar 1886 .wehte der Wind gröfstentheils aus einer südöstlichen Richtung, 
Eines Tages wurde bei einem Baroweterstande von 751,1 mm (unred.) ein 
Orkan signalisirt, und die Schiffe erhielten Order, sich besser festzumachen, 
Glücklicherweise blieb derselbe aus; die Schiffe nahmen auch nur geringe Notiz 
von der Warnung, und es gingen mehrere, sowohl nordwärts als südwärts be- 
stimmte, in See, Am 6, Februar hatten wir bei einem Barometerstande von 
749,3 mm (unred.) und einer Lufttemperatur von 32,5° C. einen sogenannten 
Burster, der bei sonst schönem Weiter 30 Minuten ‘steif aus SE wehte. Am 
Abende des 10, Februar, als das Barometer bei steifem östlichem Winde auf 
754 mm gefallen war, setzte abermals ein steifer Burster mit Gewitter und 
Regen ein, der 1'/2 Stunde anhielt. Der Wind veränderte seine Richtung von 
Ost nach Süd in ganz kurzer Zeit, nachdem das Barometer 10 Minuten vorher 
begonnen hatte zu steigen. 
Durchsegelung der Bougainville-Strafse (Solomon-Inseln), Am 
25, und 26. Februar 1886 wurde während der Reise von New-Castle N. S, W. 
nach Amoy,‘ südlich von der Bougainville-Strafse, ein Aschenfall beobachtet, 
der wahrscheinlich von einem vulkanischen Ausbruch herrührte. Am Zzweit- 
folgenden Tage hatten wir in der Strafse sehr leichte Winde und Stillen, Um 
Mittag kamen in einem Boote sechs Eingeborene, welche völlig nackt waren, 
dicht an das Schiff heran. Als wir ihnen . durch Zeichen zu verstehen gaben, 
dafs ihr Zutritt an Bord nicht gestattet sei, entfernten sie sich aber wieder. 
Boote mit Eingeborenen halten sich stets auffallend viele in der Strafse auf, 
und dürfte es hier daher in der Nacht bei Windstille nicht ohne Gefahr für 
ein Schiff sein. . 
Die Bougainville-Strafse ist breit genug, aber vor und in derselben liegen 
viele kleine Inseln und Rifie, die indefs in der. Karte eingetragen und bei gutem 
Ausguck leicht zu vermeiden sind, ” 
_ An der Ostseite einer der Inseln sah.ich ein Wrack liegen. Der Strom 
lief in der Strafßse mit einer Geschwindigkeit von 0,5 Ku nordwärts. Am nörd- 
lichen Ausgange derselben und auch weiter nordwärts trafen wir unregelmälsige 
Versetzungen und eine lange hohe nördliche Dünung. In der Stralse waren 
wir mit Rücksicht auf die vielen Windstillen stets fertig zum Ankern, zu welchem 
Zweck 160m (90 Fad.) von der Steuerbord-Kette auf Deck geholt waren. Als 
wir später von der Strafse klar waren und die Kette wieder hinunterstauen 
wollten, entglitt dieselbe unseren Händen und lief mit einer so grofsen
	        
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