‘00
Reiseberichte der Deutschen Barken „Ida“ und „Frida Grampp“.
Es ist eine schlechte Sitte, dafs der Kapitän so lange für die gelöschte
Ladung verantwortlich ist, bis dieselbe von den Fuhrleuten der Empfänger
übernommen ist. Man thut deshalb gut, einen sogenannten „delivery Clerk“ zu
engagiren, dem man für den Tag 10 sh. zu zahlen hat. Es ist indefs geboten,
mit demselben einen klaren und bestimmten Vertrag abzuschlielsen, damit er
später keine Ansprüche für Ueberarbeitszeit u. s. w. machen kann. Die Zoll-
beamten arbeiten nur von Morgens 9 Uhr bis Nachmittags 5 Uhr; will der
Kapitän länger löschen, so hat er ihnen hierfür besonders zu zahlen. Die Be-
sichtigungskosten betragen, wenn man einen Besichtiger für alle Fälle bei der
Ladung im Voraus annimmt, 1 Lstrl. 1 sh. für 100 Registertonnen. Der Ballast
kostete, wenn Sand, 3 sh., wenn Kies, 4 sh., und aufserdem noch das Anbord-
bringen 1 sh. die Tonne. Für das Löschen der Ladung hatte ein Schiff 1 sb. 3 d.
pro Tonne zu entrichten. Die Monatisheuer eines Matrosen betrug 5 Lstrl. Da
in Brisbane ein gutes Trockendock vorhanden ist, so können daselbst alle
Reparaturen an Schiffen ausgeführt werden; indessen nur mit ziemlich hohen
Kosten, da hier die Löhne der Zimmerleute sehr beträchtlich sind.
Am 9. Juli versegelte „Zda“ in Ballast von Brisbane nach Punta Arenas
an der Westküste von Costarica, welcher Hafen nach 75tägiger Reise am
22, September 1885 erreicht wurde. In Chira, oben im Golf von Nicoya, und
in Petrero an der Küste von Costarica nahmen wir dann eine Ladung Codern-
holz ein. Auf der Reise von dem letztgenannten Platze nach Punta Arenas,
gegen Ende des Monats November, welche 10 Tage beanspruchte, trafen wir
fast gar keine Seebriese, wohl aber einen starken nordwestlichen Strom, der
mitunter eine Geschwindigkeit von 2-—3 Kn erreichte.
Kapitän Horneman von der Norwegischen Bark „Bergliot“ theilte
mir mit, dafs er auf ungefähr 10° N-Br, einige Seemeilen nordwestlich vom
Kap Guinos und 2,5 Sm westlich von der Küste, einen Felsen gesehen habe,
der erst mit halber Tide über Wasser kam und in den neuesten Karten nicht
angegeben sei.!) Da wir diese Stelle in der Nacht passirten, und zwar in einem
Abstande von 5 Sm, so kann ich selbstredend kein Urtheil über die Richtigkeit
der Aussage des Norwegischen Kapitäns abgeben.
In Petrero kann ein Schiff sich verhältnifsmäfsig leicht mit Trinkwasser
versorgen, welches kostenfrei aus dem Flusse und mit weniger Umständen als
in Punta Arenas geholt werden kann. Doch darf die Brandung vor der Flufs-
mündung, welche zu passiren ist, nicht zu hoch sein.
Einige weitere Mittheilungen über Brisbane, sowie über New-Castle und
die Fahrt von dort nach Amoy enthält das meteorologische Journal der Deut-
schen Bark „Frieda Grampp“, Kapt. C. F. Lindenberg:
Brisbane. Am 13. Dezember 1885 passirten wir auf der Reise von
Hamburg nach Brisbane Kap Moreton, woselbst ein Lotse an Bord kam. Die
Lotsen sind im Besitze eines Dampfers von 40 Tonnen Gröfse, der seine Station
in der Nähe des „Beacon Hulk“ hat. Letzteres ist ein Fahrzeug mit einer
Bake, welches die Stelle der früheren „Fairway Buoy“ vertritt. Die Reise,
deren Dauer von Cuxhaven 143 Tage betrug, war im Ganzen recht gut ver-
laufen, und nur an der Küste von Australien wurde sie durch flaue östliche
Winde und Windstillen einigermafsen beeinträchtigt. Sie würde wahrscheinlich
etwas abgekürzt worden sein, wenn ich die Länge im Indischen Ocean, wie
Anfangs beabsichtigt, in einer möglichst hohen südlichen Breite abgelaufen
hätte; allein die stürmischen Winde, verbunden mit einer sehr hohen See, die
ich dort antraf, veranlalsten mich, mit dem tiefbeladenen Schiffe, welches aufser-
dem einen ziemlich bedeutenden Leck hatte, eine niedrigere Breite zu wählen.
Während unseres Aufenthaltes in Brisbane vom 13. Dezember 1885 bis
7. Januar 1886 regnete es daselbst fast unaufhörlich, was sehr nachtheilig für
die Ladung war. Der Stauer, den zu nehmen man gezwungen ist, nimmt die
Güter vermittelst eines Dampfkrahns möglichst rasch aus dem Schiffe und wirft
sie, unbekümmert um das Wetter, bunt durcheinander ans Land. Mit den
eigenen Leuten ist im Hafen von Brisbane nichts anzufangen. Sobald das Schiff
in erreichbare Nähe gekommen ist, versammeln sich allerlei verdächtige Per-
1) In der Englischen Admiralitäts-Karte No. 2145 ist in 9° 57,5‘ N-Br und etwa 2l/% Sm
im Westen von der Küste ein Rock eingetragen.