Eisverhältnisse im Kieler Hafen.
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weder ist die nach einer langen und intensiven Kälteperiode gebildete Eisdecke
30 stark, dafs nur lange und energisch wirkende Wärme und kräftige Winde
sie zerstören können. Dies war in den Jahren 1852/53, 54/55 der Fall. In
ietzterem Jahre habe ich noch im Anfang April, mitten im Ausgange des
Kieler Hafens bei Friedrichsort, eine KEisdicke von reichlich 30cm gemessen.
Oder nach Aufhören der Eistage tritt Anfangs ruhiges Wetter mit wechselnden
Winden, geringer Wärme, ab und zu mit Nachtfrösten ein, bis dann erst nach
längerer Zeit starker Wind mit erhöhten Temperaturen das Eis bricht. So war
es in. den Jahren 1860/61, 63/64. Im ersteren Jahre herrschte vom 20. Januar
bis 2. Februar sehr ruhige Luft und die Temperatur ging nur wenig über 0°.
Dann traten plötzlich vom 3. bis 9. Februar heftige Westwinde mit bedeutender
Wärme ein; das Eis löste sich am 7. Februar. Ganz ähnlich 1863/64, wo mit
dem 10, März heftige Stürme aus SW und W wehten und das Eis am 15. März
aufging.
S Ich fasse das Ergebnifs dieser Untersuchung in folgenden Sätzen
zusammen:
a) Die Wahrscheinlichkeit, dafs im Kieler Hafen sich eine die Schiffahrt
hindernde Eisdecke während eines Winters bildet, zu der Wahrscheinlichkeit
unbehinderter Schiffahrt verhält sich wie 17:21. ,
b) Bildet sich eine feste Eisdecke, so beträgt die durchschnittliche Dauer
derselben rund 35 Tage.
c) Die Eisbedeckung erfolgt frühestens in der letzten Woche des De-
zember, in der Regel erst im neuen Jahre und am häufigsten im Januar.
d) Die Bildung einer festen Eisdecke setzt in der Regel voraus, daß in
dem betreffenden Winter eine Minimaltemperatur von — 10° vorkommt, die
Wintermonate 30 Eistage oder mehr haben, und der Monat, in welchem die
Eisdecke sich bilden soll, eine Lufttemperatur unter der Normalen hat. .
e) Der Monat der Eisbildung ist der kälteste des Winters oder der dem
kältesten folgende.
. f) Das Eis steht durchschnittlich noch 10 Tage, nachdem Thauweiter
eingetreten ist.
Hydrographische Beobachtungen auf der Reise von Koepang auf
Timor nach Cooktown.
Nach dem Berichte S. M. Kr. „Adler“, Kommandant Korv.-Kapt. von Wietersheim.
Auf der Reise von Koepang durch die Arafura-See und Torres-Strafse
nach Cooktown, unter Anlaufen von Thursday-Iusel in der Torres-Stra/fse, wurden
von S. M. Kr. „Adler“ unter Dampf folgende
Stromversetzungen in der Arafura-See
bei leichten östlichen Winden, klarem Wetter und wenig bewegter See konstatirt:
Position Strom (rw. in 24 Std.)
10° 17,0‘ S-Br 123° 28,0‘ O-Lg
10° 34,0‘ 125° 10,0
9° 50,0% 127° 7,0%
3° 580° x 129° 25,0%
3° 56,0‘ 131° 54,0*
9° 27,0 134° 34,0‘
9° 49,0‘ 137° 10,0*
10° 80 139° 58,0‘