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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

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Eisverhältnisse im Kieler Hafen, 
heit des Wassers zurückzuführen. Im Wasser verlangsamen und mäfsigen sich 
ja stets die Schwankungen der Luftwärme, so dafs die kälteste oder wärmste 
Tages- beziehungsweise Monats-Temperatur der Luft sich im Wasser, je nach 
der Tiefenschicht, erst Tage oder Monate später findet, So ist z. B. in der 
tiefsten Stelle des Kieler Hafens der März der kälteste, der Oktober der 
wärmste Monat. 
An der Wasseroberfläche, welche für die Eisbildung ja allein in Betracht 
kommt, würde die Verlangsamung nur einige Tage ausmachen, wenn für das 
Wasser des Kieler Hafens nicht noch ein anderer Umstand hinzuträte, nämlich 
die Beeinflussung der Temperatur des Oberflächenwassers durch auslaufende 
oder einlaufende Strömungen, Mit diesen Strömungen sind zugleich Aenderungen 
des Salzgehaltes des Wassers, also auch der Gefriertemperatur desselben, ver- 
bunden, welche ebenfalls auf die leichter oder schwerer erfolgende Eisbildung 
einwirken müssen. 
Da wir nur von den letzten 17 Jahren Beobachtungen über diese Ver- 
hältnisse besitzen, so ist leider für die gröfste Zahl der in der Tabelle auf- 
geführten Jahre mit Eisbedeckung eine Prüfung nicht möglich. Indessen giebt 
doch schon die kürzere Beobachtungsreihe einigen Aufschluls. 
Fast ausnahmslos besteht schon im Dezember eine hinreichend andauernde 
Kälte der Luft, um Eis zu bilden. Neun Mal in 37 Jahren ist die mittlere 
Lufttemperatur unter Null, und in 8 Jahren fällt sogar das absolute Minimum 
des Winters in den Dezember. Und doch hat sich nur 3 Mal, und zwar in 
den letzten Dezembertagen erst die Eisdecke gebildet, worunter 1 Mal bei einer 
positiven Mitteltemperatur. 
Dies rührt daher, dafs das Oberflächenwasser im Dezember durchgehends 
eine nicht unerheblich höhere Temperatur wie die Luft hat. In den 17 Jahren, 
für welche die Wassertemperaturen aufgezeichnet sind, war im Dezember die 
mittlere Temperatur des Oberßächenwassers + 3,6°, der Luft + 1,9°. 
Diese höhere Temperatur ist theilweise wohl dem Umstande zuzuschreiben, 
dafs im Herbst und Winter relativ warmes, schwereres Wasser aus der Nordsee 
bis in den Kieler Hafen dringt, wie aus den in Spalte 9 angegebenen durch- 
achnittlichen specifischen Gewichten hervorgeht. Dazu kommt dann die niedrigere 
Gefriertemperatur des salzreicheren Wassers. Bei dem normalen specifischen 
Gewichte des Dezember-Oberflächenwassers von 1,0132, welches einem Prozent- 
gehalte von 1,73 entspricht, ist der Gefrierpunkt bei etwa — 1,15° liegend. 
Deshalb können selbst niedrige Lufttemperaturen im Dezember nur selten 
bis zur Bildung einer starken Eisdecke abkühlen, was erst im kältesten Monate, 
dem Januar, am häufigsten eintritt, Aber die Wassertemperatur ist .durch- 
achnittlich auch im Januar noch nicht die niedrigste, auch ist der Salzgehalt 
ebenso grofs wie im Dezember, Ist daher die Kälte nicht sehr intensiv und 
andauernd, so verschiebt sich die Eisbildung bis in den Februar, besonders 
dann, sobald nach östlichen Winden Wasser von geringerer Dichtigkeit in 
den Kieler Hafen getrieben wird, wie es z. B. 1869/70 der Fall war. Am 
zeltensten ist die Verschiebung der Eisbildung bis in den März, welche eine 
im Februar vorausgehende niedrige Lufttemperatur und Eindringen salzarmen 
Wassers fordert, wie z. B. 1885/86. 
7. Einflufs der Windrichtung. Die Windrichtung ist in doppelter 
Beziehung für das Zulegen und Aufgehen des Wassers von Einfluß. Westliche 
Winde bringen salzreiches warmes Wasser, östliche Winde kaltes salzarmes 
Wasser in den Hafen. Sodann aber ist auch der Zusammenhang mit der thermi- 
schen Windrose deutlich. Die feste Eisdecke bildet sich, wie Spalte 7 zeigt, 
fast immer bei Winden der Ostseite, sie löst sich bei Winden der Westseite. 
Theils ist dies natürlich die Folge des Wärmegegensatzes dieser Windrichtungen, 
theils von dem Umstande herrührend, dafs in einer anhaltend kalten Periode 
mit östlicher Windrichtung die Windstärke gering zu sein pflegt, während beim 
Eintritt einer warmen Periode mit westlichen Winden die Winde mit bedeuten- 
üer Stärke einsetzen. KErsteres begünstigt das Zusammenschliefsen des Eises, 
Jetzteres das Brechen und Abtreiben desselben. 
Für die Verschiebung des Gefrierens sind vorher schon die Ursachen 
besprochen worden. Es findet nun aber auch, wie erwähnt, eine Verschiebung 
des Aufgehens des Eises statt. Zwei Umstände sind hierfür bestimmend. Ent-
	        
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