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Eisverhältnisse im Kieler Hafen.
Nach Aufhören der Eistage bleibt die Eisdecke noch einige Zeit stehen, was
in Spalte 6 verzeichnet ist, während Spalte 7 die Windrichtungen beim Zulegen
und Öffenwerden des Wassers enthält. Spalte 8 giebt die mittlere Lufttemperatur
für die Monate November bis April, Spalte 9 die mittlere Monatstemperatur
des Oberflächenwassers von Dezember bis April, endlich Spalte 10 das mittlere
specifische Gewicht des Oberflächenwassers in der Zeit von Dezember bis März.
Regelmäfsige Beobachtungen über Temperatur und Salzgehalt (specifisches
Gewicht) des Wassers liegen erst seit 1871 vor, von wo ab dieselben von der
Ministerial-Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung der Deutschen Meere
in Kiel eingerichtet sind. Aufserdem sind noch aus zwei früheren Jahren Be-
obachtungen vorhanden, welche auf Anlafs von Herrn Dr. Meyer-Forsteck
angestellt wurden.
Ich wende mich nun zur Besprechung der Ergebnisse aus den Beob-
achtungen.
l. Dauer der die Schiffahrt hindernden Eisbedeckung. In den
38 Beobachtungsjahren ist der Hafen in 17 Wintern mit einer festen Eisdecke
belegt gewesen. In zwei von diesen Wintern, 1853/54 und 1864/65, ist leider
die besondere Zeit der Eisbedeckung nicht verzeichnet worden. In 21 Wintern
blieb die Schiffahrt unbehindert.
Die Dauer der Eisdecke ist in den einzelnen Jahren sehr verschieden
gewesen. Der kürzeste Zeitraum , umfafßlste 11 Tage (1867/68), der längste
71 Tage (1870/71). Die durchschnittliche Dauer in den 15 Jahren, für welche
die Tage genau notirt sind, beträgt 34 Tage. Auf die ganze Beobachtungszeit
von 38 Jahren berechnet, fallen auf jedes Jahr 15'/2 Behinderungstage.
2. Beginn und Aufhören der Eisbedeckung. KEistage kommen ver-
einzelt schon oft im November vor (21 Mal in 38 Jahren), fast immer im De-
zember (36 Mal in 38 Jahren). Aber die feste Eisdecke bildet sich stets erst
sehr viel später. Der früheste Termin hierfür fällt in die letzte Woche des
Dezember. In den beiden Jahren, für welche die Zeit der Eisbedeckung nicht
aufgezeichnet ist, erfolgte dieselbe wahrscheinlich 1 Mal im Dezember (1853/54)
und 1 Mal im Februar (1864/65). Dann ergiebt sich, dafs in den 17 Jahren
die Eisdecke zu Stande kam: im Dezember 3 Mal, im Januar 8 Mal, im Februar
3 Mal und erst im März 2 Mal. ;
Im Ganzen ist die Dauer der Eisbedeckung um so gröfser, je früher sich
dieselbe bildet. Dezember-Eis hält durchschnittlich 44 Tage, Januar- und
Februar-Eis 36 Tage, März-Eis 26 Tage.
Das Eis steht nach Aufhören der Eistage zuweilen nur noch wenige
Tage, in einigen Fällen aber noch Wochen hindurch. Das schnellste Abgehen
des Eises fand nach 2 Tagen, das langsamste nach 23 Tagen statt, nachdem
Thauwetter eingetreten war. Im Durchschnitt öffnet sich das Eis 10 Tage nach
dem letzten Eistage.
3. Als Bedingungen, welche die dauernde KEisbedeckung veranlassen,
kommen vorzugsweise in Betracht: die Intensität der Kälte, die Dauer der
Kälteperiode, die Monatszeit, in welche besonders die anhaltende Erniedrigung
der Lufttemperatur fällt, in Verbindung mit der Wärme und den Dichtigkeits-
verhältnissen des Wassers, Hierüber geben die Aufzeichnungen die im Folgen-
den dargestellte Auskunft:
Die Intensität der in einem Winter vorkommenden Kälte erscheint für
die Bildung einer festen Eisdecke bestimmend. KEin tiefes Minimum ist ja
keineswegs zusammenfallend mit einer langen Kälteperiode oder mit der
Gesammtgröfse der Temperaturerniedrigung eines Winters. Es kommen nun
auch Jahre vor, in welchen bei tiefem Minimum sich doch keine feste Eisdecke
bildet, z. B. 1876/77, und umgekehrt auch Jahre mit nur mäfsigem Minimum,
in denen doch das Eis zum Stehen kommt, z. B. 1857/58. Nimmt man aber
alle Jahre mit Eisbedeckung einerseits und ohne hinderliche Eisdecke anderer-
seits zusammen, so ergiebt sich für die ersteren ein mittleres Minimum von
— 14,2°, für die letzteren von — 10,0°, Ferner findet man, dafs in 17 Jahren
nur 3 mit festem Eise vorkamen, obwohl das Minimum — 10,0° nicht erreichte,
dagegen 9 Jahre unter 21 ohne Eisbehinderung blieben, wenn auch das Minimum
unter — 10,0° sank. Man darf also sagen: Sinkt die Temperatur nicht in einem
Winter unter — 10°, so ist eine dauernde Eisbedeckung unwahrscheinlich; ein