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Die Staubfälle im Passatgebiet des Nordatlantischen Oceans.
kommen. Bei Weitem am häufigsten sind sie jedoch in den Wintermonaten
Januar und Februar und demnächst im Dezember; durchschnittlich am seltensten
dagegen im Spätsommer und Herbst, August bis November. Es ergiebt sich
dies sofort aus der nachstehenden Uebersicht. Von den 75 Deutschen KEinzeln-
berichten über das Vorkommen von Passatstaub in den Jahren 1878 bis 1884
and den 60 in der Publikation des „Meteorological Office“ aufgeführten Fällen
kommen nämlich auf den Monat: Dezember 13, Januar 31, Februar 36, März 10,
April 9, Mai 6, Juni 9, Juli 5, August 4, September 4, Oktober 6, November
2 Fälle.
Auf die beiden Monate Januar und Februar allein entfällt also schon
die Hälfte. Das Verhältnifs stellt sich auch nicht wesentlich anders, wenn
nicht die einzelnen Fälle sondern die Tage, an denen Staubniederschläge vor-
kamen, gezählt werden. Zu einer solchen Zusammenstellung können wir mangels
genügender Daten nur die Deutschen Berichte benutzen. Diesen zufolge kamen
in den Jahren 1878 bis 1884 auf den Monat Januar 18 Tage, Februar 20 Tage,
März 4 Tage, April kein Tag, Mai 4 Tage, Juni 3 Tage, Juli 1 Tag, August
und September je 3, Oktober 2 Tage und November und Dezember 1 Tag mit
Beobachtungen von Staubfällen; zusammen 60 Tage.
Die Erklärung dieser grofßsen jahreszeitlichen Unterschiede dürfte ziemlich
nahe liegen, wenn man das Verhalten des Passats in den verschiedenen Jahres-
zeiten betrachtet. In den Monaten März bis August hält in der Zone hohen
Luftdrucks an der polaren Grenze des NHE-Passatgebietes das Maximum am
beständigsten seinen Platz in der Umgebung der Azoren ein. Der Wind weht
demgemäfs an der Küste der Sahara längs dem Lande und weicht von seiner
hoch nördlichen Richtung nur selten ab. In den folgenden Spätsommer- und
Herbstmonaten verändert das Maximum häufiger seinen Ort; doch ist der hohe
Luftdruck des Grenzgebietes jetzt im Ganzen nur wenig entwickelt und infolge
dessen der Passat meistens nur schwach. Ferner herrscht in dieser Jahreszeit am
häufigsten Regenwetter. Aufserdem wird, wie auch schon im Juli und August,
durch die sehr nördliche Lage der äquatorialen Grenze des Passats die weite
Verbreitung des Staubes verhindert. Im Januar und Februar dagegen werden
am öftesten die Verhältnisse angetroffen, welche für die Verbreitung des Passat-
staubes am günstigsten sind: hoher Luftdruck über Nordafrika, ein steifer
Passat, der an der Sahara-Küste aus dem Lande weht, trockenes Wetter und
eine weit südliche Ausdehnung des Passatgebiets.’)
Aus Allem geht hervor, dafs das Auftreten des Staubes in erster Linie
durch die Richtung und Stärke des herrschenden Passatwindes bedingt wird.
Der Monat Februar 1882, in welchem die Erscheinung sich aufsergewöhnlich
stark entwickelt zeigte, bietet uns treffliche Beispiele, um jene Abhängigkeit
auch noch an einem bestimmten Falle zu erläutern. Zu letzterem Zwecke
haben wir die Berichte für diesen Monat ausführlicher als sonst gegeben und
aufserdem in den drei Kärtchen II, III und IV auf Tafel 2 nach den synop-
tischen Karten der Seewarte die Wetterlage und die Verbreitung der Staub-
fälle und Staubnebel für verschiedene Tage des Monats zur Darstellung
gebracht. .
In den ersten Tagen des Februar 1882 befand sich das Maximum, welches
die Luftbewegung im östlichen Theile des Passatgebiets regelte, gewöhnlich auf
der Mitte des Oceans. Die Isobaren verliefen zwischen 30° und 15° N-Br,
meistens nahezu parallel der afrikanischen Küste, und der Passat wehte hier
infolge dessen vorwiegend aus einer hoch nördlichen, längs dem Lande
führenden Richtung, NNE bis NEzN. Die Stärke des Windes war meistens
nur leicht bis mäfsig. Bei den Kapverden und südwestlich davon war die Luft
noch etwas diesig, wahrscheinlich die letzten Spuren einer Staubwolke, die in
der letzten Dekade des Januar auf das Meer hinausgeführt worden war. Die
Grenze des Dunstgebietes zog sich aber mehr und mehr gegen die Aequator-
kalmen zurück, Nördlich von der Breite der Kapverden war die Luft von
1) Siehe den „Atlas zur Darstellung der physikalischen Verhältnisse des Atlantischen Oceans“,
herausgegeben von der Deutschen Seewarte, Taf, 17 bis 20 und 22 bis 25; ferner die Windtabellen
in den ebenfalls von der Seewarte herausgegebenen „Resultate meteorologischer Beobachtungen u, S. W.
für Quadrat 75“.