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Die Staubfälle im Passatgebiet des Nordatlantischen Oceans.
jahreszeitlichen Häufigkeitsverhältnisso sind jedoch auch die vorhererwähnten,
in den Publikationen des „Meteorological Office“ aufgeführten Berichte heran-
gezogen worden.
Das Wesen der Erscheinung, wie es in den Berichten gewöhnlich be-
schrieben wird, besteht darin, dafs auf den Schiffen, welche sich im NE-Passat-
gebiet des Atlantischen Oceans befinden, mitunter feine staubartige oder
mehlartige Masse niederschlägt, und zwar vornehmlich auf dem Takelwerk
and in den Segeln. Die Stärke des Niederschlages ist natürlich sehr ver-
schieden. Mitunter ist er so gering, dafs er sich nur in der Verfärbung der
Segel zeigt; zu anderen Zeiten kommt es dagegen vor, dafs Segel und Taue
zowie die festen Theile des Schiffes vollständig davon überzogen werden.
Die Farbe bezeichnen die meisten Berichterstatter als roth oder röthlich, doch
ist sie auch sehr oft als gelb, gelblich, gelbroth oder röthlich gelb, in einzelnen
Fällen auch als hellbraun, gelblich braun oder rothbraun angegeben. Da keine
Proben eingeliefert worden sind, so ist nicht zu entscheiden, ob so grofse
Unterschiede in der Farbe wirklich vorhanden sind, oder ob sie nur von der
individuellen Bezeichnungsweise der Beobachter herrühren. Immerhin muß es
auffällig erscheinen, dafs den Deutschen Berichten zufolge die gelbliche Färbung
des Staubes verhältnifsmäfsig viel häufiger in der Nähe der Afrikanischen
Küste als in weiterem Abstande von derselben beobachtet wird. In verschie-
denen Fällen findet sich auch für denselben Staubfall, dessen Fortschreiten mit
lem Winde in südwestlicher oder westlicher Richtung in den Berichten verfolgt
werden kann, ein Unterschied in der Farbe angegeben, je nachdem er näher
der Küste oder weiter Jandabwärts stattfand. Während dort die Farbe des
Niederschlages als gelb oder gelblich bezeichnet ist, ist sie hier als roth oder
vröthlich notirt.*)
Ohne Ausnahme ist das Auftreten der Staubfälle von einem dieser
Gegend eigenthümlichen undurchsichtigen Zustande der Luft begleitet, Die
Deutschen Seefahrer bezeichnen denselben gewöhnlich als diesig oder häsig,
mitunter auch als dunstig, räucherig oder nebelig. Von einem Nebel in der
gewöhnlichen Bedeutung des Wortes unterscheidet sich die Erscheinung jedoch
Surch das Fehlen des fouchten Niederschlages, und mufs man annehmen, da(s
gie ebenfalls durch den in der Luft befindlichen Staub hervorgerufen wird.
Meistens macht sich der Staubnebel, wie also die Erscheinung mit Recht be-
zeichnet werden kann, nur in der Nähe der Kimm bemerklich, auf der eine die
Fernsicht verdeckende weifsliche oder grau@ Dunstbank lagert, während oben
der Himmel ziemlich klar ist und Sterne und Sonne, wenn auch verschleiert
und mit fahlem Lichte, durchscheinen. Mitunter wird er jedoch so dicht, dafs
kaum auf eine Semeile weit zu sehen ist und die Sonne erst bei 50° oder
60° Höhe sichtbar wird. Der Staubnebel hält oft mehrere Tage an; nicht
selten zur Beschwerde des Schiffsführers, dem er es für längere Zeit unmöglich
macht, zuverlässige astronomische Beobachtungen zu erhalten. Mit dem Kin-
treten von Staubniederschlag wird das Wetter gewöhnlich sichtiger. Indessen
kommt es beim Herrschen dieser Nebel bei Weitem nicht immer zu Staubfällen,
Letztere sind, wie späterhin des Näheren dargelegt werden wird, im Ganzen
eine seltene Erscheinung, während diesiges, unsichtiges Wetter in dem Ver-
breitungsgebiete der Staubfälle verhältnifsmäfsig häufig vorkommt. Verschiedene
Berichterstatter, sowohl unter den Deutschen als auch unter den Englischen
Schiffsführern, deren Beobachtungen vom „Meteorological Office“ veröffentlicht
worden sind, sprechen von einer Färbung der Nebel und schildern dieselbe als
röthlich, ebenso wie der Staub. Wir müssen es unentschieden lassen, ob diese
Färbung wirklich von der Farbe des Staubes herrührt oder eine Diffraktions-
erscheinung ist. Bemerkenswerth ist ferner die beim Auftreten der Staubnebel
sehr oft beobachtete gänzliche Wolkenlosigkeit des Himmels.
*) Beispiele sind: 1881 Sept. 26 in 25,2° N-Br und 18,6° W-Lg „das Schiff und das
ganze Takelwerk mit gelbem Dunst beflogen“ (Dampfer „Argentina“.) Sept 29. in 14,7° N-Br
und 26,2° W-Lg „starker, röthlicher Niederschlag. (Segelschiff „Adolph“.)
1882 Febr. 11 in 22° N-Br und 21° W-Lg „feiner, gelber Sand“ (Dampfer „Valparaiso“),
Febr. 12 in 21,6° N-Br und 20° W-Lg „feiner, gelblächer Wüstenstaub“ (Segelschiff „Asante“),
Dagegen Febr. 12 in 17,5° N-Br und 26° W-Lg „rother Staub“ (Segelschiff „Thalassa“) und an
Jemselben Tage in 9,8° N-Br und 25,5° W-Lg ebenfalls „viel rother Stanb“ (Segelschiff „Lima“).