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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

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Die Staubfälle im Passatgebiet des Nordatlantischen Oceans. 
jahreszeitlichen Häufigkeitsverhältnisso sind jedoch auch die vorhererwähnten, 
in den Publikationen des „Meteorological Office“ aufgeführten Berichte heran- 
gezogen worden. 
Das Wesen der Erscheinung, wie es in den Berichten gewöhnlich be- 
schrieben wird, besteht darin, dafs auf den Schiffen, welche sich im NE-Passat- 
gebiet des Atlantischen Oceans befinden, mitunter feine staubartige oder 
mehlartige Masse niederschlägt, und zwar vornehmlich auf dem Takelwerk 
and in den Segeln. Die Stärke des Niederschlages ist natürlich sehr ver- 
schieden. Mitunter ist er so gering, dafs er sich nur in der Verfärbung der 
Segel zeigt; zu anderen Zeiten kommt es dagegen vor, dafs Segel und Taue 
zowie die festen Theile des Schiffes vollständig davon überzogen werden. 
Die Farbe bezeichnen die meisten Berichterstatter als roth oder röthlich, doch 
ist sie auch sehr oft als gelb, gelblich, gelbroth oder röthlich gelb, in einzelnen 
Fällen auch als hellbraun, gelblich braun oder rothbraun angegeben. Da keine 
Proben eingeliefert worden sind, so ist nicht zu entscheiden, ob so grofse 
Unterschiede in der Farbe wirklich vorhanden sind, oder ob sie nur von der 
individuellen Bezeichnungsweise der Beobachter herrühren. Immerhin muß es 
auffällig erscheinen, dafs den Deutschen Berichten zufolge die gelbliche Färbung 
des Staubes verhältnifsmäfsig viel häufiger in der Nähe der Afrikanischen 
Küste als in weiterem Abstande von derselben beobachtet wird. In verschie- 
denen Fällen findet sich auch für denselben Staubfall, dessen Fortschreiten mit 
lem Winde in südwestlicher oder westlicher Richtung in den Berichten verfolgt 
werden kann, ein Unterschied in der Farbe angegeben, je nachdem er näher 
der Küste oder weiter Jandabwärts stattfand. Während dort die Farbe des 
Niederschlages als gelb oder gelblich bezeichnet ist, ist sie hier als roth oder 
vröthlich notirt.*) 
Ohne Ausnahme ist das Auftreten der Staubfälle von einem dieser 
Gegend eigenthümlichen undurchsichtigen Zustande der Luft begleitet, Die 
Deutschen Seefahrer bezeichnen denselben gewöhnlich als diesig oder häsig, 
mitunter auch als dunstig, räucherig oder nebelig. Von einem Nebel in der 
gewöhnlichen Bedeutung des Wortes unterscheidet sich die Erscheinung jedoch 
Surch das Fehlen des fouchten Niederschlages, und mufs man annehmen, da(s 
gie ebenfalls durch den in der Luft befindlichen Staub hervorgerufen wird. 
Meistens macht sich der Staubnebel, wie also die Erscheinung mit Recht be- 
zeichnet werden kann, nur in der Nähe der Kimm bemerklich, auf der eine die 
Fernsicht verdeckende weifsliche oder grau@ Dunstbank lagert, während oben 
der Himmel ziemlich klar ist und Sterne und Sonne, wenn auch verschleiert 
und mit fahlem Lichte, durchscheinen. Mitunter wird er jedoch so dicht, dafs 
kaum auf eine Semeile weit zu sehen ist und die Sonne erst bei 50° oder 
60° Höhe sichtbar wird. Der Staubnebel hält oft mehrere Tage an; nicht 
selten zur Beschwerde des Schiffsführers, dem er es für längere Zeit unmöglich 
macht, zuverlässige astronomische Beobachtungen zu erhalten. Mit dem Kin- 
treten von Staubniederschlag wird das Wetter gewöhnlich sichtiger. Indessen 
kommt es beim Herrschen dieser Nebel bei Weitem nicht immer zu Staubfällen, 
Letztere sind, wie späterhin des Näheren dargelegt werden wird, im Ganzen 
eine seltene Erscheinung, während diesiges, unsichtiges Wetter in dem Ver- 
breitungsgebiete der Staubfälle verhältnifsmäfsig häufig vorkommt. Verschiedene 
Berichterstatter, sowohl unter den Deutschen als auch unter den Englischen 
Schiffsführern, deren Beobachtungen vom „Meteorological Office“ veröffentlicht 
worden sind, sprechen von einer Färbung der Nebel und schildern dieselbe als 
röthlich, ebenso wie der Staub. Wir müssen es unentschieden lassen, ob diese 
Färbung wirklich von der Farbe des Staubes herrührt oder eine Diffraktions- 
erscheinung ist. Bemerkenswerth ist ferner die beim Auftreten der Staubnebel 
sehr oft beobachtete gänzliche Wolkenlosigkeit des Himmels. 
*) Beispiele sind: 1881 Sept. 26 in 25,2° N-Br und 18,6° W-Lg „das Schiff und das 
ganze Takelwerk mit gelbem Dunst beflogen“ (Dampfer „Argentina“.) Sept 29. in 14,7° N-Br 
und 26,2° W-Lg „starker, röthlicher Niederschlag. (Segelschiff „Adolph“.) 
1882 Febr. 11 in 22° N-Br und 21° W-Lg „feiner, gelber Sand“ (Dampfer „Valparaiso“), 
Febr. 12 in 21,6° N-Br und 20° W-Lg „feiner, gelblächer Wüstenstaub“ (Segelschiff „Asante“), 
Dagegen Febr. 12 in 17,5° N-Br und 26° W-Lg „rother Staub“ (Segelschiff „Thalassa“) und an 
Jemselben Tage in 9,8° N-Br und 25,5° W-Lg ebenfalls „viel rother Stanb“ (Segelschiff „Lima“).
	        
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