Die Staubfälle im Passatgebiet des Nordatlantischen Oceans,
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Die Staubfälle im Passatgebiet des Nordatlantischen Oceans,
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Von Kapt. L. E. Dinklage, Vorsteher der Abtheilung I der Seewarte.
(Hierzu Tafel 2.)
Die Staubfälle, welche von Seefahrern in der Passatregion des Nord-
atlantischen Oceans mitunter in sehr grofser Entfernung vom Lande beobachtet
werden und, wenn auch nicht allein stehend, doch unter den Erscheinungen
dieser Art jedenfalls die auffälligsten bilden, sind schon wiederholt der Gögen-
stand gelehrter Forschung gewesen. Letztere war, wie nur natürlich, vor-
nehmlich darauf gerichtet, den Ursprung des Staubes festzustellen. Professor
Ehrenborg, der wegen seiner Jangjährigen Boschäftigung mit dem Gegenstande
hier in erster Linie zu erwähnen ist, gelangte durch seine mikroskopischen
Untersuchungen des Staubes zu der Annahme, dafs derselbe nicht, wie ge-
wöhnlich angenommen, aus der Sakara, sondern aus dem nordöstlichen Theile
von Südamerika kommen müsse‘), und Maury acceptirte diese Behauptung zur
Begründung seiner Theorie der atmosphärischen Cirkulation, der: zufolge die
Luft, welche vom SE-Passat nach den Aequatorkalmen geführt wird, nach ihrem
Aufsteigen dort in einer oberen Strömung nach Nordost abflielßst®). Dagegen
wurde von Dr. Hellmann in einer später erschienenen Abhandlung?), ebenso
wie früher von Darwin‘) und Dove, die unter Seeleuten allgemein verbreitete
und sehr nahe liegende Annahme, dafs der Staub durch den NE-Passat von
Afrika herüber getrieben werde, wieder als richtig hingestellt.
In Dr. Hellmansn’s Arbeit, welcher die diesbezüglichen Schiffsberichte
in den Veröffentlichungen des „Meteorological Office“ in London zu Grunde
gelegt sind®), ist zum ersten Male cine umfassende Darstellung der Erscheinung
gegeben worden. Die Resultate, betreffend die örtliche Verbreitung der Staub-
fälle, die jahreszeitlichen Häufigkeitsverhältnisse und andere Züge des Phöä-
bomens, zu denen die Untersuchung gelangt, werden auch durch die bei der
Seewarte vorhandenen Berichte Deutscher Schiffe im Allgemeinen als durchaus
richtig bestätigt. Es möchte deshalb eine neue Bearbeitung des Gegenstandes
als überflüssig erscheinen. Indessen bedarf die Darstellung, wie der Herr Ver-
fasser selbst herrorhebt, doch in so fern einer Vervollständigung, als das von
ihm behandelte Beobachtungsmaterial ausschliefslich der Zone südlich von
20° N-Br angehört. Das weiter nördlich gelegene Gebiet ist der Betrachtung
noch nicht unterzogen worden. Mit der nachstehenden Zusammenstellung der
an Bord von Deutschen Schiffen beobachteten Staubfälle beabsichtigen wir io
erster Linie diese Lücke auszufüllen.
Um ein Bild von der absoluten Häufigkeit der in Rede stehenden Er-
scheinung zu gewinnen, erschien es zweckmäfsig, hier nur die Beobachtungen
der letzten sieben Jahre, von 1878 bis 1884, in Betracht zu ziehen; denn
erst vom Jahre 1878 an war die Anzahl der Schiffe, welche der Seowarte
regelmäfsig Berichte zugehen lassen, genügend grofe, um die Annahme zu recht-
fertigen, dafs kein Staubfall von einiger Stärke und Ausdehnung auf den ge-
wöhnlichen Schiffswegen vorkam, ohne dafs die Seewarte Nachricht davon
erhielt. Bei einer Beschränkung auf den angegebenen Zeitraum liefßsen sich
ferner auch ohne Mühe in jedem Falle die besonderen meteorologischen Um-
stände, unter welchen die Erscheinung auftrat, feststellen, und zwar wurde dies
ermöglicht durch die täglichen synoptischen Wetterkarten des Nordatlantischen
Oceans, deren Anfertigung durch die Seewarte ebenfalls mit dem Jahre 1878
begann. Für die Bestimmung der Grenzen des Staubfallgebietes, sowie der
1) &, Bericht über die Sitzung der König]. Preufsischen Akademie der Wissenschaften In Berlin
am 27. Januar 1848, u. a. O.
%) Maury’s Sailing Directions, Eighth Edition, Vol, I, Seite 31 1.
5) Monatsbericht der Königl, Preufsischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Mai 1878.
%) Charles Darwin: An account of the fine dust which often falls on vessels in the At-
jantie Ocean, Abgedruckt in Findlay’s Memoir of the Northern Atlantic Ocean, 13, Ed. 808 ff.
5) Sie finden sich in „Remarks to accompany Monthly Charts of Meteorological Data for
Square 3“ und „dito dito for the Nine 10° Squares of the Atlantic which lie between 20° N and
10° S Lat. and extend from 10° to 40° W. Long.“