Die Tarrafal-Bal der Kap Verde'schen Insel St. Antonio,
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Zum Zwecke der Wasserversorgung dient ein kleines Cement-Reservoir
am Strande, welches das Wasser des Bergbaches aufnimmt, Von hier wird es
durch eiserne Röhren bis an das Ende der anfänglich erwähnten Holzbrücke
und weiter mittelst Segeltuchschläuchen in die Wasserfahrzeuge geleitet, Für
die letzteren ist in geringer Entfernung vom Ufer eine Holzboje verankert;
mittelst einer um einen Palmenbaum gelegten Ketie und Trosse wird das be-
treffende Fahrzeug nach Land zu festgelegt.
Das Wasser ist rein und zum Trinken geeignet, obschon es für Quell-
wasser einen nicht unbedeutenden Procentsatz Kochsalz onthält (Untersuchung
son Marine-Stabsarzt Dr. Wendt); das Wasserquantum ist unbeschränkt.
Für gröfsere Schiffe würde die Wasserversorgung sich wohl am besten
durch Boote und Wassersack ausführen lassen, Das Boot müfste nahe bei der
erwähnten Holzbrücke festgelegt werden, so da(s beim Ueberlaufen des Wassers
der Schlauch möglichst frei vom Meeresspiegel bleibt,
Frischer Proviant in gröfseren Quantitäten ist an dem Orto selbst nicht
vorräthig, doch kann innerhalb 24 Stunden jeder Bedarf aus dem Innern heran-
geschafft werden, Der Prois hierfür wie für Frischwasser würde sich selbst-
redend bedeutend niedriger stellen, wie in Porto Grande, da hier die Transport-
kosten gröfstentheils in Fortfall kämen,
Das”nutzbare Land an der Tarrafal-Bai ist seit einiger Zeit im Bositze
der Firma €. Martin aus Porto Grande, dem Haupt-Wasserlieferanten dieses
Platzes. Zwei Fahrzeuge von 60 und 20 Tons Tragfähigkeit besorgen den
Wassertransport,
Die früher in Tarrafal-Bai begonnene Zuckerrohrkultur soll aufgegeben
werden, da einestheils dieselbe, selbst bei guten Krnten, keinen genügonden
Gewinn bietet, andererseits aber unter den Pfianzen eine eigenthümliche Krank-
heit, Verrotten der Wurzeln, grassirt, welche die Rohre vertrocknen und ab-
sterben läfst.
Es soll nun die Akklimatisirung einer Art Rispengrases, welches in China
zur Anfertigung eines dünnen, der Rohseide ähnlichen Zeuges kultivirt wird,
versucht werden. Die Portugiesische Regierung unterstützt diese Bestrebungen
für sämmtliche Inseln der Kap Verden-Gruppe, indem sie eine grofse Zahl solcher
Graspflanzen importirt. Der erste unlängst gomachte Versuch scheint aber
zunächst gänzlich mifsglückt zu sein.
Nach den Aeufserungen des Verireters des Kohlengeschäfts von
Breuer & Co. in Porto Grande besteht die Absicht, die dem Geschäfte ge-
hörige Kohlenhulk „Donald Mackay“ nach Tarrafal-Bai zu verlegen. Es liegt
dem die Annahme zu Grunde, dafs die Kohlen dort billiger als in Porto Grande
geliefert werden könnten, da die Lebensmittel dort billiger sind, und da wegen
der gröfseren Ruhe des Wassers daselbst sowohl das nothwendige Material an
Leichterfahrzeugen mehr geschont würde, als auch das Längsseitgehen an die
Hulk für Dampfer und Kohlenschiffe leichter möglich sei. Die anlaufenden
Dampfer selber, vorzüglich die Passagierdampfer, würden den Vortheil der
billigeren Verproviantirung gewinnen,
Durch die Anbringung eines Leuchtfeuers auf dem Landvorsprunge süd-
lich von der Bucht und Auslegen von Mooringsbojen würde eine gröfsere
Ankerbequemlichkeit geschaffen werden können. Freilich wären derartige An-
Jagen seitens der betreffenden Gesellschaft selbst auszuführen, da die Portugie-
sische Regierung zu solchen Zwecken keine Geldmittel gewähren soll.
Zur Zeit hat St. Antonio noch keine telegraphische Verbindung, doch
soll seitens der Bevölkerung bereits ein diesbezüglicher Antrag an die Portu-
giesische Regierung gestellt worden sein.
Ann. d. Bydr. ele.. 1896. Ifeft IL
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