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Ortsbestimmung aus beliebig vielen Höhen.
war. Die Beobachtungen sind aber augenscheinlich nicht unter sehr günstigen
Umständen zu erlangen gewesen. Um nun den wahrscheinlichen Betrag der
Fehler der Resultate angenähert zu schätzen, kavu man sich dabei zweckmäfsig
des nach der Theorie von Gauss durch Bessel (Berl. Astr. Jahrb. f. 1818,
pag. 234) eingeführten Begriffs des „wahrscheinlichen Fehlers“ bedienen, wie
die Benennung dafür, in Ermangelung einer besseren, lautet. Man versteht
nämlich darunter denjenigen Fehler, welcher in einer möglichst vollständigen,
nur der Gröfse nach geordneten Reihe von zufälligen Beobachtungsfehlern in
der Mitte liegt, so dafs er eben so viele gröfsere Fehler über sich, als kleinere
unter sich hat, wenn man von dem Zeichen der Fehler ganz absieht. Dieser
Fehler wird daher als der „wahrscheinliche Fehler einer einzelnen Beobachtung“
angesehen, weil die Abweichung eines Fehlers darüber hinaus immer unwahr-
scheinlicher würde, je gröfser sie ist, und man mit neuen Beobachtungen der-
selben Art in der entsprechenden Reihe auch nahe dieselbe Fehlergröfse wieder
erwarten kann. Aus den Fehlerreihen im gegenwärtigen Falle kann man nun
entnehmen, dafs zunächst der wahrscheinliche Breitenfehler einer einzelnen
Beobachtung 1‘ 27“ ist, weil eben so viele kleinere als gröfsere Fehler wirklich
dabei vorgekommen sind. In gleicher Weise giebt eine solche Aufsuchung
dieses wahrscheinlichen Fehlers der einzelnen Beobachtung in den vorhandenen
Reihen folgende Uebersicht:
Breitenfehler Höhenfehler | Längenfehler Höhenfehler
+ 1‘ 27“ + 0‘ 52“ + 2 16% + 1‘ 8“
Da ferner das vorher gefundene Resultat der wahrscheinlichsten Breite
überwiegend auf der ersten Reihe von.10 Beobachtungen beruht, ebenso wie
das Resultat der wahrscheinlichsten Länge sich vorzugsweise auf die zweite
Reihe von 10 Beobachtungen gründet, so wird man wenigstens den wahrschein-
lichen Fehler eines jeden Resultats nicht zu klein schätzen, wenn man beide
Resultate nur als Ergebnisse, aus je 10 Beobachtungen entstanden, ansieht. Die
Division mit V/10 giebt!) dann den wahrscheinlichen Fehler der gefundenen
Breite = +0‘28” und der Länge = +0‘43“. Wird dies den obigen Re-
sultaten hinzugefügt, so ist schliefslich:
W.F.
die wahrscheinlichste Breite = 48° 0‘39“ Süd +28“
” Länge —= 75 21 8 West + 45
Wären die Beobachtungen nicht unter ungünstigen Verhältnissen an-
gestellt, wo die öftere Wiederholung aushelfen mufste, um wenigstens gegen
beträchtliche Ungenauigkeit im Resultat zu schützen, sondern nur im Vertrauen
auf die große Menge der Beobachtungen weniger sorgfältig ausgeführt worden,
so würde das bereits in mehrfacher Beziehung sehr instruktive Beispiel auch
jenes, zuweilen aufgetretene Vorurtheil erläutern können, dafs man schon durch
recht viele, wenn auch mangelhafte, Beobachtungen mehr zu erreichen ver-
möchte, als durch wenige gute Beobachtungen. Allerdings vermehrt sich die
Genauigkeit des Resultats mit den wachsenden Zahlen der Beobachtungen, aber
nur im Verhältnifs der Quadratwurzeln aus diesen Zahlen, und hätte man durch
gine Reihe von Beobachtungen ein Resultat bis auf eine Minute genau erlangt,
”
3 Wenn x == b aus einer Beobachtung und x == b’ aus n Beobachtungen erhalten wurde,
b +4 nb'
so wird aus der Verbindung beider Resultate x = Ferner sei x = bw die einzelne Beob-
w
Achtung mit ihrem wahrscheinlichen Fehler und x =— Yo das Resultat aus n Beobachtungen mit
seinem wahrscheinlichen Fehler, so werden die beiden letzten Gleichungen erst Resultate von gleicher
Genauigkeit, wenn man die letzte Gleichung mit p multiplieirt, weil dann x = b4:w und auch
px = pb‘-+4-w entsteht. Die Auflösung dieser beiden Gleichungen nach der Methode der kleinsten
Quadrate, indem man jede Gleichung At dem Kotffcienten von x multiplicirt, giebt x = b und
b b’ w
px = pb', aus deren Summe x = ST folgt. Es ist also p = Vn, und + % der wahrschein-
liche Fehler aus n Beobachtungen, wenn + wW der wahrscheinliche Fehler der einzelnen Beob-
achtung ist.