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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

534 Strömungen u, Wasseraustausch zwisch. d. Schwarzen u. Mittelländischen Meere. 
antere Oeffnung hineintreten., Hierdurch wird das Niveau in der zweiten 
Kammer gehoben, es entsteht ein Gefälle gegen das Niveau der ersten Kammer 
and infolge dessen eine Oberflächenbewegung der Flüssigkeit nach derselben, 
Ganz ebenso verhält es sich mit dem Schwarzen und Marmara-Meere, 
Durch den steten Ueberschufßs des durch die Flüsse zugeführten Sülswassers 
gegenüber der durch Verdunstung entführten Wassermenge wird das specifische 
Gewicht atets unter demjenigen des Marmara-Meeres gehalten; sonst müfste mit 
der Zeit ein Ausgleich und ein Gleichgewichtszustand zwischen beiden Meeren 
eintreten; beide würden an der Oberfläche Wasser von geringem, in der Tiefe 
solches von hohem specifischem Gewichte besitzen. Dasselbe würde der Fall 
sein, wenn das Süßwasser der Flüsse sich lediglich über dem schwereren Wasser 
des Schwarzen Meeres ausbreiten, das Niveau erhöhen and durch den Bosporus 
abfliefsen würde. Dadurch, dafs aber eine Mischung desselben mit dem salz- 
reicheren schwereren Wasser eintritt, wird demselben in dem durch das Gefälle 
entstehenden Oberflächenstrome fortwährend Salz entzogen, dadurch ein Gleich- 
gewichtszustand wieder gestört und ein kontinuirlicher Unterstrom erhalten, 
Durch letzteren wird wieder die Wassermasse im Schwarzen Meere vermehrt, 
das Niveau erhöht und ein Oberstrom erzeugt resp. verstärkt, und somit ist 
eine fortwährende Wechselwirkung thätig. Zwischen Ober- und Unterstrom be- 
steht insofern ein gewisses Gleichgewicht, als der letztere dem Schwarzen Meere 
eben so viel Salzgehalt wieder zuführt, als der Oberstrom ihm entzicht, so dafs 
das mittlere specifische Gewicht im Laufe des Jahres dasselbe bleibt, wie die 
Beobachtungen festgestellt haben. Aus der Differenz der specifischen Gewichte 
zwischen Ober- und Unterstrom leitet Makarof nun die Wassermassen ab, 
welche diese Ströme mit sich führen. Er fand nämlich als mittleres specifisches 
Gewicht des Oberstrom-Wassers 1,01534, des Unterstrom-Wassers 1,02834, und 
bestimmte unter der Annahme, dafs beide Ströme die gleiche Salzmenge mit 
sich führten, hieraus, dafs die in demselben bewegten Wassermassen sich wie 
1,847: 1 verhalten, und weiter fand er durch Borücksichtigung der Querprofile 
der Strömungen und der mittleren Geschwindigkeit, dafs der Oberstrom dem 
Schwarzen Meere 10530 cbm Wasser und der Unterstrom dem Marmara-Meero 
5700 cbm Wasser in der Sekunde entführt. Aus der Differenz der letzteren 
Wassermengen von 4830 cbm ergiebt sich forner, dafs der Bosporus im Jahre 
152 cbkm Wasser dem Schwarzen Meere ontzieht, welches demselben wieder 
durch deu Ueberschufs an Zufuhr durch Flüsse und Niederschläge über die ver- 
dunstete Wassermenge zugeführt werden muls, 
Durch eine grofse Reihe von Beobachtungen hat Makarof die Geschwindig- 
keit der Ströme in verschiedenen Tiefen, sowie die Grenzen zwischen Ober- und 
Unterstrom festzustellen gesucht, Er fand, dafs der Oberstrom seine gröfste 
Geschwindigkeit unmittelbar an der Oberfläche besitzt; sie nimmt mit der Tiofe 
allmählich ab, um an der Grenze der beiden Strömungen gleich Null zu werden, 
während der Unterstrom jenseits der letzteren sehr viel schneller sein Maximum 
erreicht, nämlich nur etwa 51/2 m unterhalb derselben. Zu Sarat-Burnu (bei 
Constantinopel), 28 km vom Schwarzen Meere entfernt, lag die Grenze beider 
Ströme 20m unter der Oberfläche, und 20m unterhalb dieser Grenze und nicht 
ganz 2m vom Grunde‘ schwankte die Goschwindigkeit des Stromes zwischen 
0,56 und 0,23 m und betrug im Mittel 0,37 m. Dio Grenze der beiden Ströme 
bildet keineswegs eine horizontale Ebene, sondern neigt sich bedeutend gegen 
das Schwarze Meer hin, wie. die folgenden Beobachtungen zeigen: 
Entfernung vom Grenze beider Obere Grenze des Wassers 
Schwarzen Meere Ströme unt. d. vom specifischen Gewichte 
Wasseroberfl. unter 1.020 unter 1,025 
m m 
% N 
q 9 
1 7 
Do 
Anatoli-Feuer , 
Bujukdere 1... 
Anatoli-Hissart , . 
Arnaut-Kot."\ 2. 
Constantinopel . 
Zu 
2» 
20 
- Die Lage der Grenze ändert sich übrigens mit der Zeit, So lag bei 
Bujukdere die obere Grenze des Wassers: von einem specifischen Gewichte unter
	        
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