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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Strömungen u. Wassoraustausch zwisch. d. Schwarzen u. Mittelländischen Meere. 533 
Bezüglich der gröfseren unperiodischen Schwankungen hat sich aus den 
Beobachtungen ergeben, dafs vom Jahre 1874 bis 1879 der Wasserspiegel um 
19 bis 36 cm stieg, 15880 wieder abnahm und 1881 zum zweiten Male ein 
Maximum erreichte, um im folgenden Jahre wieder einem Minimum Platz zu 
machen. An den unmittelbar bei den Mündungen der grofsen Flüsse Dniestr 
and Dniepr gelegenen Stationen, im Asow’schen Meere und in der Strafse von 
Kertsch, also in der Mündung des Don, trat noch im Jahre 1878 ein kleines 
gekundäres Minimum auf. Ein Vergleich dieser Niveau-Schwankungen im 
Schwarzen Meere mit den Niederschlägen im Gebiete der Russischen Ströme 
ergiebt, dafs diejenigen Jahre, welche sich durch ein Maximum des Wasser- 
standes auszeichnen, auch eine reiche Niederschlagsmenge aufweisen; sogar dem 
sekundären Minimum, welches auf den an den Strommündungen gelegenen 
Stationen 1878 auftrat, eutspricht ein schwaches Minimum der jährlichen Nieder- 
schlagsmenge. 
Um die Bewegungen und den Austausch des Wassers zwischen dem 
Schwarzen Meere und dem Marmara-Meere bezw. Mittelmeere zu konstatiren, 
sind, wie bereits angeführt, von Makarof von November 1881 bis August 1882 
im Bosporus und den. angrenzenden Theilen des Schwarzen und Marmara-Meeres 
Beobachtungen über das specifische Gewicht, die Temperatur des Wassers und 
die Strömungen angestellt und sehr wichtige Schlüsse aus denselben gezogen.‘') 
Dieselben bestätigen die bereits bekannte Thatsache, dafs in dem Bosporus ein 
Öberstrom von dem Schwarzen Meere ins Marmara-Meer und ein Unterstrom 
in entgegengesetzter Richtung setzt. Der Oberstrom folgt im Allgemeinen dem 
Verlauf der Küsten und stößt, den vielfachen Windungen derselben entsprechend, 
bald an die eine, bald an die andere Seite, wird dort zurückgeworfen und 
bildet dadurch in kleinen Buchten oft wechselnde Gegenströmungen, deren 
Grenze gegen den Hauptstrom fortwährend schwankt. Die Geschwindigkeit 
desselben ändert sich mit der Breite des Bosporus und erreicht stellenweise 
2m in der Sekunde (4 Knoten), während das Mittel ungefähr die Hälfte hier- 
von beträgt. Dieselbe hat übrigens nicht nur eine jährliche Periode mit einem 
Maximum im Sommer, sondern auch eine tägliche, indem sie von Morgens 10* 
bis Nachmittags zunimmt und dann wieder abnimmt; wahrscheinlich hängt dies 
mit den am Tage an Stärke bedeutend zunehmenden und Nachts wieder ab- 
fauenden Nordostwinden zusammen. 
Dieser Oberstrom wird erzeugt durch die Niveaudifferenz zwischen dem 
Schwarzen und Marmara-Meere, welche zwar nicht direkt durch ein Nivellement 
bestimmt ist, jedoch nach dem Unterschiede der specifischen Gewichte der 
Wassermassen beider Meere von Makarof auf 53cm berechnet ist. Das 
Schwarze Meer empfängt durch die grofsen in dasselbe einmündenden Ströme 
im Jahre bedeutend mehr Zuflufs an Wasser, als das Quantum des jährlich durch 
Verdunstung entschwindenden Wassers beträgt, Hierdurch wird das Niveau 
des Schwarzen Meeres erhöht und zwischen demselben und dem Marmara-Meere 
ein Gefälle erzeugt, welches die Veranlassung zu dem Oberstrome im Bos- 
porus bildet, 
Der Unterstrom wurde sowohl direkt durch versenkte Schwimmer und 
Flügelapparate gemessen, als auch indirekt durch das specifische Gewicht des 
Wassers ermittelt. Derselbe geht auch in vielfachen Windungen durch die 
Strafse, an die Seiten derselben anprallend und wieder zurückgeworfen, und 
zeigt durchaus keine regelmäfsige UVebereinstimmung mit dem darüber hin- 
Bielsenden Obersirome. 
Während der Oberstrom das specifisch leichte Wasser des Schwarzen 
Meeres führt, enthält der Unterstrom galzigeres und schwereres Wasser des 
Marmara-Meeres. Er verdankt seine Entstehung dem gröfseren Drucke, welcher 
in den Tiefen des Marmara-Meeres gegenüber dem des Schwarzen Meeres 
herrscht, Füllt man, das Experiment von Marsigli nachahmend, zwei Kammern 
welche durch zwei Oeffnungen oben und unten mit einander kommuniciren, mit 
Flüssigkeiten von verschiedenem specifischem Gewichte bis zu demselben Niveau, 
30 wird, veranlafat durch den gröfseren Druck am Boden, die Flüssigkeit mit 
gröfserem specifischem Gewichte aus ihrer Kammer in die andere durch die 
}) Beiträge zum 51. Bande der Sapiski der Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg 1885,
	        
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