532 Strömungen u. Wasseraustausch zwisch. d. Schwarzen u, Mittelländischen Meere.
Die Deutsche Hauptniederlassung liegt unmittelbar vor Niafu. Den
Schiffen, die dorthin bestimmt sind, wird seitens des Agenten bereitwilligst
Hülfe gewährt. Das Laden geht hier gewöhnlich schnell von Statten, und das
Kopra ist feiner geschnitten, als in Lefuka. Die Kosten eines Schiffes sind in
Varvaw dieselben, wie in Lefuka; ein Schiff aber, welches von dort oder Ton-
gatabıur nach Vavau kommt, ist hier von allen Hafenabgaben befreit. Dahin-
gegen hatte ich für die Abstempelung des Manifestes 3 Doll. und für einen
Gesundheitspafs 5 Doll. zu entrichten, Für Proviant hat man ziemlich hohe
Preise zu zahlen, da Alles, aufser Yams, importirt werden mufs, Frisches
Rindfleisch ist nicht zu haben, und höchstens bietet sich die Gelegenheit, einige
Aühner und Schweine zu erstehen, Das "Trinkwasser, welches die Brunnen
liefern, ist brack und fast ungeniefßsbar. In Niafu erhält man aber von den
Europäern gewöhnlich unentgeltlich einen gevügenden Vorrath von ihrem auf-
gefangenen Regenwasser,
Am 29, Juli waren wir bereits wieder segelfertig, nachdem wir 343 Tonnen
Kopra eingenommen hatten. Wir mufßten jedoch wegen Windstille bis zum
31. Juli warten; erst an diesem Tage kovnten wir mit Qauer SSE-Kühlte nach
Lissabon für Order unter Segel gehen,
Strömungen und Wasseraustausch zwischen dem Schwarzen und
Mittelländischen Meere.
Die zwischen dem Schwarzen und dem Mittelländischen Meere statt-
Gndenden ziemlich bedeutenden Strömungen verdanken bekanntlich ihre Ent-
stehung der Niveau-Differenz und dem Unterschiede des specifischen Gewichtes
beider Wasserbecken, welche Ursachen schließlich beide auf die dem Schwarzen
Meere durch die in dasselbe einmündenden zahlreichen Flüsse zugeführte
zrofse Menge von Sülswasser zurückzuführen sind. Ueber den Wasserstand des
Schwarzen Meeres sowohl, wie über die specifischen Gewichtsverhältnisse und
die Wasserbewegungen von und nach dem Pontus sind in den letzten Jahren
verschiedene Beobachtungen angestellt, welche wohl geeignet sind, in die hier
stattfindenden Verhältnisse Klarheit zu bringen.
Ueber den Wasserstand des Schwarzen Meeres hat E. von Maydell
aus 8- bis 10jährigen Pegelbeobachtungen von acht an der Nord- und Ostküste
des Schwarzen Meeres veriheilten Stationen interessante Schlüsse gezogen,')
während über die Strömungen und den Wasseraustausch zwischen dem Schwarzen
and Marmara-Meere Kapt, Makarof, Kommandant des Russischen Kriegs-
schiffes „Tamanj“, sehr werthvolle Beobachtungen angestellt hat.
. Nach Maydell lassen sich im Wasserstande sowohl eine jährliche Periode,
als. auch über längere Zeit sich erstreckende unperiodische Aenderungen unter-
scheiden, sowie ebenfalls sich ein Zusammenhang zwischen dem Wasserniveau
des Pontius und dem Wasserreichthum resp. der Wasserzufuhr der Flüsse nach-
weisen.
Anruf allen Beobachtungsstationen trat das Maximum des Wasserstandes
mit einer Erhebung von 9 bis 17cm über Mittelwasser im Mai oder Juni ein,
and zwar an den Stationen, welche bei der Mündung eines grofsen Flusses
liegen, Mitte Mai, bei den anderen erst im Juni; dasselbe wird ohne Zweifel
durch das im Frühjahre eintretende Hochwasser der Flüsse erzeugt. Im Sommer
zimmt der Wasserstand wieder ab.und entspricht im Juli und August dem
Jahresmittel. Im Oktober und Februar treten zwei Minima auf, welche 6 bis
10cm unter dem mittleren jährlichen Niveau liegen; sie werden durch ein
sekundäres Maximum im Dezember, welches jedoch noch unter dem mittleren
Niveau bleibt, getrennt.
„Morskoi Sbornik“, 1884, No. 11.