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Reisebericht der Deutschen Bark „Carl Both“.
Obwohl die Lotsen vom Gouverneur angestellt sind, ein festes Gehalt beziehen
and keine Konkurrenz zu bestehen haben, sind dieselben, wenn auch etwas
saumselig, doch recht tüchtig. Das ausgehende Lotsengeld beträgt 3d. für die
Reg.-T. Zum Verholen im Hafen ist man verpflichtet, einen Hafenlotsen zu
nehmen, für dessen Dienst jedes Mal !/2 d. pro Reg.-T. zu entrichten ist. Weitere
Hauptunkosten sind: Feuergeld == 6d. und Tonnengeld = 3d. pro Reg.-T.
Werftgelder sind, falls die Ladung in einer bestimmten Zeit gelöscht oder ge-
Jaden wird, nicht zu bezahlen. Die gelöschte Ladung wird von Werftbeamten
in Empfang genommen, wodurch die Ablieferung sich sehr vereinfacht, Schlepp-
dampfer zum Ein- und Ausbugsiren sind nicht vorhanden,
Am 29. Mai 1885 verliessen wir mit frischer nordwestlicher Briese den
Hafen von Wellington, um nach Auckland zu versegeln. Um 6" p, m, passirten
wir Kap Palliser und erhielten, nachdem wir zwei Stunden seewärts gelogen
hatten, eine frische südliche Briese, mit der die ganze Reise zurückgelegt und
bereits am 1. Juni Kap Colville erreicht wurde, worauf wir um 2* p. m, das
Schiff in Auckland an der Werft befestigten.
Die Ansegelung des Hafens von Auckland ist bis jetzt zur Nachtzeit
ziemlich schwierig, weil die Küste ungenügend befeuert ist; indefs beabsichtigt
man, auf Cuvier Island einen Leuchtthurm zu erbauen, und dadurch wird die
Ansegelung für ein von Süden kommendes Schiff bedeutend erleichtert werden,
Innerhalb der Barrier-Inseln ist das Feuer von Tirz-Tiri eine gute Leitmarke,
Zwischen dieser Insel und Rangitoto erhält man einen Lotsen aus einem Schoner,
der beständig draufsen sein soll. Bis jetzt besteht Lotsenzwang; man hat je-
doch die Absicht, denselben aufzuheben. Das Lotsengeld beträgt sowohl aus-
gehend, als einkommend 3d. für die Reg.-T. Auch wenn kein Lotsenzwang
vorhanden wäre, würde man diese Ausgabe schwerlich vermeiden können, nur
vielleicht, wenn man sich des Schleppdampfers bedient, der im letzten Winter
fertiggestellt wurde, und der bei südlichem Winde den Schiffen bis aufserhalb
des Rangitoto-Kanals entgegenfährt. Der Schlepplohn nach dem Tarif ist
ziemlich hoch, nämlich etwa 3'% d. pro Reg.-T.; indefs lassen die Führer der
Schleppdampfer mit sich handeln, so dafs man bei gutem Wetter manchmal
zum halben Preise einen Schleppdampfer erhalten kann. Die Hafenabgaben be-
iragen 3d. pro Reg.-T., das Werftgeld !/4 d. pro Tonne und Tag. Für jedes
Verholen des Schiffes im Hafen erhält der Hafenlotse eine Gebühr von 1d.
pro Reg.-T. Der Sandballast kostet Zsh. 6 d, und Steinballast 4 sh. die Tonne.
Die hauptsächlichen Exportartikel in Auckland sind: Kauri-Harz, Talg,
Wolle und Kopra, indefs sind Frachten für fremde Segelschiffe selten zu er-
halten, da die Englischen Linienfahrer bevorzugt werden.
In Auckland wurde „Carl Both“ von der Firma Wm, Mc Arthur & Co.
mit einer Ladung Brettern und Stückgütern nach den Tonga-Inseln: Lefuka
und Vavaw und von dort weiter mit einer Ladung Kopra nach Lissabon für
Order befrachtet. Am 21. Juni traten wir unsere Reise an und erreichten
am 27. Juni, nach einer Durchschnittsfahrt von 8 Sm in der Stunde, die Rhede
von. Lefuka. Wir passirten auf dieser Reise östlich von Tongatabu-Gruppe
and nördlich von der Insel Haano, welcher Weg bei Weitem am reinsten von
Untiefen ist. Darauf segelten wir bei frischer südöstlicher Briese unmittelbar an
den Riffen der Westküsten der Inseln Haano und Foua entlang. Unweit der
Nordspitze der Insel Lefuka ankerten wir, um einen Lotsen an Bord zu holen,
ohne dessen Hülfe die Einsegelung nach der Rhede bei entgegenkommendem
Winde nicht ausführbar ist. Der in Pangai (Hauptort auf der Insel Lefuka)
stationirte Regierungslotse, ein Eingeborener von Vavau, der etwas Englisch
spricht ‚und gleichzeitig das Amt eines Sanitäts- und Zollbeamten vollzieht,
soll eigentlich schon aufserhalb des Riffes an Bord kommen; aber da er nur
ein kleines Boot zu seiner Verfügung hat, 80 läfst er zuweilen lange auf sich
warten, was mich veranlafste, ihn in meinem Boote abzuholen. Da der Lotse
mit der Lage‘ und Ausdehnung der zahlreichen Korallenriffe, welche die Rhede
von Pangat umsäumen, nicht recht vertraut ist, dirigirt er die mit dem Schiffe
auszuführenden Manöver von der Vorbramraa aus. Er hat indessen kein Ver-
ständnifs davon, was für Manöver man mit einem größeren, Raasegel führenden
Schiffe ‘guszuführen im Stande ist, und es ist deshalb immerhin gewagt, sich
ihm bei vollständigem Gegenwinde anzuvertrauen. In diesem Falle ist es ge