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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

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Reisebericht des Deutschen Schoners „Franz“, 
auf welcher während des Tages alle 15 Minuten ein Wagen nach beiden Rich- 
tungen hin abfährt. Als einziger Ausfuhrplatz des Distrikts Natal wird sich 
Durban voraussichtlich bald bedeutend heben, Die Stadt, welche regelmäfsig 
angelegt und von schönen breiten Strafsen durchzogen ist, vergröfsert sich 
fortwährend. Die Häuser sind fast alle niedrig und aus Eisen aufgeführt, und 
man sieht nur einige hervorragende steinerne Gebäude, so namentlich das 
Rathhaus, welches jeder Stadt zur Zierde gereichen würde. Der Thurm des- 
selben hat eine ganz ansehnliche Höhe, und lange bevor man beim Ansegeln 
die Schiffe auf der Rhede von Port Natal entdecken kann, kommt derselbe 
schon in Sicht, 
Ungefähr 25 Sm entfernt von Durban befindet sich die Deutsche Nieder- 
Jassung „New Germany“, deren Bewohner ihr gutes Auskommen haben sollen, 
Es wundert mich daher, daß die Auswanderung von Deutschland sich nicht 
mehr nach Südost-Afrika lenkt. Das Klima hier scheint gerade für uns Deutsche 
recht geeignet zu sein, und ich hoffe, dafs Deutschland bald über Lüderitz- 
Land hinaus, im Innern des Landes, fosten Fufs fassen und daselbst ein „New- 
Deutschland“ im gröfseren Umfange gegründet wird. 
In Port Natal löschten wir unsere Ladung in fünf Tagen, legten dann 
an die Boje, woselbst einige Reparaturen ausgeführt und das Schiff seeklar 
gemacht wurde, um eine Reise in Ballast nach Calcutta und von dort mit Reis 
nach Port Natal zurück anzutreten, Am 8. Juli 1885 kamen noch einige Kuli- 
assagiere an Bord, und am 9, wurde „Zranz“ bei frischem SW-Winde nach 
Se geschleppt. 
2, Calcutta. 
Calcutta, welches wir am 27. August 1885, nach einer 49tägigen Reise 
von Port Natal erreichten, liegt am Hooghly, einem Mündungsarm des Ganges, 
etwas über 100Sm von der Mündung desselben aufwärts, und ist für die 
gröfsten Schiffe zugänglich, Von Deutschen Schiffen wird dieser Hafen selten 
besucht. Da das Fahrwasser stellenweise sehr schmal ist und die tiefo Fahr- 
rinne sich häufig verändert — namentlich zur Regenzeit —, so müssen größere 
Schiffe stets geschleppt werden, und nur in einzelnen Fällen gelingt 68 kleineren 
Fahrzeugen, mit günstigem Winde ein- oder auszusegeln. Die Lotsen wollen 
sich hierzu aber nur ungern verstehen und sind nur bereit dazu, wenn man 
ihre Bedenken durch Anerbieten von grofsen Geschenken überwunden hat. 
Rechnet man noch den Zeitverlust hinzu, so gewährt das Segeln dem Schleppen 
auf dem Hooghly gegenüber nur einen geringen Vortheil, namentlich wenn es 
so verläuft, wie es uns diese Reise ergangen ist. Wir waren auf unserer 
Rückreise genöthigt, uns bis Saugor schleppen zu lassen gegen einon Schlepp- 
John von 400 Rs., während derselbe für die ganze Strecke von Caleutta bis 
nach See 600—650 Rs. würde betragen haben. Wenn ich mich aber dafür 
entschieden hätte, das Schiff ganz bis nach See schleppen zu lassen, so wäre 
die Verzögerung nicht vorgefallen, die dadurch entstanden ist, daß wir in der 
Mündung des Flusses ankern mufsten, wobei infolge cines eintretenden Sturmes 
Anker” und Kette 'eingebüßst wurde, weil es nicht gelang, noch vor Dunkel- 
werdenden Lötsen absetzen‘ zu können. Vielleicht hätten wir bei dem anfangs 
östlichen Sturm eine bedeutende Strecke zurückgelegt und die Reise wesentlich 
gefördert, : Wie ich’ indefs‘ später erfahren und weiter unten des Nähern be- 
sprechen ‘werde, scheint in diesem Falle die Verzögerung unser Glück ge- 
WE8sEN‘ ZU" 80In, 
“Kleinere Schiffe haben für das Ein- und Ausschleppen je 400—500 Rs, 
zu zahlen, größsere Schiffe entsprechend mehr. ‘Eine feste Taxe besteht hierfür 
nicht, sondern‘ die Zahlung geschicht nach Uobereinkommen, wobei der Kapitän 
gut dingen, auch ‚den‘ Schlepper zur unentgeltlichen Lieferung der nöthigen 
Sechlepptroössen verpflichten muß. Das Lotsgeld, welches an sich schon mälfsig 
jet and wie’ auch in-Hockford’s Segelanweisung angegeben, bei einem Tief- 
gahge‘ von‘ 12 bis-13 Fufßs 212 Rs. 8 As. einkommend und 225 Rs, ausgehend 
beträgt; erleidet für geschleppte Schiffe eine Ermäßigung von 25 pCt. 
207 Zur Regenzeit Kuft ein starker Strom den Hooghly hinunter, und die 
Fluth mnaeht “sich dann bei“ Caleta nur zur Zeit des Neu- und Vollmondes 
bemerkbar. Um diese Zeit aber setzt dieselbe manchmal ganz plötzlich ein,
	        
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