Reisebericht des Deutschen Schoners „Kranz“.
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ein Deutscher Schoner 7, ein Englischer Dreimastschoner 14 Tage und ein
anderes Schiff gar 4 Wochen, wie mir die Kapitäne dieser Schiffe mitgetheilt
haben. Sie hatten sämmtlich Kap Natal angesteuert und waren dann io Wind-
stille und einen südwestlichen Strom geratheu, von dem sie mit einer Ge-
schwindigkeit bis zu 80 Sm im Etmal wieder zurückgetrieben worden waren.
Die Folge davon war denn auch, dafs diese Schiffe, obwohl sie bessere Segler
waren, als „Franz“, alle längere Reisen hatten.
Der Hafen von Port Natal erscheint auf den ersten Blick ziemlich ge-
räumig, doch gewährt er nur solchen Schiffen einen sicheren Liegeplatz, die
über die Barre kommen können. Aufserdem ist der eigentliche Ankerplatz nur
recht beschränkt, denn der gröfste Theil der Bai ist mit Sandbänken angefüllt,
welche mit der Ebbe trocken laufen. Bei der Stadt Natal zieht sich eine Quai-
mauer dem Ufer entlang, auf der Schuppen für die Aufnahme der gelöschten
Güter vorhanden sind. An diesem Quai können fünf mittelgrofse Schiffe gleich-
zeitig hintereinander liegen, und wenn von einer zweiten Lage von Schiffen
Stellungen über die ersten hinweg nach dem Quai gelegt werden, so können
gleichzeitig zehn Schiffe Stückgüter löschen. Weiter nordwärts befinden sich
dann noch Vorrichtungen, die es fünf Schiffen ermöglichen, zu gleicher Zeit
Steinkohlen zu löschen. Dem Quai entlang läuft eine Eisenbahn, so dafls die
Güter auch direkt aus dem Schiff in die Eisenbahawagen überführt werden
können, Unter der Annahme, dafs ein Schiff im Stande ist, täglich etwa
75 Tonnen zu löschen, wird die Zeit bestimmt, wie lange es an der Werft
liegen bleiben darf. Ist die Ladung entlöscht, so wird das Schiff von der
Werft nach einer Boje in der Bai gebracht, woselbst in der Regel sich zwei
Schiffe einander längsseits liegen und die beste Gelegenheit haben, sich mit
Ruhe seeklar zu machen. In Port Natal kostet der Ballast 3 sh. 6 d. pro Tonne,
das Trinkwasser 58h. für 100 Gallonen, frisches Fleisch 6 d. pro !% kg und
Salzfleisch 5 Lstrl. pro Barrel. Reis, Zucker und Mehl sind hier zu billigen
Preisen zu haben. An Schlepplohn hatte „Kranz“, ein Schiff von 229 Reg.-T.,
einkommend und ausgehend jedes Mal 12 Lstrl. und für das Verholen in der
Bai von der Werft nach der Boje durch einen Dampfer 2 Letrl. 10 sh. zu
zahlen. Das Lots-, Feuer- und Werftgeld belief sich zusammen auf 1 sh. die
Registertonne.
In Port Natal ist ein Zeitball vorhanden. Das Fahrwasser auf der
Barre verändert sich sehr leicht. In der gegenwärtigen Jahreszeit (Juni und
Juli) ist dasselbe recht gut, so dafs auch Schiffe mit einem Tiefgange bis zu
3,9m (13 Faß) stets die Barre passiren konnten. Bei unserer Abreise schien
sich indessen das Fahrwasser etwas zu verflachen, doch konnten wir bei einem
Tiefgange von 3,6 m (12 Fufs) noch ohne Gefahr auslaufen. Die Aufsenrhede
ist nicht sehr gut; denn wenn auch der Ankergrund dort vorzüglich hält, liegt
das Schiff doch schlecht wexen der fast immer vorhandenen hohen Dünung.
Weht es nun gar hart aus NE bis SE, so wird die Lage geradezu gefährlich,
was durch die vielen stattgehabten Strandungen dargethan wird. Zum Glück
werden dabei in den meisten Fällen die Menschen gerettet, Dank der Rettungs-
boote und anderer Rettungsapparate, die stets in Bereitschaft gehalten werden.
Nur wenn ein Schiff direkt auf der Barre verloren geht, ist dieses nicht immer
zu erreichen. Zwar wird viel Geld und Arbeitskraft auf die Herstellung des
Wellenbrechers verwandt, doch ist bis jetzt wenig erreicht und der Zustand
auf der Barre nur unwesentlich verbessert,
Während unseres Aufenthaltes in Port Natal, vom 7. Juni: bis‘ zum
9. Juli 1885, war das Wetter daselbst fast beständig schön, und Regen trat
aur höchst selten auf. Es stürmte gewöhnlich alle fünf bis sechs Tage einmal
aus SW; doch hielten die Stürme nie lange an, gewöhnlich nicht über 12 Stunden;
ja der eigentliche heftige Sturm irat nur in den ersten‘ Stunden. auf; waren
diese vorüber, liefs die Windstärke schon wieder nach, Zweimal‘ setzte der
SW-Sturm ganz plötzlich ein. Einmal wehte es auch stürmisch aus NE, und‘ in
einer Nacht hatten wir einen halbstündigen schr schweren Gewittersturm aus
ESE, Das Barometer Gel dabei nicht unter 760 mm (unreduzirt): HA Ba
Port Natal besteht nur aus einigen wenigen Häusern, denn die Geschäfte
haben ihren Sitz in der nahen Stadt Durban, wohin eine schöne breite Stralfse
führt. Die beiden Orte sind auch durch eine Pferdebahn miteinander verbunden;