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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Reisebericht des Deutschen Schoners „Kranz“. 
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ein Deutscher Schoner 7, ein Englischer Dreimastschoner 14 Tage und ein 
anderes Schiff gar 4 Wochen, wie mir die Kapitäne dieser Schiffe mitgetheilt 
haben. Sie hatten sämmtlich Kap Natal angesteuert und waren dann io Wind- 
stille und einen südwestlichen Strom geratheu, von dem sie mit einer Ge- 
schwindigkeit bis zu 80 Sm im Etmal wieder zurückgetrieben worden waren. 
Die Folge davon war denn auch, dafs diese Schiffe, obwohl sie bessere Segler 
waren, als „Franz“, alle längere Reisen hatten. 
Der Hafen von Port Natal erscheint auf den ersten Blick ziemlich ge- 
räumig, doch gewährt er nur solchen Schiffen einen sicheren Liegeplatz, die 
über die Barre kommen können. Aufserdem ist der eigentliche Ankerplatz nur 
recht beschränkt, denn der gröfste Theil der Bai ist mit Sandbänken angefüllt, 
welche mit der Ebbe trocken laufen. Bei der Stadt Natal zieht sich eine Quai- 
mauer dem Ufer entlang, auf der Schuppen für die Aufnahme der gelöschten 
Güter vorhanden sind. An diesem Quai können fünf mittelgrofse Schiffe gleich- 
zeitig hintereinander liegen, und wenn von einer zweiten Lage von Schiffen 
Stellungen über die ersten hinweg nach dem Quai gelegt werden, so können 
gleichzeitig zehn Schiffe Stückgüter löschen. Weiter nordwärts befinden sich 
dann noch Vorrichtungen, die es fünf Schiffen ermöglichen, zu gleicher Zeit 
Steinkohlen zu löschen. Dem Quai entlang läuft eine Eisenbahn, so dafls die 
Güter auch direkt aus dem Schiff in die Eisenbahawagen überführt werden 
können, Unter der Annahme, dafs ein Schiff im Stande ist, täglich etwa 
75 Tonnen zu löschen, wird die Zeit bestimmt, wie lange es an der Werft 
liegen bleiben darf. Ist die Ladung entlöscht, so wird das Schiff von der 
Werft nach einer Boje in der Bai gebracht, woselbst in der Regel sich zwei 
Schiffe einander längsseits liegen und die beste Gelegenheit haben, sich mit 
Ruhe seeklar zu machen. In Port Natal kostet der Ballast 3 sh. 6 d. pro Tonne, 
das Trinkwasser 58h. für 100 Gallonen, frisches Fleisch 6 d. pro !% kg und 
Salzfleisch 5 Lstrl. pro Barrel. Reis, Zucker und Mehl sind hier zu billigen 
Preisen zu haben. An Schlepplohn hatte „Kranz“, ein Schiff von 229 Reg.-T., 
einkommend und ausgehend jedes Mal 12 Lstrl. und für das Verholen in der 
Bai von der Werft nach der Boje durch einen Dampfer 2 Letrl. 10 sh. zu 
zahlen. Das Lots-, Feuer- und Werftgeld belief sich zusammen auf 1 sh. die 
Registertonne. 
In Port Natal ist ein Zeitball vorhanden. Das Fahrwasser auf der 
Barre verändert sich sehr leicht. In der gegenwärtigen Jahreszeit (Juni und 
Juli) ist dasselbe recht gut, so dafs auch Schiffe mit einem Tiefgange bis zu 
3,9m (13 Faß) stets die Barre passiren konnten. Bei unserer Abreise schien 
sich indessen das Fahrwasser etwas zu verflachen, doch konnten wir bei einem 
Tiefgange von 3,6 m (12 Fufs) noch ohne Gefahr auslaufen. Die Aufsenrhede 
ist nicht sehr gut; denn wenn auch der Ankergrund dort vorzüglich hält, liegt 
das Schiff doch schlecht wexen der fast immer vorhandenen hohen Dünung. 
Weht es nun gar hart aus NE bis SE, so wird die Lage geradezu gefährlich, 
was durch die vielen stattgehabten Strandungen dargethan wird. Zum Glück 
werden dabei in den meisten Fällen die Menschen gerettet, Dank der Rettungs- 
boote und anderer Rettungsapparate, die stets in Bereitschaft gehalten werden. 
Nur wenn ein Schiff direkt auf der Barre verloren geht, ist dieses nicht immer 
zu erreichen. Zwar wird viel Geld und Arbeitskraft auf die Herstellung des 
Wellenbrechers verwandt, doch ist bis jetzt wenig erreicht und der Zustand 
auf der Barre nur unwesentlich verbessert, 
Während unseres Aufenthaltes in Port Natal, vom 7. Juni: bis‘ zum 
9. Juli 1885, war das Wetter daselbst fast beständig schön, und Regen trat 
aur höchst selten auf. Es stürmte gewöhnlich alle fünf bis sechs Tage einmal 
aus SW; doch hielten die Stürme nie lange an, gewöhnlich nicht über 12 Stunden; 
ja der eigentliche heftige Sturm irat nur in den ersten‘ Stunden. auf; waren 
diese vorüber, liefs die Windstärke schon wieder nach, Zweimal‘ setzte der 
SW-Sturm ganz plötzlich ein. Einmal wehte es auch stürmisch aus NE, und‘ in 
einer Nacht hatten wir einen halbstündigen schr schweren Gewittersturm aus 
ESE, Das Barometer Gel dabei nicht unter 760 mm (unreduzirt): HA Ba 
Port Natal besteht nur aus einigen wenigen Häusern, denn die Geschäfte 
haben ihren Sitz in der nahen Stadt Durban, wohin eine schöne breite Stralfse 
führt. Die beiden Orte sind auch durch eine Pferdebahn miteinander verbunden;
	        
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