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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

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Der Hafen von Bahia Blanca in Argentinien, 
besonders für meine Kollegen, wenn dieselben nach dem genannten Hafen be- 
frachtet sind, von Interesse sein, etwas darüber zu erfahren. 
Von Norden oder Osten kommend, suche man bei Kap Corrientes Land 
zu machen und steuere dann, wenn Wind und Wetter es erlauben, in einem 
Abstande von etwa 10 Sm längs der Küste, bis man Monte Hermoso, einen 
Sandhügel, der etwas höher als die übrigen und mit einer Pfahlbake von 14m 
(48 Fufs) Höhe versehen ist, in Sicht bekommt. Bei klarem Wetter wird man 
leichzeitig das 1050 m (3500 Fufß) hohe Gebirge Sierra Ventana, 48 Sm mw. 
NNW1AW von Monte. Hermoso, entdecken. 12 Sm Sz0'420 mw. von Monte 
Hermoso ist die Einfahrt nach Bahia Blanca, welche durch eine gelbe Boje be- 
zeichnet ist. Weiter aufwärts liegen längs der Mitte des Fahrwassers, von 
etwa 3 zu 3 Sm, rothe Bojen. Bei günstigem Winde läfst sich die Einsegelung 
mit Benutzung der Englischen Admiralitätskarte ganz gut ohne einen Dotaca 
ausführen, bis ein sicherer Ankerplatz erreicht ist. Unter solchen Verhältnissen 
segelte ich bis zur Boje No. 9, nachdem ich vorher bis zur Boje No. 5 ein- 
gekreuzt war, woselbst geankert und später ein Lotse und ein Schleppdampfer 
genommen wurde, 
Bei Nacht ist es nicht rathsam, sich der Mündung des Fahrwassers zu 
sehr zu nähern, weil das kleine Feuer auf Monte Hermoso mitunter kaum 8 Sm 
weit sichtbar ist; man halte sich alsdann auf einer Wassertiefe von 20 m (11 Fad.). 
In der angeführten Karte ist SO von Monte Hermoso in 10,8 m (6 Fad.) ein 
Ankerplatz angedeutet. Dieser ist indefls wenig empfehlenswerth, weil bei ein- 
setzender südöstlicher Briese bald eine bedeutende See aufkommt. Wir hatten 
Gelegenheit, dies selbst zu erfahren, Wie schon bemerkt, waren wir gegen 
Nordwestwind bis zur Boje No. 5 aufgekreuzt, woselbst geankert werden 
mulfste, weil weiter aufwärts das Fahrwasser zum Kreuzen mit einem tiegehenden 
Schiffe zu eng wird. Indem wir suf günstigen Wind warteten, lagen wir auf 
diesem Ankerplatz zwei Tage. In der Nacht vom 9. zum 10, September 1885 
setzte frischer SE-Wind ein, der gegen Morgen die Stärke 8 erreichte. Derselbe 
verursachte sofort eine so hohe See, dafs es uns nur mit grofser Mühe gelang, 
bei Tagesanbruch den Anker zu lichten und frei von den Sandbänken zu bleiben, 
Es geht hieraus hervor, wie gewagt es ist, draufsen zu ankern; für die damit 
verbundene Gefahr logen auch einige Wracks Zeugnife ab. Lieber halte man 
sich bei entgegenkommendem Winde auf offenem Meere und warte dort, bis 
günstiger Wind einsetzt. 
Einen Lotsen kann man aufserhalb der Mündung des Fahrwassers nicht 
erhalten. Derselbe kommt vielmehr erst an Bord, wenn das Schiff von der 
Stadt aus geschen wird. Da der Schiffsverkehr io Bahia Blanca sich in letzter 
Zeit bedeutend gehoben hat, ist jedoch Hoffnung vorhanden, dafs es mit dem 
Lotsenwesen bald besser werden wird. Auch ist die Auslegung eines Feuer- 
schiffes bei der Boje No. 1 in kurzer Zeit in Aussicht gestellt. 
Der Hafen selbst läfst nichts zu wünschen übrig. Die Schiffe liegen an 
einer weit in den Flufs hinein gebauten Brücke, an der das Löschen der Ladung 
rasch von statten geht. Wir löschten in 14 Tagen 915 Tonnen Kohlen. Schiffe 
mit einem Tiefgang bis 5,4 m (18 Fuls) können zu jeder Zeit den Hafen er- 
reichen. Die Fluth steigt im Durchschnitt 3,9 m (13 Fufs). Die Hafenunkosten 
sind dieselben wie in Buenos Aires; indels ist es die Absicht, bald für Benutzung 
der Brücke und Krähne eine bedeutende Abgabe zu erheben. 
Das Wetter war während meines Aufenthalts in Bahia Blanca vom 
13. September bis 13. Oktober 1885 meistens schön uud trocken, und nur ein- 
mal trat Regen auf, Der vorherrschende Wind hatte eine Richtung zwischen 
NW und W, des Morgens gewöhnlich steif wehend und gegen Mittag abflauend. 
Die Temperaturschwankungen erreichten mitunter einen sehr hohen Grad; es 
kam vor, dafs, nachdem in der Nacht Frost gewesen war, die Temperatur am 
Tage bis auf 26° €, stieg,
	        
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