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Der Hafen von Bahia Blanca in Argentinien,
besonders für meine Kollegen, wenn dieselben nach dem genannten Hafen be-
frachtet sind, von Interesse sein, etwas darüber zu erfahren.
Von Norden oder Osten kommend, suche man bei Kap Corrientes Land
zu machen und steuere dann, wenn Wind und Wetter es erlauben, in einem
Abstande von etwa 10 Sm längs der Küste, bis man Monte Hermoso, einen
Sandhügel, der etwas höher als die übrigen und mit einer Pfahlbake von 14m
(48 Fufs) Höhe versehen ist, in Sicht bekommt. Bei klarem Wetter wird man
leichzeitig das 1050 m (3500 Fufß) hohe Gebirge Sierra Ventana, 48 Sm mw.
NNW1AW von Monte. Hermoso, entdecken. 12 Sm Sz0'420 mw. von Monte
Hermoso ist die Einfahrt nach Bahia Blanca, welche durch eine gelbe Boje be-
zeichnet ist. Weiter aufwärts liegen längs der Mitte des Fahrwassers, von
etwa 3 zu 3 Sm, rothe Bojen. Bei günstigem Winde läfst sich die Einsegelung
mit Benutzung der Englischen Admiralitätskarte ganz gut ohne einen Dotaca
ausführen, bis ein sicherer Ankerplatz erreicht ist. Unter solchen Verhältnissen
segelte ich bis zur Boje No. 9, nachdem ich vorher bis zur Boje No. 5 ein-
gekreuzt war, woselbst geankert und später ein Lotse und ein Schleppdampfer
genommen wurde,
Bei Nacht ist es nicht rathsam, sich der Mündung des Fahrwassers zu
sehr zu nähern, weil das kleine Feuer auf Monte Hermoso mitunter kaum 8 Sm
weit sichtbar ist; man halte sich alsdann auf einer Wassertiefe von 20 m (11 Fad.).
In der angeführten Karte ist SO von Monte Hermoso in 10,8 m (6 Fad.) ein
Ankerplatz angedeutet. Dieser ist indefls wenig empfehlenswerth, weil bei ein-
setzender südöstlicher Briese bald eine bedeutende See aufkommt. Wir hatten
Gelegenheit, dies selbst zu erfahren, Wie schon bemerkt, waren wir gegen
Nordwestwind bis zur Boje No. 5 aufgekreuzt, woselbst geankert werden
mulfste, weil weiter aufwärts das Fahrwasser zum Kreuzen mit einem tiegehenden
Schiffe zu eng wird. Indem wir suf günstigen Wind warteten, lagen wir auf
diesem Ankerplatz zwei Tage. In der Nacht vom 9. zum 10, September 1885
setzte frischer SE-Wind ein, der gegen Morgen die Stärke 8 erreichte. Derselbe
verursachte sofort eine so hohe See, dafs es uns nur mit grofser Mühe gelang,
bei Tagesanbruch den Anker zu lichten und frei von den Sandbänken zu bleiben,
Es geht hieraus hervor, wie gewagt es ist, draufsen zu ankern; für die damit
verbundene Gefahr logen auch einige Wracks Zeugnife ab. Lieber halte man
sich bei entgegenkommendem Winde auf offenem Meere und warte dort, bis
günstiger Wind einsetzt.
Einen Lotsen kann man aufserhalb der Mündung des Fahrwassers nicht
erhalten. Derselbe kommt vielmehr erst an Bord, wenn das Schiff von der
Stadt aus geschen wird. Da der Schiffsverkehr io Bahia Blanca sich in letzter
Zeit bedeutend gehoben hat, ist jedoch Hoffnung vorhanden, dafs es mit dem
Lotsenwesen bald besser werden wird. Auch ist die Auslegung eines Feuer-
schiffes bei der Boje No. 1 in kurzer Zeit in Aussicht gestellt.
Der Hafen selbst läfst nichts zu wünschen übrig. Die Schiffe liegen an
einer weit in den Flufs hinein gebauten Brücke, an der das Löschen der Ladung
rasch von statten geht. Wir löschten in 14 Tagen 915 Tonnen Kohlen. Schiffe
mit einem Tiefgang bis 5,4 m (18 Fuls) können zu jeder Zeit den Hafen er-
reichen. Die Fluth steigt im Durchschnitt 3,9 m (13 Fufs). Die Hafenunkosten
sind dieselben wie in Buenos Aires; indels ist es die Absicht, bald für Benutzung
der Brücke und Krähne eine bedeutende Abgabe zu erheben.
Das Wetter war während meines Aufenthalts in Bahia Blanca vom
13. September bis 13. Oktober 1885 meistens schön uud trocken, und nur ein-
mal trat Regen auf, Der vorherrschende Wind hatte eine Richtung zwischen
NW und W, des Morgens gewöhnlich steif wehend und gegen Mittag abflauend.
Die Temperaturschwankungen erreichten mitunter einen sehr hohen Grad; es
kam vor, dafs, nachdem in der Nacht Frost gewesen war, die Temperatur am
Tage bis auf 26° €, stieg,