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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

48.3 
Reisebericht der Deutschen Bark „Albatrols*. 
sich fühlbar. Da ich befürchtete, die Mündung des Congo nicht mehr vor Ein- 
tritt der Dunkelheit überschreiten zu können, so ankerte ich um 5* p.m. in 
Turtle Cove auf einer Wassertiefe von 12,6m (7 Pad), Der Ankergrund ist 
hier sehr gut, und da auch keine aufsergewöhnliche Strömung, sondern nur 
leichte Fluth und Ebbe auftritt, auf welche das Schiff bei leichten Winden 
schwait, £o ist dieser Aukerplatz zu empfehlen. Um 89" p. m. kam leichte Land- 
briese durch, die bis zum nächsten Morgen anhielt, als es windstill wurde. 
Am 24. Oktober gingen wir mit dor um Mittag einsetzenden Seebriese 
Anker auf. Es war meine Absicht, Sharks Point!) so nahe als möglich zu 
passiren, doch bevor dieses erreicht war, brachte die Strömung aus dem Congo 
das Schiff aus dem Steuer. Als Sharks Poznt passirt war und das Schiff trotz 
der frischon Briese, mit der es 6 Kn durchs Wasser laufen mufste, immer noch 
nicht steuern wollte, hielten wir bei dem Winde dem Lande zu. In einem Ab- 
stande von 1 bis 1'/% Sm von Sharks Point war es uns möglich, das Schiff zu 
steuern. Wir hielten Boolambemba Point eben unter Lee und scheerten auf 
diese Weise über den Congo hinüber. Als die genannte Landspitze SOzO peilte, 
liefs ich vor der Mündung des Banana Creck ab und an liegen; da aber von 
der Englischen Faktorei kein Lotse abkam, waren wir schließlich genöthigt, 
bis zur Stella-Bank zurückzutreiben und dort auf einer Wassertiefe von 10,8 m 
(6 Fad.) zu ankern. Wir lagen hier drei Tage; es lief eine ziemlich starke 
Strömung, das Schiff wollte dem Ruder nicht gehorchen und gierte stets hin 
and her. Am 27, Oktober kam endlich der Englische Lotse, welcher gleichzeitig 
Führer eines Dampfers ist, an Bord, und unter dessen Anleitung segelten wir 
am Nachmittage in den Banana Creek ein. Die Reise von Liverpool bis hierher 
betrug somit 66 Tage, wovon 5 Tage auf dem Revier zugebracht wurden. 
Um Weihnachten. machte ich mit dem Dampfer der hiesigen Englischen 
Faktorei eine Fahrt den Congo hinauf bis Noki, und dürfte es von Interesse 
sein, wenn ich hier einige Mittheilungen über dieselbe mache, 
Wir verliefsen Banana um 6'/s* am. und setzten den Kurs direkt auf 
Boolambembna Point, um uns dann, mit Rücksicht auf die starke Gegenströmung, 
bie zur. Bull-Insel so nahe als möglich am rechten oder nördlichen Ufer des 
Flusses zu halten; darauf steuerten wir nach dem linken Ufer, eben unterhalb 
Secotchmans Head, hinüber und hielten uns nun bis jenseits Heewett Creck in 
dessen Nähe, An dieser Stelle stießen wir auf bedeutende Stromwirbel von 
trichterförmiger Gestalt, die einen Umfang von 15 bis 30m hatten. Der Dampfer 
schlingerte in denselben, wie in einer hohen See, Jetzt führte der. Kurs nach 
der Nordwestspitze der Gra/s-Insel, dann längs der Nordküste dieser Insel und 
hinüber nach der rechten Seite des. Congo bei Chigo und weiter in einem kleinen 
Abstande von derselben bis Puerto da Linke vorbei. Oberhalb Puerto da Lenha 
bogen wir in den Mamballa-Flufs ein, einen Seitenarm des Congo, hier mußte 
wegen der vielen Sandbänke, welche theils sichtbar, theils unsichtbar sind, der 
Kurs häufig geändert werden, Die Strömung erwies sich hier aber nicht so 
stark, als auf der vorhergegangenen Strecke. Bis zur Mündung des Mamballa- 
Flusses waren alle Inseln stark bewaldet, aber von dort an traten an die Stelle 
des Waldes Gesträuche, vereinzelt stehende Bäume und hohes Gras. Als wir 
die Südwestspitze von Low Island erreicht hatten, steuerten wir gerade auf 
Fetish Rock, einen Felsen auf dem südlichen Flufsuler von etwa 24—30m 
Höhe, der fast steil nach dem Flusse hin abfällt, Es befanden sich hier wieder 
starke Stromwirbel, so dal wir Mühe hatten, den Dampfer auf dem Kurso zu 
halten und voran zu kommen, Von Fetish Rock führte der Kurs nach One Tree 
Hüll, einem Hügel auf dem nördlichen Ufer von 45—60 m Höhe, dessen oberste 
Spitze mit einem einzigen Baum bewachsen ist. Auf Fingals Shield Point he- 
findet sich ein hoher aufrecht stehender Stein, der, aus der Ferne gesehen, 
Achnlichkeit mit einem Thurme hat und daher mit dem Namen Leuchtthurm 
bezeichnet wird. Derselbe bildet ebenfalla eine gute Segelmarke. Der Hügel, 
auf dem der Stein steht, mag an 90m hoch sein. Als wir die Küste eben 
oberhalb One Tree Hill erreicht hatten, steuerten wir direkt auf Boma, woselbst 
1 Auf Sharks Point ist von der Portugiesischen Regierung ein Flaggenmast errichtet worden, 
an welchem täglich die Portugiesische Flagge weht,
	        
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