Reisebericht der Deutschen Bark „Albatrofs“,
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Vieh gedeiht nicht auf der Insel, Frächte nur wenige. Die Haupt-
produktion besteht in Kokosnufsöl, wovon jährlich 50000 Gallons exportirt
werden. Die Oelmühlen und Speicher liegen in der Nähe der Hauptnieder-
lassungen Point Marianne, East Point und Minni Minny, ebenso die Hütten
der Arbeiter, Die letzteren werden zum gröfsten Theile aus Mauritius importirt,
meist Neger, die sich gewöhnlich für eine Zeit von drei Jahren verpflichten,
Es sind daselbst zwei Kohlenstationen etablirt, die eine auf Kast-I,
gehört der „Orieut Steam Navigation Company“, die andere gehört einem Herrn
W. Lund, ist kleiner und etwas weiter vom Eingange der Lagune entfernt,
hat aber sonst eine bessere Lage, Sie liegt in der Nähe der Niederlassung der
DOel-Kompagnie bei Hast Point und hat den Vortheil, daß dort bis dicht an
Land 9m bis 11m Wasser sind und die Schiffe dort völligen Schutz gegen die
vorherrschenden Winde finden, während bei dem anderen Kohlenetablissement
beim Südost-Passat oft unangenehme See steht, die es schwierig macht, Kohlen-
hulks oder Leichter neben die Schiffe zu legen.
Bericht des Kapt. C. Hannes von der Deutschen Bark „Albatrofs“
über eine Reise nach dem Congo.”
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Am Nachmittage des 22, August 1885 verlieflsen wir mit dem „Albatrofs“
im Tau eines Schleppdampfers das Prince’s Dock in Liverpool, um unsere Reise
nach Banana am Congo-Flusse anzutreten. Die ersten Tage auf See verliefen
bei leichten östlichen Winden und schönem Wetter, Am 7, September gelangten
wir mit mäfsiger nördlicher Briese in Sicht von Madeira und setzten nun mit
dem NE-Passat, entsprechend der von der Seewarte erhaltenen Sogelauwetaung,
den Kurs nach 15° N-Br und 21° W-Lg. Den Passat verloren wir am 17. September
in 12,4° N-Br und 20,9° W-Lg; dann folgten Böen, leichte umlaufende Winde und
Windstillen, bis am 27, September, als unser Mittagsbesteck 6° 22‘ N-Br und
16° 9’ W-Lg ergab, das Wetier bei mälsiger südwestlicher Briese wieder be-
ständig wurde. In den folgenden Tagen beobachteten wir eine OSO-Strömung
von 20—30 Sm im Etmal,
Auf der weiteren Ronte wurde am 6. Oktober der Aequator in 2,7° W-Lg
erreicht. Bis zum 14. Oktober segelten wir dann mit mäfsiger, zwischen Süd
und SWzS schwankender Briese auf St-B.-Halsen gut voll beim Winde bis nach
3,4° S-Br in 7,3° O-Lg. Hier stellte es sich aber heraus, dafs wir in eine
ziemlich starke Gegenströmung gerathen waren. Das Wasser hatte eine
schmutzige gelbgrünliche Farbe angenommen, und auf der Oberfläche desselben
zeichneten sich lange Stromstreifen ab. Ich wendete daher und liels das Schiff
bis zum Abend des folgenden Tages auf B-B.-Halsen liegen, bis das Wasser
wieder eine reine klare, wenngleich noch grünliche Farbe angenommen hatte,
Wir kreuzten nunmehr an der Westkante des schmutzigen Wassers (der Congo-
Strömung) auf und fanden wenig oder gar keinen Strom. .
Am Nachmittage des 22. Oktober kam die Afrikanische Küste, eben
südlich von Red Clif, in Sicht. Eine hohe südwestliche Dünung veranlalste
mich, das Schiff auch während der Nacht unter Segel zu halten und nicht zu
ankern, Irgend welche Strömung wurde hier nicht bemerkt, Am Mittage des
23, Oktober segelten wir bei leichtem SSW-Winde, nach vorhergegangener
Windstille, nordwärts längs der Küste. Bei Point Padron beobachteten wir
eine sehr stark brechende See; als diese Landspitze aber hinter uns war, rer-
schwand die südwestliche Dünung, und die Strömung aus dem Congo machte
} Siehe auch diese Annalen Jahrgang 1883, 8, 164 £.